Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Uncategorized (Seite 6 von 8)

Minister für Panik und Unsicherheit ?

Das Innenministerium eines Landes ist mehr als die Verteilstelle für kommunale Gelder. In Nordrhein-Westfalen ist der Innenminister der Minister, der über die Einhaltung der Verfassung wacht – anders als im Bund, wo diese Aufgabe der Justizminister wahrnimmt – das Innenministerium prüft nicht nur Gesetze der anderen Ressorts auf Verfassungskonformität, es ist auch Schlüsselressort für die Bürgerrechte. Datenschutz zum Beispiel und alle damit in Verbindung stehenden Zukunftsfragen wie die Sicherheit der Daten vor privaten Konzerninteressen, seien es Google, Facebook oder nationale Datenkraken. Hier ist Innovation und Sensibilität gefragt. Es sollte über die Ausstattung der Landesbeauftragten für den Datenschutz und Informationsfreiheit unterstützen, dessen Kompetenzen stärken und damit die Bürgerrechte gegenüber Datenklau der Privatwirtschaft besser ausstatten.

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Minister für Panik und Unsicherheit ?

Das Innenministerium eines Landes ist mehr als die Verteilstelle für kommunale Gelder. In Nordrhein-Westfalen ist der Innenminister der Minister, der über die Einhaltung der Verfassung wacht – anders als im Bund, wo diese Aufgabe der Justizminister wahrnimmt – das Innenministerium prüft nicht nur Gesetze der anderen Ressorts auf Verfassungskonformität, es ist auch Schlüsselressort für die Bürgerrechte. Datenschutz zum Beispiel und alle damit in Verbindung stehenden Zukunftsfragen wie die Sicherheit der Daten vor privaten Konzerninteressen, seien es Google, Facebook oder nationale Datenkraken. Hier ist Innovation und Sensibilität gefragt. Es sollte über die Ausstattung der Landesbeauftragten für den Datenschutz und Informationsfreiheit unterstützen, dessen Kompetenzen stärken und damit die Bürgerrechte gegenüber Datenklau der Privatwirtschaft besser ausstatten.

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Die Erde ist keine Scheibe!

Vor der Sommerpause hat der Bundestag die seit Jahren von Menschenrechtlern geforderte und längst überfällige Resolution zu den Massakern der Türkei in Armenien beschlossen. Die Bundesregierung hat sich heute mehr oder weniger von dieser Resolution distanziert. Natürlich gewährt das Grundgesetz den Verfassungsorgane in einer Art Spielraum oder Arbeitsteilung. Das hat die Regierung Brandt/Scheel zum Beispiel bei den “Ostverträgen” 1972 genutzt und es trifft zu, dass Resolutionen des Bundestages die Bundesregierung rechtlich nicht binden. Aber das heißt nicht, dass die Regierung “hü” sagen kann, wenn das Parlament “hott” beschlossen hat. Denn diese Regierung kann zwar Parlamentsbeschüsse in ihrer Lesart vermitteln und interpretieren – gerade gegenüber problematischen Staaten.

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Gesetze gegen Vollverscheierung?

Das fragwürdige Vorgehen der Französischen Polizei gegen Trägerinnen des “Burkini” hat die Diskussion um Verbote und Reglementierung bestimmter Kleidungsstücke erneut angefacht. Die Debatte um ein Burka-Verbot ist die falsche Debatte. Sie ist typisch für ein Klima der Einschränkung von Freiheit und Grundrechten im Zuge der allgemeinen Terrorhysterie, die seltsamsten Blüten treibt. Die Betreiber des Sicherheitsstaates und der Überwachungtechnologie meinen, sie hätten Oberwasser. Eine Strafverschärfung jagt seit 2001 die nächste. Immer neue Verbote, Datenspeicherungen und Aufrüstungen des Sicherheitsapparats gehen an der Kernfrage vorbei: Wieviel uns Aufklärung und Freiheit wert sind und wann wir endlich die Diskussion über Ursachen des Terrorismus und über gelebte Integration, Gleichheit und Gleichberechtigung der Geschlechter beginnen, offensiv zu führen – Religionen übergreifend.

