Fangen wir mit dem Glanz an: das Licht der Abendsonne im Saal des Rathauses Beuel.
So, dann wäre der Punkt schon mal erledigt.

Bezirksbürgermeister Deus ist kürzlich Landtagsabgeordneter geworden. Das ermöglicht ihm Pause zu machen von seinem eigentlichen Job, Pressesprecher der Bima zu sein. Das ist die Einrichtung, die im Auftrag des Bundesfinanzministeriums bundeseigene Immobilien unterhalten und versilbern soll, und sich dabei nicht anders verhält, als grosse und kleine private Immobilienhaie. Die Bima ist auf jeden Fall gross. Sie populär zu machen, für ihr Tun zu werben, das wäre Guido Deus’ Job. Und damit ist nicht nur er überfordert, sondern jede/r Andere auch.

Jetzt als Landtagsabgeordneter ist Deus Landesgesetzgeber. Er könnte also die NRW-Gemeindeordnung ändern, und seiner geliebten Bezirksvertretung mehr Gewicht verleihen. Das wäre sicher effizienter, als, wie jetzt, in ihren Sitzungen stundenlang (und das ist untertrieben!) über ihre Missachtung durch die Stadtverwaltung zu lamentieren.
Durch einen glücklichen Zufall, nämlich den Gleichklang der Ergebnisse von Bonner OB-Wahl (2015) und Bonner Landtagswahl (2017), sind der Beueler Bezirksbürgermeister, der Beueler Landtagsabgeordnete und der direkt gewählte Oberbürgermeister und der Chef der Bonner Stadtverwaltung nicht vier sondern nur 2 Personen und sogar in nur einer Partei; gut, letzteres könnte genau das Problem sein. Sie könnten – theoretisch – gemeinsam besprechen, natürlich nur, wenn sie füreinander Zeit haben, wie sie die zeitgerechte Vorbereitung der Bezirksvertretung Beuel mit schriftlichen und mündlichen Informationen der 5000-Menschen-starken Stadtverwaltung so regeln, dass gut vorbereitete öffentliche Debatten möglich werden.

Gestern wurde zwei Stunden ein Antrag der Beueler CDUSPDFDP-Koalition, dem die Grünen und die Linke ausdrücklich zustimmten, für eine Skateranlage in der Beueler Rheinaue debattiert, vor vielleicht zwei Dutzend Zuschauer*inne*n und einem Lokaljournalisten. Nach zwei Stunden, als ich die Sitzung verliess, war längst alles gesagt, das war es schon nach 10 Minuten, aber noch nicht von jeder*m. In der Sache waren sich alle einig, aber es hatte noch nicht jede*r über die Stadtverwaltung gejammert.

Vor einigen Tagen sass ich bei Olivotti mit meinem Freund Stefan Keller zusammen. Stefan war der beste Freund des im Januar verstorbenen Mike Mennen und hatte von ihm schon vor einiger Zeit das ISR-Rhetorikinstitut übernommen. Er hatte bei Mikes Bestattung die Trauerrede gehalten, gegen direkt am Beueler Friedhof vorbeidonnernde Güterzüge, und machte das exzellent, inhaltlich und formal (= Lautstärke). Viele Trauergäste hatten danach das Bedürfnis, sich persönlich bei ihm zu bedanken. Jetzt braucht Stefan mehr Aufträge. Er könnte sich die komplette Bezirksvertretung Beuel, 19 Mitglieder, vornehmen, einzeln und zusammen, alle Fraktionen. Öffentlich sprechen kann von denen nur ein Einziger, nämlich Deus. Und der spart sich jede Mühe, sein kaum unterbrechbarer Redefluss ist absolut frei von Dramaturgie und Pointen. Im Landtag wird er sich sicherlich Mühe geben, die BV Beuel ist es ihm erkennbar nicht wert. Und die andern könnens nicht. Sie könnten es aber lernen, bei Stefan (liebe CDU: er hat auch schon für die Adenauer-Stiftung gearbeitet) oder woanders.

Noch zwei strategische Vorschläge, im Interesse einer verbesserten politischen Kommunikation in unserem Stadtteil:
1. Die Fraktionen könnten sich auf ein oder zwei – wirklich wichtige – Themen einigen, die in gut vorbereiteter, inhaltlich (!) kontroverser (!) öffentlicher Debatte ausgetragen werden. Das wäre Dramaturgie, die öffentliches Interesse wecken kann.
2. Alle Fraktionen, nicht nur CDUSPDFDP, arbeiten mittel- und langfristig an einem “Beueler Konsens” zur Weiterentwicklung unseres Stadtteils, und machen gemeinsam (!) und gut vorbereiteten (!) Druck innerhalb ihrer Stadtratsfraktionen, ihrer Kreisparteien, und natürlich gegenüber der vielgescholtenen Stadtverwaltung. Das wäre politische Strategiekunst. Und erfordert eine*n intelligente*n Bezirksbürgermeister*in (wie z.B. den in Köln-Ehrenfeld), die*der Zeit hat das kommunikativ zusammenzuführen.