Zwei Monate in Südfrankreich, ein Monat im Krankenhaus: hat sich Entscheidendes ereignet? Gab’s eine Veränderung zum Positiven?
Der Schnelldurchlauf ergibt: Der Orangeman im Weißen Haus ist als Friedensengel gescheitert. Er und die barbarische Politgang in seinem engsten Umfeld wollen Venezuela „noch jahrelang“ regieren und dessen Öl in die USA umleiten, Grönland „brauchen“ sie wegen der Bodenschätze, und vom Iran wollen sie sich nicht auf der Nase rumtanzen lassen: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren“, prophezeite Maulheld Trump. Das glaubt der geisteskranke Strolch sich leisten zu können, so lange die Welt begeistert seiner Artemis II applaudiert. Im Moment scheint es jedenfalls erfolgverspechender, 2 Milliarden Dollar in Donaldchens Mondfahrt zu investieren als in die Unterjochung Kanadas…
Die Amis sind in ihrer entwaffnenden Offenheit viel entspannter, als es Wladimir Putin 2022 war. Der Narzisst Trump und seine seltsame Familie, seine buckelnden Mitarbeiter, seine schleimscheißenden Verschwörungsideologen, seine skurrilen Minister und vor allem sein ekliger Vize, allesamt entsprungen aus den religiös-sexuellen Abgründen der amerikanischen Schöpfungsgeschichte – sie regieren mit juristischen Drohungen, digitaler Überwachung und gezielten Zwangsmaßnahmen. Bücher werden zensiert, Bibliotheken gesäubert, kritische Posts auf Handys gelöscht, widrige Texte nicht geschrieben, Forschungsgebiete gestrichen. Die Opposition soll nicht nur eingeschüchtert, sondern vernichtet werden. Da kann auch Putin nur anerkennend nicken.
Aber das Kriegsziel der USA – keine Nuklearwaffen im Iran – wurde bislang verfehlt. Schade eigentlich. Soll nun der einfache Europäer dem Großkotz Trump Glück wünschen, dass er sein Ziel doch noch erreicht, auch, wenn er ihm die Pest an den Hals wünscht? Kannste mal sehen, in was für einem Dilemma unsereins steckt…
Der völlig orientierungslos in einer Ostsee-Sandbank feststeckende Buckelwal, absolut hilflos wegen seiner Größe, noch nicht in Verwesung übergehend, aber schon übel stinkend, scheint mir eine Allegorie zu sein auf den stets aufgeblasenen amerikanischen Präsidenten: Die Welt steht staunend um ihn herum und versichert ihm, wie doll alle ihn lieb haben und wie dringend die Menschheit ihn braucht, aber niemand will die Verantwortung übernehmen und der Kreatur einen schnellen Gnadentod bereiten… Na gut, dann warten wir mal ab, vielleicht kann man ihn, den Präsidenten, demnächst mit einem Impeachment aus dem Amt jagen, weil er die Nation nicht great again macht, sondern in eine unkalkulierbare Notlage führt.
Fast tut er mir leid, dieser missratene Republikaner, wie er nach Anerkennung, Bedeutung, Respekt, Lob und Auszeichnungen strampelt, aber er wird es wohl nie verstehen: Er, Donald Trump, ist weder das Problem noch der einzigartige Führer der westlichen Welt: Er ist nur die splitterfasernackte Fleischwerdung des Systems.