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Spekulatius Islamistikus

Recep Tayyip Erdogan – nennen wir ihn der Einfachheit halber “RecTa” ist ein armer Mann. Nicht nur, dass er im Schweiße seines Angesichts so viel arbeitet, wie niemand sonst, wie das deutsch-türkische Soap-TV-Sternchen Wilma Elles behauptet, die die vielen Verhaftungen in der Türkei für human hält, weil die Gefangenen in der Türkei halt so die Gesellschaft lieben. RecTa muss sich nun auch noch gefallen lassen, dass die Bundeskanzlerin auf die kleine Anfrage einer linken Kurdin im Deutschen Bundestag ihm einmal zeigt, welche Folterwerkzeuge für ihn bereit liegen, wenn er politisch so weiter macht.

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Politikerlügen rechtfertigen keine Nötigung

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz hat jahrelang ihren Lebenslauf gefälscht und sich als “Juristin” ausgegeben, obwohl sie weder Abitur hatte, noch jemals Rechtswissenschaften studiert hat. Nicht nur die Abgeordnete Hinz schadet mit ihrem Verhalten dem Bundestag. Viele, die derzeit öffentlich Konsequenzen fordern, tun es ihr gleich. Auch NRW-Justizminister Kutschaty, der als Essener SPD-Vorsitzender einen Beschluß des Kreisvorstandes herbeigeführt hat, der Hinz auffordert, “binnen 48 Stunden” ihr Mandat niederzulegen.

Als Justizminister könnte ein solcher Vorstoß am Rande der Verfassung möglicherweise auf ihn zurück fallen.

Natürlich ist es politisch verständlich, dass die SPD verurteilt, dass Hinz der Partei Schaden zufügt. Der Vorstand kann oder muss auch, wie von Kutschaty angekündigt, ein Parteiordnungsverfahren anstrengen. Sie selbst könnte der Partei einen großen Dienst erweisen, wenn sie freiwillig aus der Fraktion austräte. Aber Parteimaßnahmen sind das eine, nötigender Druck auf die Abgeordnete als Mitglied des Verfassungsorgan Bundestag, ihr Mandat niederzulegen, eine ganz andere Sache. Die SPD-Fraktion im Bundestag kann sie jederzeit mehrheitlich von ihren Funktionen in Ausschüssen entbinden, sich von ihr trennen, sie aus der Fraktion ausschließen. Es kann aber nicht angehen, wie derzeit Druck auf sie ausgeübt wird, ihr Mandat niederzulegen. Das richtet sich nicht nur an die SPD. Wer sich wie die “Welt” oder der “Focus”, darüber empört, dass Hinz “noch für September fast 14.000 Euro Diäten und Pauschalen kassiert” oder “beim Warten auf ihn (den Bundestagspräsidenten) ganz nebenbei noch mehrer Tausend Euro verdient”, betreibt Parlamentarismuskritik auf dem Niveau von Populisten und Rechtsextremisten. So undifferenziert labern selbsternannte “politisch Korrekte” in Wirklichkeit die Demokratie kaputt.

Bei der Frage der Mandatsniederlegung geht es nicht um die tragische, zweifelhafte Person Hinz, die sich längst politisch disqualifiziert hat. Es geht um das Mandat an sich, um die Freiheit des Bundestagsmandats nach Artikel 38 Grundgesetz, das sie aufgrund der Wahl errungen hat und aus guten historischen Gründen nur freiwillig aufgeben kann. Gerade nach der Erfahrung der Weimarer Republik und ihrem Ende, als vor allem aus den Reihen der Kommunisten und Nationalsozialisten sowie der Hugenberg-Presse Reichstagsabgeordnete diffamiert, unter Druck gesetzt und genötigt wurden, verbietet es sich, – und sei der Fall noch so abstrus, – dass Dritte ein Mandat im Namen einer Partei oder einer wie auch immer sich berechtigt fühlenden Öffentlichkeit vereinnahmen.

