Und: vom Völkerrecht kommen – und dann wohin?

Extradienst-Leser und Gastautor André Dahlmeyer war schon immer so wertvoll wie heute. Er berichtet regelmässig von Argentinien aus für die Junge Welt über den lateinamerikanischen Fussball, plus seine gesellschaftspolitischen Zusammenhänge. In deutscher Sprache kenne ich sonst keine*n, die*der das so dauerhaft und qualifiziert tut. Heute füllt er mal wieder eine skandalös klaffende journalistische Lücke. Es war nämlich WM, und keine*r im Land mit dem Menschenrecht aufs Weltmeistersein hats gemerkt. Kein Wunder, es wurden ja auch wieder ganz andere.

Es geht um die U20-WM der Damen. Deutschland hat sogar mitgespielt. Aber nicht gewonnen. Grund genug für die Mehrheit deutscher Medien, diese weltweit relevante Veranstaltung gar nicht erst zu ignorieren. Gewonnen hat Spanien, immerhin in unserer EU. Und André der Einzige, der es uns wissen lässt. Wie beschämend ist das denn? Ich konsumiere täglich 20-30 deutschsprachige Onlineportale, und nur hier habe ich es gefunden (ohne Paywall!).

Völkerrecht?

Was ich von deutscher Aussenpolitik halte, die von sich selbst behauptet, sie sei “wertebasiert”, wissen Sie ja schon. Zur deutschen Aussenministerin heisst es bei Wikipedia: “Anschließend wechselte sie an die London School of Economics and Political Science und schloss dort 2005 einen einjährigen Postgraduierten-Studiengang mit einem Master in „Public International Law“ (LLM) mit Distinction ab.” Das meint sie, wenn sie in Selbstbeschreibungen sagt, sie komme “vom Völkerrecht”. Doch wo geht sie hin?

Diese Frage wirft mit einigem Recht Pablo Flock/imi-online auf. Marokko ist gegenüber der EU in einer ähnlichen strategischen Position wie das Erdogan-Regime. Es weiss genau, wie die EU sich erpressen lässt. Und Frau Baerbock scheint bereit zu sein, das persönlich zu repräsentieren. Die Frente Polisario residierte zu meiner Zivildienstzeit bei der Anti-Apartheid-Bewegung im gleichen Haus in der Bonner Südstadt, vertreten durch einen engagierten attraktiven jungen Mann. Er müsste jetzt so alt sein wie ich. Über seine Meinung zu solcher Politik wage ich kaum zu spekulieren.

Gestern meldete ich die Forsa-Zahlen, dass 77% der Befragten “Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges” in der Ukraine einzuleiten wünschen. Eine klare Jobbeschreibung für die gleiche Aussenministerin. Aber warum, liebe 77%, sollte sie das tun? Die Geschäfte mit Krieg laufen doch besser als vorher ohne, hüben wie drüben. Welchen Grund sollten die Mächtigen haben, damit aufzuhören?

Werte? Menschenrechte? Demokratie? Sicher, vieles fiele mir dazu ein. Aber was würde die “überzeugen”? Es müssten wohl Angebote sein, die mann nicht ablehnen kann. An denen könnte z.B. feministische Aussenpolitik arbeiten. Das wäre mal was Neues.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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