Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Bonn (Seite 28 von 31)

Bonn aufwachen! – Benkos nächste Züge

Für Bundespolitik scheint sich ja vor der Wahl am 24.9. niemand mehr zu interessieren. Ist ja sowieso alles klar. Denken viele. Noch weniger scheinen sich welche für die strategischen Schachzüge grosser Kapitalisten zu interessieren; alle Recherchejournalist*inn*en scheinen im Urlaub zu sein. Ich meine jetzt nicht VW, wo sie davon träumen, Niedersachsen raus, und dafür ein bisschen mehr China und Katar rein zu bekommen. Nein, ich meine das Bonner Viktoria-Karree in der City. Das interessiert ausserhalb Bonns wirklich niemanden. Noch nicht mal seinen Besitzer.

Der dreht nämlich ganz andere Räder. Weiterlesen

Bonner Baustellen

Es ist eindeutig Sommerloch. Wie ein Glockenschlag wird das alljährlich bekannt dadurch, dass in den Lokalzeitungen die Rüpel-Radler wieder in den Schlagzeilen sind. Sie landen dort nicht durch konkretes Verhalten oder Ereignisse, sondern: weil Sommerloch ist. Ja, es gibt sie. Genauso, wie seit Jahrhunderten die Möglichkeiten der City-Durchquerung für Fahrräder unzureichend sind. Statt eine konsequente Verkehrspolitik zu machen, hetzt die Bonner Kommunalpolitik seit Jahrzehnten die schwächsten Verkehrsteilnehmer*innen, Fussgänger*innen und Radfahrer*innen aufeinander, so wie sie es z.B. auch mit der Sport- und der Kulturlobby macht, um anschliessend zu sagen: siehste – ohne mich würdet Ihr doch nur übereinander herfallen.

Ja, die City, und ebenso die Stadtteilzentren, sind gefährdet. Die Gefahr geht von den digitalkapitalistischen Plattformen, Logistikkonzernen und vom kapitalgetriebenen Immobilienmarkt aus. Das Plattmachen des Bonner Solarworld-Konzerns mit mehreren hundert hochqualifizierten Arbeitsplätzen in Bonn ist eine Ausnahme. Das war auch nicht der böse Dumping-Chinese. Es war die CDU/FDP-Bundesregierung 2005-09, die einen Bürgerkrieg gegen die gesamte deutsche Solarbranche entfesselte. Und jetzt endgültig gewonnen hat; selbst Investorenkapital aus Katar konnte es nicht mehr retten. Damit ist die globale chinesische Marktführerschaft auf Jahrzehnte gesichert. Die Parteispenden von Frank Asbeck waren alle vergeblich.

Zurück zur City. Inhabergeführter Einzelhandel und ebensolche Gastronomie sind zu den heutigen Immobilienpreisen nicht mehr möglich. Weiterlesen

Wohnungsbau – es gibt Alternativen

DLF-Kultur nutzt das Sommerloch zu einer Sendereihe über das Wohnen in den Städten. So forderte dort jetzt der Wissenschaftler Sebastian Schipper die Bevorzugung von Wohnungsunternehmen, die nicht auf Profit und Rendite ausgerichtet sind, also gemeinnützige Besitzformen. Recht hat er. In Bonn hat der Stadtrat immerhin festgelegt, dass bei der Vergabe von Bauflächen die städtische Vebowag, das einzige Unternehmen, das bei uns überhaupt noch sozial gebundene Wohnungen baut, bevorzugt werden soll.
Ausreichen wird das jedoch nicht. Neben den Vielen, die immer mehr von ihrem knappen Budget fürs Wohnen bezahlen müssen, gibt es die Wenigen (aber zu viele!), die ohne einen Handschlag nur durch Grundbesitz exponentiell reicher werden. In den 70er Jahren hatten z.B. die Jungdemokraten dagegen, wie andere Linke dieser Zeit, eine “Bodenwertzuwachssteuer” erdacht, die sie natürlich weder in ihrer FDP noch in der damaligen sozialliberale Regierungskoalition durchsetzen konnten. Jetzt wird bei telepolis vom Wissenschaftler Dirk Löhr – zu Recht – wieder über die gerechtere Besteuerung des Bodens, eines nicht produzier- und vermehrbaren Gutes, diskutiert.