Wir in Germany spüren das Ergebnis der trumpschen Kraftmeierei beim Spritpreis an den Tankstellen. Super! Die deutsche Wirtschafts-Ministerin, Frau Reiche, nimmt deswegen mit dem Blick einer hungrigen Kakerlake die Lebensmittelvorräte der Armen ins Visier. Aber für Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen einzutreten und die öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei anzubieten – das lehnt La Cucaracha ab. Vermutlich war sie zu lange als Hostess auf dem Lobby-Strich unterwegs …
Friedrich Merz hingegen seht seine Hauptaufgabe darin, mehr „Verantwortung“ Deutschlands in der Welt einzufordern. Niemand weiß, was das sein soll, aber alle ahnen: irgendwie hat das was mit Geldverdienen zu tun. Deswegen watschelt sein Laufbursche Wadephul mit ernster Miene von Flughafen zu Flughafen, bietet überall Entscheidungshilfe, Ratschläge oder Erfahrungswerte an, und es ist schrecklich mitanzusehen: Niemand nimmt ihn ernst, niemand will etwas von ihm, niemand hört auf ihn, und alle lächeln beglückt, wenn er wieder hinterm Horizont verschwindet…
Überaus lächerlich erscheint mir auch der Herr Kubicki, der die FDP wieder zum Leben erwecken will. Dieser sinistre Herr überspringt vielleicht die 5-Promille-Grenze, aber doch nicht die 5%-Hürde. Wir können ihn aus der satirischen Fürsorge getrost entlassen…
Was gab’s noch? Ach ja, den Stromausfall im Südwesten Berlins. In den sozialen Medien bemühten sich prompt CDU-Politiker, eine Spur nach Moskau zu finden. Wie üblich wurde spekuliert, dass der russische Geheimdienst mit absoluter Sicherheit seine Elektriker geschickt hatte. Große Stimmungsmache! Der „eigene“ Geheimdienst wurde nicht verdächtigt. Dann ergriff der AfD-affine Innenminister das Wort: Er wusste sofort, dass Links-Extremisten und Links-Terroristen dahintersteckten. Eine Million Euro wollte er für Hinweise auf die Übeltäter ausspucken. Niemand kam, um abzukassieren. Und es wurde bislang auch niemand verhaftet. Das Dobrindt-Niveau bewegt sich weiterhin auf Höhe eines knienden Mistkäfers.
Über Frieden in der Ukraine spricht niemand mehr. Die Bündnistreue Deutschlands ist bekannt, niemand darf die immerwährende deutsche Kampfbereitschaft in Zweifel ziehen. Der Dienst soll laut Generalfeldmarschall Pistorius „attraktiv und sinnstiftend“ sein. Welchen Sinn der Wehrdienst stiftet, der im Endeffekt immer zum Massenmord in den Schützengräben führt, ist eine geheime Kommandosache. Die Bundeswehr-Werbung lockt mit Kameradschaft und Abenteuer, sogar das Papier, in dem Döner serviert werden, ist mit Bundeswehr-Werbung bedruckt. Dass Herr Pistorius immer noch der beliebteste deutsche Politiker ist, kann ich mir nicht vorstellen – zu deutlich merkte man, als er vom „Ernstfall“ sprach, dass sein Ministergehirn nicht mal Form und Volumen eines 9mm-Geschosses erreicht.
55.000 demonstrierende Schülerinnen und Schüler gingen (unter kommunistischer Führung, behauptete man) gegen die Parolen von Wehrhaftigkeit und Kriegsbereitschaft auf die Straße und machten deutlich, dass sie sich ein Leben als Kanonenfutter nicht vorstellen können. Meine Hoffnung ist folglich: Die jungen Menschen werden die Waffen, die man ihnen in die Hand drückt, nicht nur bei Amokläufen verwenden, sondern sie auch im richtigen Moment umdrehen und gegen diejenigen einsetzen, die sie in diesen Krieg hinein gezwungen haben.
Wenn ich mich nach längerer Abwesenheit nun mal wieder im Land umschaue, stelle ich fest, es herrscht eine gewalttätige Unordnung, die die menschliche Gesellschaft spaltet, und die unseren Planeten unbewohnbar machen wird, was die Menschheit dann „vor große Herausforderungen“ stellt, wie die einschlägige Phrase lautet. Die rabiate Unordnung, die uns so nachhaltig die Heiterkeit austreibt, ist kein Zufall, auch keine Ausnahme, und schon gar nicht das Werk einiger Autokraten oder Oligarchen in irgendwelchen Schurkenstaaten – diese Unordnung ist das erwartbare Resultat eines Wirtschaftssystems, das auf Konkurrenz, Ausbeutung, militärischer Durchsetzung von Interessen und dem systematischen Abwälzen von Kosten auf andere Staaten oder Kostenträger beruht. Die herrschenden Zustände sind keine „Unordnung“, sondern die Ordnung der Herrschenden.