2005 und 2009 gewann Hinz ihren Wahlkreis direkt, 2013 war sie über die SPD-Landesliste abgesichert. Kaum glaubhaft, dass ihre Biografie dabei eine nennenswerte Rolle spielte, geben doch bei Kandidatenaufstellungen traditionell innerparteiliche Flügelzugehörigkeiten eher den Ausschlag, als irgendwelche beruflichen Qualifikationen. Zum Erwerb eines Bundestagsmandats sind keinerlei berufliche oder schulische Abschlüsse Voraussetzung. Manch öffentliche Empörung entbehrt daher nicht einer gesunden Portion Heuchelei. Als 1972 mit der Unterzeichnung der Ostverträge im Zuge der Entspannungspolitik reihenweise Abgeordnete der Regierungsparteien SPD und F.D:P. austraten und ihr Bundestagsmandat nicht niederlegten, sondern zur CDU mitnahmen, spielte die verfassungspolitische Frage, ob Angeordnete einer Partei oder einer bestimmten Politik verpflichtet seien, eine wichtige Rolle. Damals wurde die Bedeutung des Artikel 38 und die Gewissensfreiheit des Mandats gestärkt. Das ist geltendes Verfassungsrecht und kann sich auch nicht ändern, nur weil eine einzelne Mandatsträgerin möglicherweise kein erkennbares Gewissen hat – da gab es schon viel schlimmere Fälle, von Wienand bis Wiesheu. Auch menschliche Unzulänglichkeit muss eine Demokratie aushalten. Das sollte auch der Justizminister wissen, der ohne Zweifel ein erstes und zweites juristisches Staatsexamen abgelegt hat.

Die Informationelle Selbstenthauptung

Seit einigen Tagen rauscht ein Medienhype durch “Tagesschau”, “Heute” und alle anderen Nachrichtensendungen. Zwischen dem Putsch nach dem Putschversuch und den “Säuberungen” des türkischen Diktators Erdogan, zwischen den Anschlägen von Würzburg und München stolpern wie von Sinnen außer Kontrolle geratene Menschen durch unsere Metropolen hin und her. Sie laufen über rote Ampeln, ignorieren Autoverkehr, legen Brücken lahm und gefährden sich und andere. Alles, um mit dem albernen Spiel “Pocemon Go” US-amerikanischer Konzerne, diesen möglichst viele private Daten kostenlos und freiwillig zu schenken und sich selbst zum gläsernen Affen zu machen.

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Stalins Säuberungen brauchten länger

Die Türkei ist auf dem Weg in einen Willkürstaat. Die Entlassungen und Verhaftungen von Staatsangestellten folgen derzeit so schnell aufeinander, dass man kaum beim Notieren mitkommt. 21.000 Lehrern privater Schulen soll die Lizenz entzogen worden sein, 15.000 Lehrer der staatlichen Schulen entlassen, 13.000 Beamte ebenso, Provinzgouverneure und deren Mitarbeiter abgesetzt und festgenommen. Polizisten und Mitarbeiter des Geheimdienstes durchsuchten Lehrstühle von Universitätsprofessoren. Nach der gestrigen Entlassung von angeblich 6.000 Polizisten erklärte Ministerpräsident Yildirim, eine Sicherheitslücke entstehe dadurch nicht, die Bürger könnten sich bewaffnen und das Recht selbst in die Hand nehmen. Erdogan und er erklärten wiederholt, man werde jetzt einen “wichtigen Schlag” im Parlament vorbereiten. Was er meint, liegt auf der Hand: Zwar hat seine AKP keine Zweidrittelmehrheit, um auf dem Wege einer Verfassungsänderung die Todesstrafe beschließen zu lassen, aber er könnte die nötigen 330 Stimmen zusammen bekommen, um zu diesem Thema ein Referendum zu veranstalten.

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Vom Putsch zur Machtergreifung ?

Der Putschversuch in der Türkei ist innerhalb weniger Stunden gescheitert. Sah es am Freitagabend spät noch so aus, als ob sich wiederholen könnte, was die Armee 1960, 1971, 1980 und 1997 mehrfach unternahm, stellte sich schon nach wenigen Stunden heraus, dass alles ein kurzer schrecklicher aber blutiger Alptraum war. Ein gewaltsamer Angriff auf das demokratisch gewähltes Parlament und den Präsidenten – das darf nicht geduldet werden. Ein gutes Zeichen, dass sich sofort alle Parteien in der Türkei dagegen solidarisiert haben.