Update 26.7.: Handelsblatt-Mitarbeiter Norbert Häring greift das Thema mit Bezug auf Löhr ebenfalls auf.

Das “verdienen” Kommunalpolitiker*innen (Politisches Prekariat VII)

Die wenigsten wissen das: Kommunalpolitiker*innen, soweit sie von uns selbst gewählt wurden, sind, mit Ausnahme des Oberbürgermeisters, Amateure. Mitglieder des NRW-Landtages und des Bundestages bekommen nicht nur eine “Diät”, von der es sich gut leben liesse, sondern sogar mehr (Bundestag) oder weniger (Landtag) bezahlte Angestellte, die sie für sich arbeiten lassen können; kein Vergleich zu den staatlichen Verwaltungen mit Beamtenheerscharen, die sie kontrollieren sollen, aber immerhin.

Kommunalpolitiker*innen dagegen haben zwar auch Angestellte, sofern sie einer Fraktion angehören. Ich war selbst so einer. Sie selbst kriegen jetzt auch bescheiden mehr Geld, wie ihnen im Juli durch ein Schreiben des Ratsbüros der Bonner Stadtverwaltung übermittelt wurde: Weiterlesen

Konflikte austragen und entschärfen lernen

Wie das geht, an der denkbar explosivsten Stelle, machen derzeit die Atommächte China und Indien vor. Würde Wolfgang Pomrehn auf Telepolis nicht darüber berichten, würden wir Deutschsprachigen davon fast nichts erfahren.
Eine weit sophistischere Art der Konfliktbeilegung wird auf der arabischen Halbinsel praktiziert, Protagonisten Saudi-Arabien und Katar, Bericht Thomas Pany/Telepolis. Mit dabei die mannigfach aktiven auswärtigen Großmächte inkl. Deutschland, die um Rohstoff- und Kapitalfluss besorgt sind. Nicht überraschend: neben Militär und Diplomatie wird auch Sex als Waffe eingesetzt. Wenn das der Kriegseindämmung dient, soll es so sein.
In Bonn streitet sich die Autolobby gegen der Rest der Welt um den Zugang zum Hauptbahnhof. Hier in der rheinischen Puppenstube ist die Erkenntnis noch nicht angekommen, dass die Mobilität der Zweck, und das Auto nur eins von vielen ihrer Mittel ist. Das eigentliche Problem in der City wie in allen Stadtteilen, auch bei uns in Beuel, ist die kapitalgetriebene Quadratmeter-Rendite-Gier der Immobilien-Investor*inn*en, die alle Bauvorhaben jegliche Maßstäblichkeit und Rücksichtnahme auf öffentlichen Raum verlieren lässt. Die Bedeutung des öffentlichen Raums für unsere Demokratie hatte bereits Hannah Arendt erkannt, die aktuell im Oxiblog gewürdigt wird. Hier noch mal das Ereignis der TV-Geschichte: Günter Gaus und Hannah Arendt über eine Stunde im Gespräch. Alles was wir dort sehen und hören können, würde sich heute kein TV-Sender mehr trauen. Hier eine Lesefassung des RBB.

“Deutsche” Bank – ein Terrorismusfinanzierer?

