Nachdem Vizeweltmeister Frankreich in Nantes gegen die Elfenbeinküste verloren hat und Europameister Spanien in La Coruña gegen den Irak nur unentschiedelte, ist Weltmeister Argentinien rechtzeitig vor dem Beginn der Mission Titelverteidigung seit gestern wieder die Nummer 1 in der FIFA-Weltrangliste. Grosses Kino.
Dem nicht genug wird morgen mutmasslich Rädelsführer Nicolás Capaldo vom Hamburger SV gegen Honduras sein 1. Länderspiel für den Weltmeister bestreiten. Mir wäre es lieber am Dienstag gegen Island, aber vllt. läuft er ja doppelt auf. Ich vertraue darauf das er in den WM-Kader der Scaloneta nachnominiert wird. Amén.
Lieblich war auch die Heimschlappe der Niederlande in Rotterdam gegen Fussballschwergewicht Algerien (das beinahe den vierten deutschen Titel in Rio verhindert hätte). Nun ist Marokko im Ranking an den Flying Dutchmen vorbeigezogen. Sollte der argentinische Staff ernst nehmen. Der Weltmeister ist in der Todesgruppe der WM. Nicht wegen der Gruppe selbst, sondern was sie hervorbringen wird: 16tel-Finale gegen Spanien oder die Charrúas (Uruguay) von Don Marcelo Bielsa. Einfach schreibt sich anders. Man kann davon ausgehen, dass in den 16tel-Finals einige Hochkaräter (mindestens drei) auf der Strecke bleiben werden. Da habens die Italiener schlauer gemacht. 2006 wurden die Unterhosenmonster Weltmeister, 2010 (sieglos) und 2014 überstanden sie die Gruppenphase nicht und danach spielten sie nie wieder eine WM. Bis zum nächsten Bestechungs-/Sportwetten-/Korruptionsskandal. Danach (1982, 2006) werden sie immer Weltmeister, eine Art Vendetta. Zuvor (1934, 1938) kaufte Mussolini die Titel. Vllt. hat Gio Meloni ja einen kleinen Sparstrumpf unter der Matratze?
Es gibt viele Gründe Fussball-Business, Fifa und angebliche oder tatsächliche “Schurkenstaaten” zu kritisieren. Für meinen Geschmack ist das während einer WM obsolet, man kann das vier Jahre lang tun, es findet statt. Deshalb gleich einen Sport zu verteufeln macht keinen Sinn. Die meisten Kinder und Jugendlichen werden nie Profis, wer dennoch Spass daran hat, hats kapiert.
So, ich möchte Ihnen keinesfalls die Frauen-Weltrangliste verheimlichen:
Ansonsten ist es schade, dass Hansa Rostock und RW Essen nicht aufgestiegen sind. Immerhin der SV Elversberg, knorke. Mit dem Saarland verbindet man Oskar oder den besten deutschen Tatort, das Runde eher nicht (ausser die Jägermeister-Werbung von Günter Mast beim 1. FC Saarbrücken). Pauli wird wahrscheinlich jahrelang nicht mehr gegen den HSV spielen, jedenfalls nicht in der selben Liga. Blöd. Der Abstieg des VfL Wolfsburg sollte zu denken geben. Der deutsche Fussball braucht kein Monsanto oder Vauvehs. Wären die jeweiligen Bundesregierungen nicht so korrupt, sie könnten das durchaus ändern. Alle quatschen von politischem Willen aber niemand hat den. Leere Worthülsen sind wie leere Schrotpatronen, Böllern für den Frieden. Je lauter desto kein Gegensprech. Klingt wie Gebrechen, ist es auch. Energie Cottbus hats gerockt, fein.
In Teuropa ist fussballerisch Sommerpause, jedenfalls fast. So steht etwa noch die Aufstiegsentscheidung in der 70. Mittelrheinliga an. Man kann nur hoffen, dass Bergisch Gladbach 09 es noch verreisst. Die kicken am Sonntag gegen die SpVgg. Porz. Mit einem Sieg sind sie Meister und steigen auf. Dahinter lauern der Siegburger SV 04 (tritt beim SSV Merten an) sowie SV Eintracht Hohkeppel (hat den Dreier bereits spiellos und ist – Stand: heute – virtueller Meister, wobei es aber nicht bleiben wird).
