Der “Stern”, der Wald, die Uefa

mit Update 31.5.

René Martens/taz muss irgendwelche was-mit-Medien-Leute kennen, die bei Gruner & Jahr arbeiten. Heisst das überhaupt noch so, oder ist die “Marke” schon beerdigt? Ich blicke nicht mehr durch, und bedanke mich bei ihm, dass er den Überblick behält. Die Sache mit dem alten Nazi Nannen hat schon einen so langen Bart – das weiss ich schon, seit ich 1977 in meine WG eingezogen bin, in der zeitweise linke Stern-Redakteure logierten.

Wenn eine “Sau durchs Dorf getrieben” wird, und sie das überlebt, kann sie mit gewissem zeitlichen Abstand erneut losgejagt werden. Es ist nicht grundsätzlich falsch, wenn Strg_F/funk das heute wiederholen. Denn ausweislich der “Hitler-Tagebücher”, mit denen der lange Abstieg von Stern und G&J begann, und zu den heute von Martens beschriebenen Ergebnissen führte, gibt es reichen Anlass zu der Annahme, dass der Konzern dahinter, dessen Herren den langen tiefen Absturz zu verantworten haben, bis heute keine Verantwortung für ihre Schandtaten und ihre Geschichtsklitterung zu übernehmen bereit sind.

“Hitler geht immer” heisst es bis heute in der Branche, und selbst die aktuelle Politik scheut davor immer weniger zurück. Bei ZDF-info finden Sie das täglich.

Der Wald

Susanne Aigner/telepolis kennt sich nicht nur fachlich mit Ökologischem aus, sondern kann auch darüber schreiben, und zwar auf hochaktueller Ballhöhe. Darum sollten Sie Deutsche Wälder unter Stress – Die Anzahl der gesunden Bäume nimmt kontinuierlich ab. Nicht jede Art von Aufforstung ist sinnvoll – nötig wären mehr Mischwälder mit anpassungsfähigen heimischen Laub- und Nadelbäumen” nicht verpassen.

Uefa – klassisch mafiös

Gestern gab es Randale in Paris am Fussballstadion. Geradezu klassisch “verlangt” die Verursacherin des menschenrechtswidrigen Geschehens nun “Aufklärung”. Besser gehts nicht. Schon vor drei Tagen wusste die*der durchschnittliche Radiohörer*in, dass am Fährhafen Dover Staus mit mehreren Tagen Wartezeit aufgelaufen waren, die alle nur das eine Ziel kannten: den FC Liverpool gegen den Laden des Baumafia-Tycoons Florentino Perez (ACS, u.a. Besitzer von Hochtief) zu unterstützen. Echte Fans lassen sich von niemandem davon abhalten. Auch wenn die Uefa die TV-Rechte, also den öffentlichen Zugang, auf Pay-TV-Milliardäre begrenzt. Am besten ist nicht vor der Glotze, sondern da, wo das echte Spiel mit echten Menschen ist. Liverpool wäre tot, wenn es anders wäre.

Die Uefa ist nicht so doof, dass sie das alles nicht weiss. Aber es interessiert sie nicht. Michael Horeni/FAZ (Paywall) schreibt völlig treffend: “Wenn die UEFA nur halb so viel Aufmerksamkeit auf die Fans legen würde, die ins Stadion kommen, wie auf die Vermarktung ihres Produkts im Fernsehen, hätte sich vermutlich niemand über unwürdige Verhältnisse bei den europäischen Endspielen beschweren müssen.” Darum kam es so, wie es gekommen ist.

Aber wen interessiert es, wenn Bullen und Fans sich kloppen? Schöne schreckliche Bilder für die Medien. Und hinterher kommt irgendein Innenminister dahergelaufen, zückt seinen Zeigefinger, und sagt ein paar Sätze “Dududu!” in die Kameras.

Horeni rechnet weitere Uefa-Veranstaltungen vor: Europa-League-Finale Frankfurt-Glasgow – 150.000 Fans reisten an bei 40.000 Stadionplätzen in Sevilla; Conference-League-Finale AS Rom-Feyenoord – 100.000 Fans reisten nach Tirana zu einem Stadion mit 22.000 Plätzen. Ein*e Musikveranstalter*in von solchem Niveau könnte keine Stadthalle mehr vermietet bekommen. Aber diese Herren können nichts (die eine Frau mitgemeint) – nur Geld zählen.

In einem Rechtsstaat, in dem ich zu sagen hätte, würden die ihrer Freiheit beraubt.

Update 31.5.: zum journalistisch blamablen Umgang – ich habe mich fälschlicherweise daran schon gewöhnt – von ZDF und ARD mit den Pariser Ereignissen hier eine absolut zutreffende Medienkritik von René Martens/MDR-Altpapier.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net