Die Deutsche Bank ist im Wortsinne nicht deutsch, sondern ein multinationaler Konzern. Sie macht Weltpolitik und ist zugleich ihr Gegenstand. Als unseriöser Immobilienfinanzierer ist sie schon lange im Visier der US-Justiz. Doch nicht die bekannt aggressiven US-Staatsanwälte, sondern – aus vorsichtigem vorauseilendem Gehorsam? – oder als Retourkutsche für Schäubles Austeritätspenetranz? – untersucht nun nach einem Bericht der Süddeutschen die Europäische Finanzaufsicht die Beteiligungsverhältnisse bei der Bank. Die grössten Aktionäre sind nämlich ein hierzulande undurchsichtiger chinesischer Mischkonzern, sowie Mitglieder der feudalistischen Herrscherfamilie von Katar.
Wenn wir dem SZ-Bericht folgen, sind die namentlichen katarischen Aktionäre ehemalige Regierungsmitglieder, also vom jetzigen Emir bei seiner Machtergreifung politisch degradiert worden. Je grösser der Familienclan, umso größer der Bürgerkrieg und die Interessenwidersprüche in seinen eigenen Reihen. Kleinstaat Katar ist längst, ganz wie die Deutsche Bank, sowohl Spieler als auch Gegenstand der Weltpolitik, mit vielen, vielen Feinden. Und übrigens: auch beim derzeit im Insolvenzverfahren befindlichen Bonner Solarworld-Konzern ist der größte Aktionär katarisch.
Und die Chinesen? Welches Interesse haben sie an der Deutschen Bank? Können sie daran interessiert sein, so ins Visier politischer Aggressionen zu geraten? Letzteres ist klar mit Nein zu beantworten. Zur ersten Frage finden sich Antworten im SZ-Bericht.

Glanz und Elend der Bezirksvertretung Beuel

Fangen wir mit dem Glanz an: das Licht der Abendsonne im Saal des Rathauses Beuel.
So, dann wäre der Punkt schon mal erledigt.

Bezirksbürgermeister Deus ist kürzlich Landtagsabgeordneter geworden. Das ermöglicht ihm Pause zu machen von seinem eigentlichen Job, Pressesprecher der Bima zu sein. Das ist die Einrichtung, die im Auftrag des Bundesfinanzministeriums bundeseigene Immobilien unterhalten und versilbern soll, und sich dabei nicht anders verhält, als grosse und kleine private Immobilienhaie. Die Bima ist auf jeden Fall gross. Sie populär zu machen, für ihr Tun zu werben, das wäre Guido Deus’ Job. Und damit ist nicht nur er überfordert, sondern jede/r Andere auch.

Jetzt als Landtagsabgeordneter ist Deus Landesgesetzgeber. Er könnte also die NRW-Gemeindeordnung ändern, und seiner geliebten Bezirksvertretung mehr Gewicht verleihen. Das wäre sicher effizienter, als, wie jetzt, in ihren Sitzungen stundenlang (und das ist untertrieben!) über ihre Missachtung durch die Stadtverwaltung zu lamentieren. Weiterlesen

Bonner CDU stellt Weiche

Die CDU-Fraktion im Bonner Stadtrat wird heute abend einen neuen Fraktionsgeschäftsführer wählen: den bisherigen Leiter des Amtes O1 (= “Amt des Oberbürgermeisters”) Horst Gehrmann. Das ist eine bedeutende Personalie für die zukünftige Zusammenarbeit der “Jamaika”-Koalition aus CDU, Grünen und FDP.

Wie bedeutend, das ist mit einem Blick auf den bisherigen Amtsinhaber Georg Fenninger zu erkennen. Fenninger ist Beueler Prominenz, viele Freund*inn*e*n und viele Feind*inn*e*n. Ich habe langjährig zu Letzteren gehört, für langjährige Mitarbeiter des Bundesamtes für “Verfassungsschutz” vermag ich keine Sympathien zu entwickeln. Als Geheimdienstler muss mann ein harter Realo sein, es gehört zum Berufsbild Wirklichkeiten zu erkennen und zu sammeln, die sich anderen und der breiten Öffentlichkeit nicht erschliessen. Diese Fähigkeit war und ist Fenninger zweifellos gegeben. Daraus ergab sich fast schon zwingend, Weiterlesen

Bonn – die Fluglärmstadt

Vor einigen Wochen hatte ich hier bereits ein willkürlich bestimmtes Stundenprotokoll veröffentlicht. Als ich heute mittag von einem Frühstück in Porz zurückkam, wäre das unnötig gewesen. Es gab über eine gute Stunde überhaupt keine Unterbrechung mehr. Hinzu kam in der abgelaufenen Woche, dass die Startroute am Flughafen Köln/Bonn so gewählt wurde, dass für Menschen, die bei offenem Fenster schlafen, an eine Nachtruhe nicht mehr zu denken war. Das Problem seitens des überflüssigen und unnötigen Flugplatzes Hangelar hat sich spürbar verschärft, seit dort eine “Hubschrauberschule” angesiedelt wurde, deren Piloten nicht von A nach B wollen, sondern mehr oder weniger im Kreis fliegen. Es ist ja am Rhein so schön.

