Der geplante und in Teilen schon begonnene Umbau des Sozialstaats ist weder sozial noch gerecht.
Jorun Bärisch, 59 Jahre, Medizinische Technologin in der Nuklearmedizin des Berliner Uniklinikums Charité
“Was haben wir nicht alles gemacht, um die Kürzungen im Gesundheitswesen zu verhindern! Viele Stunden saßen meine Kolleg*innen und ich im Bus zur großen Demonstration bei der Gesundheitsministerkonferenz in Hannover, der leider auf der Autobahn steckenblieb. Präsent waren wir dort trotzdem: per Videoschalte auf der großen Kundgebungsleinwand – eine tolle Aktion. Doch die Bundesregierung hat alle Proteste ignoriert und das Gesetz durch die Streichung von Personalvorgaben sogar noch verschlimmert. Diese fehlende Wertschätzung für unsere so wichtige Arbeit macht mich richtig wütend.
Die Patientenversorgung wird darunter leiden – das finde ich das Schlimmste. Das Kliniksterben wird sich weiter verschärfen. In den verbleibenden Häusern wird der Arbeitsdruck dadurch noch höher. Dabei haben wir in den vergangenen Jahren durchaus Verbesserungen erreicht. Die gesetzlichen Regelungen und vor allem unser Tarifvertrag Entlastung an der Charité haben spürbar etwas bewirkt. Zum ersten Mal war überhaupt Thema, wie viel Personal wir für eine gute Versorgung brauchen. Bei uns in der Nuklearmedizin sollen wir jetzt zum Beispiel zu zweit an der Maschine arbeiten. Leider klappt das wegen der Personalnot oft nicht. Als Ausgleich bekommen wir immerhin zusätzliche Freizeit. Wenn man dadurch mal ein längeres Wochenende hat, geht man am Montag mit mehr Kraft und motivierter zur Arbeit.
Doch die Klinikleitung will den Entlastungsvertrag mit Verweis auf die Kürzungen wieder kündigen. Das würde uns direkt wieder in das gestresste System zurück katapultieren, was wir schon mal hatten. Dagegen wehren wir uns mit ver.di. Wir lassen nicht zu, dass die Errungenschaften der vergangenen Jahre einfach wieder abgeschafft werden.
Das Geld für eine gute Gesundheitsversorgung wäre da. Gerade wurde bekannt, dass gesetzliche Krankenkassen hunderte Millionen an Versichertengeldern mit Immobilienspekulation verzockt haben. Da kommt es mir schon hoch. Wenn alle in das Solidarsystem einbezogen würden, könnte man die Löcher locker stopfen. Warum sollten die Beamt*innen, aber zum Beispiel auch hohe Mieteinnahmen und Aktiengewinne außen vor bleiben? Wir ducken uns jetzt jedenfalls nicht weg, sondern machen weiter. Aufgeben ist keine Option.”
Dieser Beitrag ist eine Übernahme von ver.di-publik, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Ein Link wurde nachträglich eingefügt.

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