Räuberpistolen zwischen den USA und dem Saud-Clan

“Alles beim Film” sei “gelogen” sagt Christian Tramitz (altersweise 71), Hubsi-Darsteller in der Endlosserie “Hubert und/ohne Staller”, mit dem ich quasi zusammenwohne, im Paywall-Interview der SZ. Dieses Wissen erleichtert die unterhaltsame Lektüre einer Räberpistole, die sich heute über die Agenturen weltweit verbreitet, und von Roland Lindner in der FAZ paywallbefreit so referiert wird:

“Spionage bei OpenAI: Die Wanze war in Toilettenpapier eingewickelt – Ein Spionagefall erschüttert den ChatGPT-Entwickler Open AI. Ein Mitarbeiter aus Saudi-Arabien soll eine Wanze in Büros installiert haben. Das FBI hat ihn nun festgenommen.”

Wenn ich nur mal annehme, dass diese Geschichte irgendwo versteckt einen wahren Kern hat, dann geht sie ungefähr so:

MBS, محمد بن سلمان بن عبد العزيز آل سعود, Boss des Saud-Clans, ist ungehalten über Donald Trump. Erst füttert er den betrügerischen Pleiteunternehmer mit Kapital durch, auf dass er sich von den dummen Gringos zum “mächtigsten Mann der Welt” wählen lassen kann. Und dann weigert der sich, obwohl er ihm zahlreiche grosse und kleine Gefallen schuldig ist, ebendiese Schulden mit verlässlicher Bündnispolitik abzubezahlen. MBS, der auch schon mal die Knochen seiner Feinde zersägen lässt, dürfte einigermassen sauer, was bei ihm =jähzornig ist, sein. Da ist so ein Spionagehistörchen in der verschlüsselten Medienkommunikation der Mächtigen dieser Welt nicht mehr als eine freundliche Postkarte. Ich erinnere nur an 9/11.

Wenn Sie nun nicht doof genug sind, um mit billigen Drehbüchern abgespeist zu werden, dann kann ich Ihnen Klügeres liefern. Es ist vielleicht nicht so unterhaltsam, aber im Kern wesentlich spannender. Und wahrer.

Volker Perthes/SWP: “Konnektivität und Redundanz: Geoökonomische Großprojekte am Persischen Golf und im Nahen Osten – Die geopolitischen Dynamiken im Nahen und Mittleren Osten werden unabhängig vom Kriegsverlauf am Persischen Golf fluide bleiben. Nahezu alle regionalen Akteure sichern sich in verschiedenste Richtungen ab – sicherheitspolitisch, aber auch durch ökonomische Anpassungen. Im Vordergrund stehen Planungen für sichere Transport­wege zu und aus den arabischen Golfstaaten. Dabei geht es nicht nur um Öl oder Gas, sondern insgesamt um die Sicherheit der Lieferketten und um multimodale Ver­bin­dungen oder Konnektivitätskorridore: für Energielieferungen, für andere Roh­stoffe sowie Waren, Daten und Menschen. Nicht jeder Plan wird umgesetzt werden. Aber was entsteht oder auf den Weg gebracht wird, verändert die geoökono­mische und beeinflusst zumindest die geopolitische Landkarte der Region, kann regionale Inte­grationsimpulse geben und sich auf die Zusammenarbeit Europas mit den Ländern der Region auswirken.”

Wenn Sie sich von dieser Einleitung abschrecken lassen und lieber Bilder gucken – bitte schön “wir sind ein freies Land”. Aber beschweren Sie sich nicht, Ihnen habe ja keine*r was gesagt.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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