Was kann nun die Konsequenz sein? Besonders sauer ist dieser Apfel für die blühende Immobilienwirtschaft. Weiterlesen

Gegen Wohnungsleerstand und -Zweckentfremdung

In den Unterlagen für die kommende Sitzung der Bezirksvertretung Beuel (Mi. 5.7., 17 h, Rathaus Beuel; am Do., 18 h, Stadthaus das Gleiche im Rat) fand ich diese spannende Mitteilungsvorlage. Sie berichtet über eine “Task Force”, die die Stadtverwaltung gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum installiert hat. Ursprünglich sollte sie vorrangig gegen den “Medizintourismus” in Godesberg vorgehen; Zweckentfremdung ist aber vielfältig und weit über Godesberg hinaus verbreitet und so hat sich auch ihr Tätigkeitsgebiet auf die gesamte Stadt ausgeweitet.

Die politische und rechtliche Grundlage für diese “Task Force” war ein 40:39-Beschluss des Stadtrates Weiterlesen

Asymmetrische Demobilisierung

Fangen wir mit dem Lob für Martin Schulz an. Gut, dass er das Spindoktorthema mal ins Licht des Mainstreams gezogen hat. Gut auch, der Anti-Berlin-Affekt, den er bedient. Seit dieser Ort Hauptstadt ist, hat sich die Selbstreferentialität von Politik und Medien demokratieschädlich verstärkt, durch schlichte geografische Effekte. Berlin liegt am Ostrand der Republik, 80 km vor Polen. Um es – halb so einwohnerstark wie das Ruhrgebiet – herum ist nichts, ausser ein bisschen menschenleeres Brandenburg, nach Westen folgt dann ebenso menschenleeres Sachsen-Anhalt, nach Norden Meck-Pom, nur voll zu Ferienzeiten. Wie Jürgen Becker es zu Westfalen sagt: “Da kannst Du stundenlang fahren, und triffs keinen.”

Das hat direkte Auswirkungen auf das Alltagsleben unserer Volksvertreter*innen: aus Berlin sind 24, aus Brandenburg 20. Die können abends nachhause, weniger als 10%. Zu Bonner Zeiten (vor 1999) waren es Weiterlesen

Bonn – von Panik regiert?

Die Torschlusspanik der Parteien hat wenige Tage vor der Landtagswahl den Bonner Stadtrat und seine Mehrheitskoalition aus CDU, Grünen und FDP erfasst. Drei Bebauungspläne waren der Anlass, und als Sahnehäubchen gab es einen abgelehnten For-Show-Antrag der CDU für mehr Videoüberwachung dazu. Es wird keinem der Beteiligten genutzt haben, weil es nur ihr bemitleidenswertes Niveau offenlegte.

Zur Erinnerung: nach der Kommunalwahl 2014 gibt es im Bonner Stadtrat nur zwei Möglichkeiten der Mehrheitsbildung, die Obengenannte, oder CDU/SPD. Letzteres hatte es bis zur Kommunalwahl 2009 unter OB Dieckmann gegeben, die nur durch außerordentliche Sorgfalt beim Sauberhalten ihrer Akten in der WCCB-Affäre vor einem staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren verschont blieb. Weil die damalige CDU-Führung natürlich, wie fast alle, mehr wusste, als in den Akten stand, hatte sie die Nase von den Genoss*inn*en voll, CDU und Grüne fanden sich zum ersten Bonner Schwarz-Grün zusammen. Bei der Wahl 2014 wurden dann, zur allgemeinen Überraschung, nicht die Grünen, die 1.500 Stimmen dazugewannen, sondern die CDU vom Wahlvolk bestraft.