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Den IS nicht unnötig aufwerten

Der Massenmord mit Lastwagen von Nizza ist noch nicht wirklich aufgeklärt. Für die Öffentlichkeit und uns alle sollte vor allem das Mitgefühl für die Opfer im Vordergrund stehen. Sorgfalt der Ermittlungen ist auch bei einer solchen unmenschlichen Tat angebracht – in alle Richtungen. Die Behörden und vor allem die Medien rätseln derzeit noch über die Motive des Täters, der natürlich auch ein völlig unpolitischer Amokläufer sein kann. Er hatte drei Kinder, war kürzlich von seiner Frau getrennt und offensichtlich in einer schwierigen Situation. Seine Familie sagt, er hätte psychische Probleme gehabt, sei nicht religiös, trank Alkohol und aß Schweinefleisch. Natürlich können das Schutzbehauptungen oder überholte Fakten sein. Trotzdem sollten Besonnenheit und Augenmaß die öffentliche Diskussion bestimmen und nicht Hysterie und Terrorangst.

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Fatale Allianz von Armut und Polizeigewalt

Die eskalierende Polizeigewalt und die Gegenreaktionen in den USA machen deutlich, dass sich seit den 60er Jahren, als Martin Luther King und Malcolm X für die Rechte der Schwarzen stritten, wenig geändert hat. Noch immer leben junge schwarze in den USA gefährlich und laufen Gefahr, mit den allgegenwärtigen Waffen getötet zu werden. Aber nicht nur die Waffen sind ein Problem, sondern die Polizeiausbildung und die wachsenden sozialen Abgründe. Gibt es eine Chance, die Gewaltspirale zu stoppen?

US-Gesellschaft versinkt in Gewalt

Der Angriff eines Heckenschützen auf die Polizei in Dallas ist der aktuelle Höhepunkt einer Eskalation der Gewalt und gleichzeitig der Offenbarungseid der öffentllichen Sicherheit in den USA. Die Gewaltspirale wurde seitens des Staates immer höher getrieben, ohne sich ein deut um die sozialen Ursachen zu scheren. Denn hausgemacht sind natürlich die krassen sozialen Brennpunkte eines Landes, das sich für die größte Militär- und Wirtschaftsmacht und die Führungsmacht des Westens hält. Obwohl die Vereinigten Staaten seit nun fast acht Jahren von einem Afroamerikaner regiert werden, sind die Opfer von Polizeigewalt vor allem Schwarze. Obwohl nur 13% der amerikanischen Bevölkerung Afroamerikaner sind, stellen sie fast 40% der Inhaftierten in den Strafanstalten und 60% der Kandidaten für die Todesstrafe. Wer jung, männlich und schwarz ist, läuft in den USA siebenmal häufiger Gefahr, von einer Polizeikugel getötet zu werden, als im Straßenverkehr.

Schwarze weiter diskriminiert

Zwar gibt es heute Barack Obama als Präsdenten und mit Oprah Winfrey steht auch die bekannteste Journalistin und Multimillionärin an der Spitze ihrer Zunft. Aber selbst im linksliberal geltenden Hollywood sitzen keine Schwarzen in der Oscar-Jury und nicht zum ersten mal gab es 2016 Proteste prominenter Schauspieler, dass auch in diesem Jahr keine Afroamerikaner für den höchsten Filmpreis der anglo-amerikanischen Welt nominiert wurden. Der vor wenigen Wochen gestorbene Muhammad Ali verkörperte den Traum einer anderen, einer gerechten und vielfältigen, multiethnischen und multireligiösen amerikanischen Gesellschaft, egal ob Christen, Juden oder Moslems. Gleichwohl beschränken sich die Fortschritte auf einige wenige Beispiele für erfolgreiche afroamerikanische Karrieren. Die Gesellschaft, in der staatliche Gewalt vor allem gegenüber den sozial Benachteiligten ausgeübt wird, hat sich nicht grundlegend verändert.

Keine Aufarbeitung

Eine wirkliche Aufarbeitung von Polizeigewalt findet nicht statt. Immer wieder sind seit den 60er Jahren Gewaltexzesse der Polizei und gewalttätige gesellschaftliche Reaktionen der schwarzen Communty aufeinander gefolgt. In den siebziger Jahren führte die Nationalgarde Krieg gegen linke Demonstranten, die den Vietnamkrieg kritisierten, anfang der achtziger Jahren gab es in Los Angeles brennende Stadtbezirke, nachdem die Polizei einen jungen Schwarzen brutal geschlagen und getötet hatte. In Birmingham, Alabama, Pittsburgh, New York, fanden in den letzten Jahren immer wieder Jungendliche den Tod, die schwarz und verdächtig, aber wie sich zu spät heraus stellte, zumeist unbewaffnet oft harmlos waren. Aktuell ist es nicht wirklich anders. Rassismus herrscht trotz scharfer Antidiskriminierungsgesetze.