Meine ganze Familie (Friede ihrer Aschenhaufen) war Fan vom 1. FC (Köln). (Ich war auch ein grosser Fan von Erich Beer, auch wenn der Herthaner war. Mein Opa war begeistert von dem, ich auch.) Wolfgang Overath, Hannes Löhr, Bernd Cullmann, das sind auch in meinem Leben Legenden. Toni Schumacher ist für mich nach wie vor der beste Torhüter aller Zeiten (auch wenn er und der DFB die Höhenluft Mexikos nicht verstanden haben). Mein Vater wurde in Bonn geboren. Jahrgang 1942, ein Kind des Wunders von Bern (Sepp Herberger hatte 1954 gegen die Ungarn den selben Trick angewandt wie zwanzig Jahre später sein Adjutant Helmut Schön gegen die DDR – um die Niederlande und Brasilien und also das beinahe sichere Ausscheiden zu vermeiden). Am Auto (damals in der Regel ein Renault 16 mit Lenkradschaltung) klebte immer ein Kussmund für Bonn. Er schwärmte von Fritz Walter, von Toni Turek, auch von dem späteren 1860er (1966 Deutscher Meister) Radi Radenković (der freilich nie eine WM kickte). Seltsamerweise hat er offenbar Helmut Rahn nie erwähnt, jedenfalls erinnere ich das nicht. Dabei ist der Boss am selben Tag wie er, seine Mutter und ich geboren worden. Ich wurde in Siegburg geboren, meine Omma in Jägi-Town.
Ich bin vor dreissig Jahren mal bei den Siegburger Literaturwochen aufgetreten. Neben Grössen wie Ernesto Cardenal und Wolf Wondratschek. Im Hotel zappte ich in ein denkwürdiges Match der 1976er-EM in Jugoslawien. Es war nicht das Finale, in dem Uli seine Karriere ruinierte. Am nächsten Tag machte ich wieder rüber nach Köln. Beim auschecken wurde kassiert. Die Minibar hatte ich nicht angerührt, bin ja nicht blöd, das Telefon schon. So geht das mit Novizen. Der Bahnhof in Siegburg war in türkischer Hand.
In Köln traf ich Joachim Büthe in seinem Antiquariat. Er hatte mich bereits bei der Veranstaltung in Siegburg für den DLF interviewt aus Anlass der Erscheinung meines Geschichtenbuchs „Ist hier noch frei?“ im anarchistischen Berliner Karin Kramer Verlag. Nur bin ich bei dem Interview fast gestorben. Es ging mir sauschlecht, ich quatschte nur unzusammenhängenden Unsinn. Ich schob nen Affen. Immerhin, anschliessend auf der Bühne liefs. Scheinbar. Denn das, was nicht lief, bekam niemand mit. Es war ein schrecklicher Auftritt, er kam an. Nachdem wir das Interview noch mal gemacht hatten, schenkte Büthe mir eine seltene Ausgabe von „Acid“ und ein Buch von Jürgen Theobaldy (Sonntags Kino), ich war immer noch nicht fit, aber superfroh ob der Bücher, ich war Gott und pinkelte von Wolke 23 in den Menschenschnee, so wie einst Bukowski über Los Angeles ejakulierte, nur anders.
Als digitaler Nomade stehe ich dem schönen Nomadensportstudio vor. Kennt niemand, unwichtig. Gekränkt hat mich, das Saint-Etienne auswärts vor leerem Haus beim OGC Nizza untergegangen ist. Schon wieder Ligue 2, Mamma Mia. Auch der erneute Abstieg vom US Cremonese aus der Serie A hat mich hart getroffen. Dafür hat mich Como beswingt. Was gerade immer noch mit 1860 München geschieht, ist tragisch. Ich mag diesen Verein. Hoffentlich schaffen sie es kein Boavista Porto zu werden, diesen Verein liebe ich.
Eine Blaupause von dem, was in der Welt geschieht.

War “Jägermeister” nicht bei Eintracht Braunschweig? Oder habe ich das in Saarbrücken nur verpasst?
Nicht verpasst habe ich den echten in Bonn geborenen Toni Schuhmacher
https://de.wikipedia.org/wiki/Toni_Schumacher_(Fußballspieler,_1938), den hatte ich im Sammelalbum und auch mehrmals schwarz-weis in der Sportschau gesehen. Ein Spitzenmann, den ich dem Erben seines Namens jederzeit vorziehe.