Welche Interessen sollen nun die Bonner “Jamaika”-Koalition sprengen? Das ist nicht leicht zu ergründen. Für die Landtagswahl heute mag es opportun sein zu zeigen, dass sie sich nicht mögen. Herrjeh, das wäre ein bisschen arm, oder?
Der Streitgegenstand, drei Bebauungspläne, ist durchaus wichtig. Aber vor allem, worüber sich wirklich alle, alle einig sind, weil wir in Bonn Wohnungsnot haben, und zwar was kostengünstiges Wohnen betrifft. Der Streit geht nicht ums Ob, sondern ums Wie. Und das soll eine Koalition sprengen? Weiterlesen

Fehler im Grünen-Szenario

In diesem Blog haben Roland Appel und ich bereits jeweils Kritik an den aktuellen Wahlkampfstrategien der Grünen formuliert. Ein Besuch der Bonner Mitgliederversammlung beruhigte mich nicht. Im Gegenteil.

Die Besucher*innen*zahl war durchschnittlich, eher am unteren Rand davon (25-30); “Mobilisierung” war das nicht; manche Sitzungen der Stadtratsfraktion sind besser besucht, von der war nur ein Stadtverordneter anwesend. Das Bundestagswahlprogramm, vorgestellt von MdB Katja Dörner, sollte diskutiert werden. Mit knapper Zeit allerdings, wg. weiterer wichtiger Wahlkampfaktivitäten. Sollte es ein inhaltliches Diskussionsbedürfnis gegeben haben, wurde es sogleich wieder gedeckelt.

Dörners Einleitung enthielt informative Hinweise, die unsere Kritik bestätigten. Weiterlesen

Godesberg, FBI & Salafismus / DFB & DFL / Medienmacht

Bad Godesberg kam nach dem kürzlich erwähnten WDR-Film auch in einem kurzen Feature des DLF-Kultur zu, nunja, begrenzten Ehren. Weniger Berührungsängste mit Kopf-AB-Salafisten aus Bonn hatte das FBI. Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, wundert mich da gar nichts mehr.

Der Konflikt zwischen Milliardärs- und “Amateur”-Fußball spitzt sich mal wieder zu. Es könnte kriminelle Untreue gewesen sein, was sich der Niersbach- und der Grindel-Vorstand des DFB geleistet haben; und bei der DFL muss man sehr über sie gelacht haben.

Lutz Hachmeisters Medienforschungsinstitut macht seit einigen Jahren standardmässig das, was Horst Röpers Formatt-Institut für den nationalen Medienmarkt leistet, weltweit. Und damit globale Machtstukturen sichtbar, über die die meisten Medien, weil es sich ja um ihren eigenen Stall handelt, grosszügig hinweggehen. Das geleitende Vorwort zum aktuellen Stand ihrer Datenbank hier – lang und wichtig (und gut geschrieben).

Seit heute: SV Beuel 06 wieder erstklassig

Nach langer, über einjähriger Verletzungspause wurde er heute in der Schlussphase für den FC Augsburg gegen den Hamburger SV eingewechselt, um das 4:0 sicher über die Zeit zu bringen, ein grosser Schritt zum Erhalt der Erstklassigkeit: der Beueler Jung’ Jan-Ingwer Callsen-Braker, als 10-14-jähriger für den SV Beuel 06 spielend (1994-98), zwischendurch auch mal 11 Ligaspiele für einen großen Verein, Borussia Mönchengladbach.

Soviel Galgenhumor muss sein. Denn der SV Beuel 06 könnte heute seine Zugehörigkeit in der Bezirksliga verspielt haben. In der 1. Halbzeit gelang gegen den Lokalrivalen aus Oberkassel zunächst eine 2:0-Führung. Vor allem die Beueler Standards wurden auf gutem Niveau ausgeführt. Das 1:0 von Wolters in der 2. Minute hatte ich verpasst; erschien etwas verspätet, weil ich der Bratwurst genügend Garzeit lassen wollte. Das 2:0 von Defang als Nachschuss eines zunächst abgewehrten Freistosses war ein optischer Genuss, ein technisch vollendeter Volley, wie wir Fans es lieben. Die Beueler Defensive dagegen brach immer mal wieder in Panik aus, Weiterlesen

