Einer hat wirklich was zu sagen – er ist jetzt tot
mit Update mittags
Die FAZ schlagzeilt (Paywall) von “Die Selbstaufgabe des DFB”. Und ich dachte, Zeitungen würden Neuigkeiten verbreiten. Der britische “Independent” hat bei Mister Infantino “Trumpsches Geschwafel” (“Trumpian ramble”) gehört. Das weltweit zu verbreiten, ist strategische Absicht.
Die dpa verbreitet Zitate von Christian Streich aus einem eingemauerten Kicker-Interview: “Eine solche Inszenierung von wenigen Menschen an der Macht, die sich dann teilweise noch die Behauptung erlauben, sie würden demokratische Werte schützen, ist natürlich eine Unverfrorenheit, die einen sprachlos macht … Andererseits wundert einen inzwischen ja fast nichts mehr. … Wir können als große Fußballnation, die sich bisher immer für die WM qualifiziert hat, nicht den Anspruch ableiten, nur mit 16 oder 24 spielen zu wollen. Das wäre Herrschaftsdenken der Mächtigen. … Was da aktuell bei der WM mit den Tickets passiert, ist pervers: Profitmaximierung um jeden Preis und eben auf Kosten vieler Menschen … Das ist so dermaßen elitär, und ich denke nicht, dass die Leute, die das bezahlen können, sagen: super, dass die anderen nicht reinkommen. Wo kommen denn noch verschiedene Gesellschaftsschichten zusammen? Beim Sport oder allenfalls noch in Einrichtungen wie einem Schwimmbad. … Ich habe irgendwann gedacht: Wem gehört eigentlich das Spiel? Allen! Und ich bin einer davon. Soll ich mir das jetzt alles, diese Freude an diesem tollen Spiel, das weiterhin so die Menschen auf der Welt verbindet, vermiesen lassen wegen einiger weniger?” Und darum wurde er “WM-TV-Experte” – mann muss ja auch an die Versorgung der Kinder und Enkel denken …
Wenn Sie bis hierher drangeblieben sind, haben Sie sich den Tipp auf einen, der wirklich was zu sagen hat, redlich verdient. Jean Ziegler ist gestern Im Alter von 92 Jahren gestorben. Ich glaube, ihn habe ich das erste Mal im Namenspatron dieses Blogs, dem “Berliner Extradienst” wahrgenommen. Ein taz-Text von Christian Jakob ist mit “Weltgewissen” überschrieben, was in mir die Reaktion auslöste “Hamses nich ‘ne Nummer kleiner?” Vielleicht ist es als Kontrast zu seinem schwerkriminellen Landsmann Infantino gedacht – immerhin hatte die taz den Trump-/Infantino-Festspielen eine ganze ihrer nur noch wöchentlich erscheinenden Druckausgaben gewidmet. Schlagzeilen-Ablass? Produkt internen Ärgers?
Das ist nicht wichtig. Wichtig ist bis heute geblieben, was Jean Ziegler selbst zu sagen hatte. Das hat die LeMonde diplomatique richtig erkannt, und republiziert einen Text aus dem Jahre 2008 von ihm selbst:
“Europas Gier ist Afrikas Hunger – Die Nacht ist schwarz und mondlos, der Sturm peitscht fast in Orkanstärke übers Meer. Haushohe Wellen stürzen krachend auf das hölzerne Fischerboot herunter. Zehn Tage zuvor hat das Boot in einer kleinen Bucht in Mauretanien mit über hundert afrikanischen Hungerflüchtlingen abgelegt. Wunderbarerweise wird es am Ende auf ein Riff vor der kleinen kanarischen Insel El Medano geworfen. Im Boot findet die spanische Guardia Civil die Leichen von drei jungen Männern und einer Frau, die an Hunger und Durst gestorben sind.”
3sat, das ist der TV-Sender, den die 16 medieninkompetenten deutschen Ministerpräsident*inn*en so gerne dichtmachen würden, hat für morgen Vormittag 11.25 h eine Sondersendung (Wiederholung) ins Programm gerückt: “Vis-à-vis: Jean Ziegler – In ‘Vis-à-vis’ befragt der Publizist Frank A. Meyer einen prominenten Gast zu seiner Person und aktuellen Themen. Diesmal dabei: Jean Ziegler.” (Noch?) Ohne Mediathekangebot. So kennen wir sie …
Update mittags
WM und Windmacherei
Eine recht ausgereifte Gesamteinstellung zur WM, darin ein gelehriger Schüler von Christian Streich (s.o.) – und nicht zufällig, dass er Österreicher ist – bietet Gabriel Kuhn/Junge Welt: “Das Ganze verschwindet – Eine noch so korrupte FIFA konnte den Geist der Fußballweltmeisterschaft bisher nicht zerstören. Wenn jetzt das Turnier vor allem in den USA ausgetragen wird, ist selbst das nicht mehr sicher”.
Ein hohes Risiko für seine eigene geistige Gesundheit ist mal wieder Stefan Niggemeier/uebermedien eingegangen, indem er sich gründlicher, als es gesund sein kann, mit dem grössten Windbeutel der an Windbeuteln wahrlich nicht armen Bundesregierung beschäftigt hat. Ehrlich – ich konnte es bei aller Zuneigung zum Autor nicht komplett lesen, aber wenn Sie wollen, versuchen Sie es: “Wolfram Weimer baut der Eigentlichkeit ein Gehäuse – Kulturstaatsminister Wolfram Weimer lässt Journalisten mit seiner intellektuell scheinenden Wortwahl mitunter ratlos zurück. Sind wir tatsächlich zu doof – oder ist Weimer eigentlich nur ein rhetorisches Heißluftgebläse?”

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