Der kritische Fanjournalismus erarbeitet sich eine Feldüberlegenheit
Seit Monaten fällt mir auf, dass die engagiertesten Fussballfans gegenüber dem Profifussball (der Herren) einen kritischeren Blick pflegen, als die, die eigentlich dafür bezahlt werden. Die Journalist*inn*en arbeiten in ihrer Mehrheit lohnabhängig. Und von denen ist wiederum die Mehrheit bei oligarchisch geführten Medienkonzernen angestellt, die die ökonomischen Ernährer dessen sind, was dargestellt werden soll. Das bedeutet, der Profijournalismus zum Profifussball ist klassisch eingebettet. Und nicht frei. Und alle, die was davon verstehen, haben es längst gemerkt.
Die Angestellten unserer öffentlichen Medien unterscheiden sich davon – leider – nur geringfügig. Auch deren Arbeitgeber haben die Ware bezahlt, wenn auch weit weniger als die Pay-TV-Streamingkanäle. Und es ist unser Geld, mit dem sie bezahlt haben (ohne uns zu fragen). Ausser Weggucken haben wir leider keine Sanktionsmöglichkeiten gegen derartigen Missbrauch. Ein Systemfehler.
Kommen wir zum Positiven
Die Fans der zwei Borussias in der ersten Bundesliga haben aktuell ganz ähnliche Gefühle und kritische Sichtweisen. Obwohl Borussia Mönchengladbach nur 12. ist und auf dem besten Wege in direkte Abstiegsgefahr. Während sich der Fussballkonzern aus dem westfälischen Raum mit überwiegend unansehnlicher Spielweise (“Kovac-Fussball”) auf den 2. Platz hinaufdilettiert hat. Gestern stabilisiert mit einem mühevollen 3:2 gegen den Tabellenletzten, nach 1:2-Rückstand vor über 80.000 erwartungsvollen Zuschauer*inne*n.
Lesen Sie nur mal so als Beispiel
Mike Lukanz/Seitenwahl: “Fußball-Verhinderungsstrategie erfolgreich” nach einem mehr als unverdienten Auswärts-1:1 bei Werder Bremen
und
Nico/Schwatzgelb: “Vor Heimspiel gegen Heidenheim: (K)ein Grund zur Vorfreude?! – Morgen kommt der 1. FC Heidenheim zu uns ins Westfalenstadion. Wir als Zweiter spielen gegen den Tabellenletzten. Eigentlich Grund genug, voller Vorfreude in den Spieltag zu gehen. Eigentlich.” in Unkenntnis des Spielverlaufs und -ausgangs gestern Abend im wie immer vollen Westfalenstadion.
Der Schwatzgelb-Blog überzeugt nicht nur durch seinen kritischen Blick, sondern zeitweise sogar mit literarischer Qualität. Wer braucht da noch schlechten Journalismus?

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