Wundersame Bahn CXXIX / Ukrainekrieg / USA

Am Vorabend war ich bereits in einer Regionalbahn zwischen Roisdorf und Bonn Hbf. verratzt. Der Lokpilot konnte nur noch “auf Sicht” fahren, bei Dunkelheit. Ein*e Sportler*in hätte das auch zu Fuss geschafft. Seitdem warte ich auf eine handwerklich nur durchschnittliche journalistische Recherche woran es lag; also mehr als das Abschreiben und Wiedergeben der DB-PR-Abteilung. Es hat gedauert. Jetzt ist eine da.

Also erstmal “Danke!” an Jan Mahn von c’t/heise. Deutlich wird, dass das Privatisierungsvirus, das die DB in den 90ern befallen hat, in zahlreichen Mutationen und Varianten immer noch aktiv ist. Kein Wunder, eine wirksame Impfung dagegen steht bis heute aus, und ist weder vom Gesundheits- noch gar vom Verkehrsministerium auch nur versprochen.

Eine technische Frage wird von Mahn nur am Rande gestreift, und mag typisch Laie, der ich bin, sein. Wer baut Netze, die durch zwei – zweifellos wohlinformierte – Schnitte in der Hälfte der Republik lahmgelegt werden können? Ist der Sinn von Netzen nicht, frage ich als Bahnfahrer, dass, wenn ein Streckenabschnitt durchschnitten ist, der Datenfunkstrom über Umwege dennoch sein Ziel erreichen kann? Sicher, bei den physischen Bahnstrecken aus Gleisen ist das mittlerweile dank Stilllegungen und Demontagen weitgehend abgeschafft. Bei Datennetzen also auch? Was machen die Ingschenöre, die sowas konstruieren, denn beruflich?

Wer immer es war – danke für den Hinweis.

Sozialdemokratin in Brandenburg

Katrin Lange. Nie gehört? Ich auch nicht. Eine Ossi, die die Wende 1990 für sich persönlich sehr positiv wenden konnte. Und eine eigene Meinung behalten hat. Ist das denn erlaubt? Ist das hier gar nicht DDR? Oder ist Frau Lange selbst die DDR? Wer hat das denn wieder übersehen?

Und wer wird wann fragen, wer das übersehen hat? Sicher, ich kenne nicht wenige, die Autor Florian Rötzer für verrückt halten. Aber waren nicht immer die Normalen das Problem?

Wenn ich mich recht erinnere, hat Arno Luik in der Zeit, an die er sich hier erinnert, für mich eindeutig auch zu den Verrückten gehört. Gemeinsam haben wir, dass wir uns sehr genau an unsere persönlichen Begegnungen mit Otto Lambsdorff erinnern. Beim mir waren es zwei:

– Ende der 70er war er Schatzmeister der NRW-FDP, ich Schülerreferent der Jungdemokraten. Treffen im “Haus Litzbrück”, Angermund, direkt an der Bahnstrecke Düsseldorf-Duisburg. Ich wollte 10.000 Mark Zuschuss für die “Liberale Schüleraktion”, als Gegengewicht zur Schülerunion der CDU. Der Herr Graf lehnte ab. Ich empfand es als Ritterschlag.

– in den Nullerjahren, kurz vor seinem Tod, erschien er zu einer Podiumsdiskussion der Bonner Grünen (im Uni-Club), in der es um (und gegen) ein “Festspielhaus” in Bonn (anstelle der Beethovenhalle) gehen sollte. Der Herr Graf setzte sich mit Gattin Alexandra (geb. Quistorp) demonstrativ in die erste Publikumsreihe; sie ergriff sogar in der Debatte das Wort. Wenig später, kurz vor der Kommunalwahl, liessen die Konzerne, die den Bau bezahlen sollten, die Luft raus. Und beraubten die Bonner Grünen ihres besten (Gegen-)Mobilisierungsfaktors zur Kommunalwahl 2009.

Alter deutscher Adel wusste immer zu beeindrucken, u.a. Herrn Luik und mich.

USA nicht abwehrbereit?

Welchen Krieg seit 1945 haben die USA “gewonnen”, auf militärische Weise? Fällt Ihnen einer ein? Staatsführer ermorden, Putsche inszenieren – ja. Und Märkte erobern, ökonomisch und durchaus oder sogar durchweg brachial. Aber Kriege gewonnen? Korea? Vietnam? Afghanistan? Irak? Lassen Sie nicht eigentlich immer Andere für sich sterben? Das wäre dann Politik.

Bernd Müller/telepolis führt nun Milliardärsorgane wie das Wallstreet Journal (Murdoch) oder Bloomberg als Zeugen an, dass das US-Militär zwar beispiellos teuer aber immer noch siegunfähig sei. Lösung: noch mehr Geld. Woran erinnert uns Deutsche das? Es heisst “Zeitenwende”, ganz ähnlich wie 1990 (s.o.).

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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