Die wichtigste Ursache ist, dass in den Vereinigten Staaten mit 370 Millionen Kleinwaffen mehr Schießprügel im Umlauf sind, als es Einwohner gibt – knapp 320 Mio. Politologen lernen seit den 70er Jahren, dass die National Rifle Association die bestorganisierte Lobbyorganisation der Welt ist. Auch wenn Michael Moore mit “Bowling for Colombine” der NRA und ihrem Vorsitzenden Charlton Heston die gutbürgerliche Maske vom Gesicht gerissen hat – das intellektuelle Amerika kommt nicht gegen das geile Machtgefühl und Adrenalin an, das die Waffennarren empfinden, wenn sie den Rückstoß von Schnellfeuerwaffen gegen ihre Schulter hämmern spüren.

Schlechte Polizeiausbildung

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Eine weitere ganz wesentliche Ursache liegt in der schlechten Polizeiausbildung und der Rolle, wie US-Gesetzeshüter ihre Aufgabe verstehen. Zudem in der Gesetzeslage, die zumeist schon eine Anklage, in viel zu vielen Fällen aber auch eine Verurteilung von Polizisten, die Übergriffe begehen, erschwert oder verunmöglicht. Denn Polizeigewalt wird bereits gerechtfertigt, wenn sich der Polizist bedroht fühlt, gar nicht objektiv bedroht sein muss. US-Polizisten glauben sich in einem permanenten Zustand putativer Notwehr und handeln danach. Deeskalation ist für sie ein Fremdwort.

In Deutschland werden junge Polizisten sorgfältig ausgewählt, sie studieren neben der praktischen Ausbildung an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, belegen Kurse in Recht, Psychologie, Sozialkunde, erlernen Stressbewältigung, Selbstbehauptung, Eigensicherung, lernen Körpersprache zu lesen und anzuwenden, zu deeskalieren und erfolgreich zu kommunizieren. Vor allem aber lernen sie, sich jederzeit der Situation angemessen zu verhalten, um die Kontrolle nicht zu verlieren, kennen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und setzen Schußwaffen nur als letztes Mittel ein. Polizistinnen und Polizisten sind Beamte auf Lebenszeit, sozial abgesichert und nach der Einführung der zweigeteilten Laufbahn auch angemessen bezahlt. Sie handeln im Auftrag des Staates für das demokratische Gewaltmonopol und im Rahmen unseres Grundgesetzes.

Schlechte Bildung

Polizisten in USA stehen in der Tradition, des gewählten Sherriffs. Die kommunale Selbstverwaltung ist ihr Ursprung. Polizisten in den USA werden nach sechs Monaten Kurzunterweisung auf die Menschheit losgelassen. Sie werden in Kursen auf ihre Aufgabe vorbereitet, die eher einem Ninja-Trainigscamp, als einer soliden Ausbildung gleichen. Die Aufgabe bewältigen keine staatlichen Ausbilder, sondern private Betreiber von Kampfsportclubs und Selbstverteidigungskursen, in denen auch die potenziellen Täter trainieren. Ihre Gesetzeskunde ist rudimentär, sie lernen zwar, Beschuldigte über ihre Rechte aufzuklären und wie man Verkehrskontrollen möglichst effizient durchführt, aber die Waffe sitzt dabei immer locker. Die praktische Ausbildung zielt auf ein aggresives und gewaltbestimmtes Auftreten, militärische und paramilitärische Elemente stehen im Mittelpunkt. Schreien, Auftrumpfen, in komplizierten Situationen möglichst auf den Richtigen schießen, aber in Zweifel immer zuerst zu schießen und immer bereit zu sein, das Schlimmste zu unterstellen und Gewalt anzuwenden, ist das Ziel der Ausbildung zum Cop. “Ich schieße natürlich lieber zuerst, bevor ein Verdächtiger mich erschießt” – so ein US-Polizist im Interview des ZDF. Wer einmal in den USA Urlaub macht, lernt schnell, dass es nicht nur wichtig ist, die Verkehrsregeln einzuhalten und immer alle Auswese bei sich zu führen, sonder vor allem, während Polizeikontrollen immer die Hände auf dem Lenkrad zu behalten und keine unbedachten Bewegungen zu machen.

