Trumps gelockerter Wirklichkeitsbezug
Trumps Auftritte vor den Medien haben etwas von einem „Stream of Consciousness“ vor Publikum – während Molly Blooms Phantasien im „Ulysses“ ja bloß nächtens und im Halbschlaf und nur im Kopf der Protagonistin umhertrieben.
Trumps Phantasien haben einen Zug des Schlafwandlerischen, d.h. sie bringen den Halbschlaf des Geistes in eine Wachwelt außerhalb des eigenen Bettes ein und sind sogar Teil einer performativen Situation mit Zuhörerschaft, in dem die Ungebundenheit des Halbschlaf-Bewußtseinsstroms vorherrschend bleibt. Es sind Assoziationsketten, in denen ein Gedanken den anderen auslöst, weitgehend ungerichtet durch logische Konsistenzen oder Abfolgeordnungen der Gedankenentwicklung und gerichteten Argumentation.
Rein ästhetisch betrachtet wird das Trump-Phänomen für Jahrhunderte (!) Stoff für literarische oder auch kompositorische Versuche liefern – ich freue mich schon auf die erste große Trump-Oper. Aktuell bleibt jedoch die Frage, warum viele Millionen Wählende sich in solche Halbschlafphantasien haben hineinziehen lassen und Trump ihre Stimme gegeben haben. Und vor allem: was der gelockerte Wirklichkeitsbezug eines solchen Denkens an der Schnittstelle zur Wirklichkeit, also dort, wo Gedanken praktisch werden und wirkliches Handeln auslösen, noch alles anrichten wird.
I don‘t know.
It better end soon.
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