Eine Erdbeer-Kritik

Kürzlich habe ich noch von diesen Früchten, von denen ich abhängig bin, geschwärmt. Gestern, am Brückensamstag war ich zu spät. Ich kaufe immer erst nach dem Essen ein. Hungrig einkaufen ist zu teuer, das kann ich mir nicht leisten. Obwohl ein “Brückensamstag” war, war die Erdbeeretage im Obstregal des Momo bereits leergekauft und gefegt. Wie in der DDR.

Beim Edeka war noch reichlich Ware vorhanden, aber keine Bioqualität, sondern billig. Ich entschied mich für einen renommierten regionalen Erzeuger, der auf dem Beueler Wochenmarkt gut vertreten ist, und bei dem ich schon viel Frischware von guter Qualität erworben habe.

Seine Erdbeeren sahen prächtig aus. Pralles Dunkelrot, mittelgrosse bis sehr grosse Früchte. Das Auge kann nicht widerstehen. Hätte es mich misstrauisch machen müssen, dass in der mehrlagigen Schale am späten Nachmittag keine einzige Beere faulig, noch nicht mal matschig oder angedötscht war? Denn leider: bei einer Blindverkostung, ohne mitessendes Auge, hat die Ware eine fatale Ähnlichkeit mit den berühmt-berüchtigten holländischen Wassersäcken, die hierzulande unter der Bezeichnung “Tomaten” verbreitet werden. Ich vermute, diese Sorte ist ausserdem schädlingsrsistent, klimarobust, und sehr gut transport- und lagerfähig. Also alles, was die deutsche industrialisierte renditeorientierte Landwirtschaft so liebt. Dieser Weg hat wahrscheinlich vor Jahren und Jahrzehnten schon mit der Zucht und Selektion angefangen. Es fallen einfach zu viele drauf rein. Ich auch.

Aber es schmeckt nicht.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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