Der deutsche Wald ist adelig

Drunter machen wir es hierzulande nicht. 50% des Waldes, der immerhin ein Drittel unsrer Republikfläche belegt, gehört uns, der Öffentlichkeit – also 1/6; immerhin. Die andere Hälfte ist Privatbesitz, darf aber von uns allen betreten werden. Da können wir dann auf eine Adelige treffen, die uns ermahnt, nicht mit unserem Mountainbike über ihre Baumwurzeln zu fahren. Wenn Sie noch was über den deutschen Wald dazulernen wollen, über die Bilder hinaus, die wir sowieso alle von ihm im Kopf haben (eine deutsche Besonderheit), dann lesen oder hören Sie diese “Deutschlandrundfahrt” des DLF Kultur von heute morgen.

In Bonn ist weniger als ein Drittel Wald, dafür aber überwiegend in Stadt- oder Landesbesitz, gehört also uns. Bedeutend umfangreicher und wichtig für die Attraktivität unserer Stadt sind die “Grünflächen”, von denen der Wald nur ein Teil ist. Die Stadt Bonn hat nun gemeinsam mit dem Rhein-Sieg-Kreis eine Landschaftsarchitektenfirma aus Erftstadt ein “Integriertes Handlungskonzept Grüne Infrastruktur” erstellen lassen, das schon am 11. Mai vom Stadtrat beschlossen werden soll – um noch rechtzeitig Anträge auf Fördergelder des Landes stellen zu können.
Kursorisches Lesen hinterliess bei mir den Eindruck: ökologisch-fachlich ist alles gut durchdacht, aber für Bürgerbeteiligung war “keine Zeit” und ist darum erst später, wenn alles diskutiert ist, vorgesehen, die Bürokratie in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Ein Fußballschlag gegen Saatgutmonopol und Genfrass

Danke S04. Dein Boss, der grösste Schweineschlachter Tönnies, ist zwar kaum zu beleidigen, aber heute hast Du Dich pünktlich zur Bayer-Hauptversammlung im Bonner WCCB um die Gerechtigkeit verdient gemacht. Als in meiner Fußballkneipe schon die Witze zum “04” kursierten, dachte ich an die legendäre Radiomacherin aus der Zeit, als man den WDR noch gerne gehört hat, Carmen Thomas (“05”). Zu einer Hommage an sie hat es nicht mehr gereicht.
Aber es hat doch Spass gemacht, die Gesichter der Bayerbosse auf der Tribüne eingeblendet zu bekommen. Beim Pokalspiel am Mittwoch in München waren uns solche TV-Porträts ja leider vorenthalten worden. Hätte wohl zuviel Ärger gegeben.
Neben mir sass heute in Beuel ein 93-jähriges S04-Mitglied. Anfang der 50er Jahre war er beruflich in Gladbeck in der Nähe vom Bhf. West tätig. Meine Schule, später in unmittelbarer Nähe gebaut, stand da noch gar nicht. Herrliche Geschichten, was so einer damals erlebt hat. Und was für ein anderer Fußball. Ich erzählte ihm, dass ich im gleichen Krankenhaus geboren bin, wie Olaf Thon. Und dass Heinz Flotho, ein Torwart aus der Epoche, als S04 noch Meister wurde, bei meinem Oppa in der Straße seine Kneipe hatte. Früher war das meiste nicht besser, aber manches doch.

