Wundersame Bahn CIII

Mein heutiger Genuss-Tag war gekennzeichnet von ausgezeichnetem Spargelragout mit Putengeschnetzeltem im Bistro Odeon und dem Film “Die Unbeugsamen” im Ehrenfelder Cinenova. Zu Letzterem rate ich unbedingt zu: er zeigt, wie hart die Frauen in allen Parteien gearbeitet haben, um eine Bundeskanzlerin möglich zu machen und Voraussetzungen für die gegenwärtigen feministischen Kämpfe überhaupt zu schaffen. Die härteste Schule war die CSU. Und ist es. Aber für alle war das sehr hart, und dennoch partiell ein Vergnügen. Das bezeugte Protagonistin Christa Nickels, die sich das im Film gezeigte politische Geschehen – neben vielen Anderen, z.B. Ingrid Matthäus-Maier – als Lebensleistung anrechnen kann. Samstag um 14.45 h läuft der Film ein weiteres Mal in der Beueler Filmbühne.

Bemerkenswert: Regisseur Torsten Körner war in dieser Rolle Debütant, bis dahin Journalist und Buchautor. So ein Filmwerk ist eine grosse Teamleistung. Die dauerte über fünf Jahre – was aktuelle Werke unmöglich macht. Hier geht es um die Geschichte der Politikfrauen in der West-BRD. Ein Nachfolgewerk über den deutschen Osten ist in Planung. Die Bildsprache von “Die Unbeugsamen” ist sehr, sehr stark. Und sogar die Musik nervte mich nicht. Die Wiedererinnerung und -belebung von Helen Reddy (1972 No. 1 in USA) freute mich besonders.

Das war alles so gut – die Bahn konnte es mir nicht vermiesen. Hat sie auch nicht. Hinfahrt mit dem RE5 linksrheinisch. Nicht überfüllt, und er holte sogar 5 seiner 10 Verspätungsminuten auf. Zurück nahm ich in Ehrenfeld vorsichtshalber 4 Züge früher als in der Vorwoche. Und diesmal kam der Zug wirklich, fast pünktlich. Nur leider musste die hintere Zughälfte “in die Werkstatt” und wurde in Köln Hbf. abgehängt. Durch überlange Aufenthalte in Hbf. und Deutz sowie Schritttempo in Kalk wurden bis zum Flughafen 12 Minuten Verspätung eingefahren. Die Flughafenschleife kostete damals – aus Ausgleichsmitteln für den Hauptstadtbeschluss in den 90ern – 1 Milliarde. Aber nur D-Mark. Die derzeit in Bau befindliche S13 von Troisdorf bis Beuel wird 250 Mio. teurer als geplant – Euro. Und dauert bis 2026. Aber ich schweife ab. Bis Troisdorf hatten wir 15 Minuten Verspätung, und die wurden bis Beuel gehalten.

Der laue Sommerabend in Ehrenfeld und in Beuel und der leuchtende Halbmond am Himmel entschädigten. Doch, das war bisher die Monatsbestleistung der Bahn. Bis ein besserer Dokumentarfilm als “Die Unbeugsamen” ins Kino kommt – das wird länger dauern.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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