Das vom Führungspersonal der Menschheit vorgelebte und propagierte Verhalten, Konkurrenten auszustechen, Wachstum um jeden Preis zu forcieren, anders Denkende niederzumachen, sich bei wem auch immer zu bereichern und für das Erreichen eigener Ziele Bomben und Granaten einzusetzen – das passt nicht recht zu dem, was man zum Beispiel als alter Mensch erlebt, wenn man strauchelt, stürzt und hilflos auf der Straße liegt: Sofort laufen Jüngere herbei, sorgen für stabile Seitenlage, helfen auf, telefonieren, alarmieren den Notarzt. Das ist nichts Besonderes, sondern selbstverständlich. Nein, unser Land ist nicht nur egoistische Ellenbogennutzung, Hauen + Stechen plus Betrug und Herzlosigkeit – es gibt auch ganz viel Zuwendung und Unterstützung ohne viel Aufhebens. Auch dass in den Verkehrsmitteln den alten oder gehandicapten Menschen Sitzplätze angeboten werden, ist normal – ungewöhnlich ist, wenn das nicht geschieht. Und bemerkenswert ist, wie oft Jugendliche mit schwarzen Haaren und dunklen Augen, die gewiss nicht im deutschen Großbürgertum aufgewachsen sind, aufstehen und lächelnd ihren Platz anbieten…
Und da frage ich mich dann: Warum hat die Menschheit eigentlich so unangenehme politische Repräsentanten? Die passen doch gar nicht zu uns „normalen“ Leuten. Diese unsozialen Figuren, mit denen man nichts zu tun haben will: Wo kommen die her? Sind sie vom Himmel gefallen, aus der Hölle gekrochen, oder sind sie das Ergebnis eines plötzlichen moralischen Absturzes? Die charakterlich deformierten Gewaltapologeten in Führungspositionen ordnen alles dem angeblich notwendigen „Schutz vor Gewalt“ unter. Statt all ihren Ehrgeiz auf das Erreichen friedlicher Zustände zu richten, glauben sie an den Segen der Abschreckung, predigen die Aufrüstung und sichern sich rechtzeitig einen sicheren Platz im Regierungsbunker. Von dort aus kann man am besten verkünden, dass man den Einsatz von Atomwaffen ethisch für ganz und gar unverantwortlich hält, politisch aber aus Sicherheitsgründen für durchaus geboten…
Mit „Genehmigung des katholischen Feldbischofs der Wehrmacht“ vom 24. August 1939 schlagen wir auf unser Feldgesangbuch und lesen:
In Deiner Hand, o Gott, liegt die Herrschaft über alle Reiche und Völker der Erde. Segne unser deutsches Volk in Deiner Güte und Kraft und senke uns tief ins Herz die Liebe zu unserem Vaterlande. Segne die deutsche Wehrmacht, welche dazu berufen ist, den Frieden zu wahren und den heimischen Herd zu beschützen, und gib ihren Angehörigen die Kraft zum höchsten Opfer für Führer, Volk und Vaterland. Segne besonders unseren Führer und Obersten Befehlshaber in allen Aufgaben, die ihm gestellt sind. Lass uns alle unter seiner Führung in der Hingabe an Volk und Vaterland eine heilige Aufgabe sehen, damit wir durch Glauben, Gehorsam und Treue die ewige Heimat erlangen im Reiche Deines Lichtes und Deines Friedens. Amen.
Noch ‘ne Anmerkung: Mein Büchlein „Der Zaunkönig am Tellerrand singt wunderbare Lieder“ mit den einzigartigen Bildern meiner Enkelin Nelly hat in unserem digitalisierten Land, in dem „die Medien“, auch „die sozialen“, über jeden Fudschigokel ausführlich berichten, keine einzige Rezension erhalten. Null! Nicht mal einen Verriss waren wir den Entscheidern und Einflussnehmerinnen wert – ein einmaliger Erfolg, der mir mit meinen 87 ein ähnliches Feeling beschert, wie andere Leute es gleich nach der Geburt haben: Man erscheint mit einem freundlichen „ja-bitte?“ und erhält keine Antwort …
Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung.

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