Vor Hungertod? – (ehem.) Untermieter der Bonner Grünen

In den 90ern entging der Kreisverband Bonn der Grünen nur knapp der finanziellen Pleite. Er hatte eine große Büroetage in der Nöggerathstr. – das Gebäude wurde später abgerissen – gemietet und an zahlreiche “nahestehende” Gruppen und Initiativen weiter untervermietet. Eine war eine somalische Exilorganisation, die ein reges Organisationsleben und starken Publikumsverkehr unterhielt. Eines Tages waren sie plötzlich weg.
Im Kreisvorstand der Grünen musste man zur Kenntnis nehmen, dass sie 10 Monatsmieten schuldig geblieben waren. Wenn der Express nicht damals mit fetter Schlagzeile berichtet, und 5.000 D-Mark Spenden hervorgerufen hätte, wäre es finanziell zuende gewesen. Es folgte ein Umzug, als devote Untermieterin der “demokratischen Zahnärzt*inn*e*n”, seinerzeit sesshaft am Kaiser-Karl-Ring.
Ich war nicht der verantwortliche Schatzmeister, aber im Kreisvorstand der Grünen in der Krise vorne mit dabei. Beim Aufräumen entdeckten wir Regale voll mit improvisierten Mitgliedsausweisen, noch ganz analog auf Pappe geklebte Passfotos mit Namen und weiteren Personaldaten. Wohin damit? Aus Unkenntnis über somalische politische Einzelheiten entschlossen wir uns zu ihrer Vernichtung, die ich persönlich im Garten meiner damaligen WG mit offenem Feuer vornahm, die bessere Lösung gegenüber Übergabe an unsere wenig vertrauenswürdigen Behörden und Geheimdienste.
Etliche der damals verschwundenen Mietschuldner*innen gehören zu denen, die die international nicht anerkannte Regierung von Somaliland organisierten. Das liegt am nördlichen Küstenbereich von Somalia und das besondere dieses Landstrichs war und ist (bisher), dass es gelang ihn vom brutalen Bürgerkrieg in Somalia frei- und fernzuhalten und den Menschen auf sehr niedrigem materiellen Niveau aber doch ein friedliches Leben zu ermöglichen.
Das Klima – ob menschengemacht oder nicht – macht jedoch keinen Unterschied. In Ostafrika kriegt es alle; die Kriege in Somalia und Jemen riegeln mögliche Fluchtwege ab. Interessiert das hier jemand?
WDR-Korrespondentin Sabine Bohland hatte Somaliland vor wenigen Jahren (2015) besucht, jetzt (im März) hat es jemand auf Youtube hochgeladen, 66 Aufrufe.

Kapitalismus kills Wein

Wieder einmal ist die FAZ dafür zu loben, dass sie ein Problem überhaupt aufgreift, und dafür zu kritisieren, dass sie wieder zu kurz springt. Der deutsche Wein, und nicht nur der, ist in Gefahr. Die Monopolisierung des Lebensmitteleinzelhandels ist sein potenzieller Mörder. Es ist systemisch nicht anders vorgesehen, als als Lebensmitteleinzelhändler Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka Milliardenumsätze zu machen. Das funktioniert nur über grosse Massenverkäufe, über Standardisierung und Industrialisierung, um “gleichbleibende Qualität” garantieren zu können. Das Produkt Wein wird so den gleichen Tod sterben, wie es aktuell das Bier schon tut. Gleichheit ist der Tod des Weines.

Die Faszination des Produktes Wein lebt davon, dass – da ähnelt er der Welt insgesamt – er ständig faszinierende Neuentdeckungen anbietet, Neuentdeckungen die in sehr vielen Fällen mit neuen Qualitätssteigerungen verbunden sind. Wer mal guten Wein getrunken hat, mag keinen schlechten mehr. Weiterlesen

Abenteuer im VRS (II)

Gestern schon wieder auf Abenteuerreise nach Köln. Fahrkartenkauf am Adenauerplatz überhaupt kein Problem. Verkehr über die Kennedybrücke trotz Schienenbauarbeiten auch nicht. Zugerreichen am Hbf. auch nicht. Das weite Rausfahren der Züge am Bahnsteig ist gewöhnungsbedürftig, zum Entzerren der Fahrgastmassen in der Rushhour aber sinnvoll, während der Bauarbeiten am Hbf. Baufortschritt ist für den Laien nicht wirklich sichtbar, naja es waren Osterferien.

In Köln Übergang zur U-Bahn, Breslauer Platz. Wer hatte den Stadtplanern und Architekten wohl was in den Kaffee getan? Oder was haben die geraucht bei der letzten Platzrenovierung? Weiterlesen

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