Namen nicht verdient

Die Polizeiausbildung in den USA ist keine, die diesen Namen verdient, sondern eine militärische Ausbildung. In dieser Bewaffnung und im Vorgehen der Polizei kommt zum Ausdruck, dass die Polizei im Zweifelsfall bereit ist, Verdächtige oder Demonstranten als Feinde zu behandeln, dass die Polizei Krieg führt gegen die Bürger, indem sie der ruhestörenden desorientierten Oma Handschellen anlegt oder schon mal siebenjährige Kinder abführt und in Haft nimmt. Die Medien zelebrieren das. Viele Polizisten sind Angehörige der weißen Unterschicht, die selbst am Rande des Existenzminimums ums Überleben kämpft. Sie werden auf die vermeintlich noch schwächeren losgelassen.

Schwarze Opfer

Ein schwarzes Opfer polizeilicher Gewalt sitzt heute gelähmt im Rollstuhl, weil kontollierende Polizisten ihm, dem schwarzen Neffen eines Autohausbesitzers nicht glaubten, dass er legal einen PKW der gehobenen Klasse fahren durfte. Sie gaben schlampig in den Fahndungscomputer nur die Initialen seines Vornahmens ein, woraufhin der irrtümlich einen Drogendealer ausspuckte. Das Opfer wurde lebensgefährlich angeschossen und musste hinnehmen, dass seine Angreifer freigesprochen wurden. Damit nicht genug, tun dieselben Polizisten weiter in seinem Wohnbezirk ihren Dienst.

Gewalt nimmt zu

Die Gewalt in USA nimmt zu, obwohl sich die Vereinigten Staaten in einer vergleichsweise ökonomisch entspannten Situation befinden müssten. Die Primitivität der Konzeption öffentlicher Sicherheit einer Weltmacht, die sich am Beispiel der Polizei zeigt, korrespondiert mit einem maroden Sozialsystem. Während seit den 80er Jahren die Einkommen der Oberschicht von 1% um über 130% anstiegen, haben die unteren sozialen Schichten, frühere einfache Arbeiter, bis zu 60% ihrer Kaufkraft eingebüßt. Rund 20% der US-Amerikaner leben unter der Armutsgrenze, etwa die Hälfte davon, obwohl sie einen Arbeitsplatz oder mehrere haben, von denen sie nicht leben können. Der US-Kapitalismus kommt an Grenzen, die ihn von innen zerstören können.

Sozialpolitik beste Kriminalpolitik

In Europa ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt, dass die beste Kriminalitätspolitik eine gute Sozialpolitik ist – das liegt dem US-amerikanischen Denken sehr fern. Aber es gibt kleine Hoffnungschimmer. Unter Leitung der Universität von Boston entstand Ende der neunziger Jahre ein Präventionsprojekt gegen jugendliche Intensivtäter, das nicht auf Gefängnis, sondern soziale Kontrolle durch “runde Tische” setzt, an denen Eltern, Lehrer, Ausbilder, Nachbarn, Geschäftsleute, öffentliche Einrichtungen im Bezirk sowie Polizei und Justiz teilnehmen – mit Erfolg. Vielleicht ein erster Schritt, der zeigt, dass es auch in den USA Alternativen zur Gewalt gibt. Selbst der ansonsten eher glücklose Innenminister Ralf Jäger könnte noch Verdienste um die Bürgerrechte erwerben, indem er den von Polizeigewalt belasteten Kommunen in den USA jetzt Ausbildungspartnerschaften anbietet. Was im ehemaligen Jugoslawien leidlich funktioniert hat, kann in den Vereinigten Staaten eigentlich nicht scheitern. Ein Fortschritt in Richtung auf Deeskalation wäre eine Sensation. Wenn NRW schon wirtschaftliches Nullwachstum hat – warum nicht die Stärken nutzen, die das Land zu bieten hat?

 

 

 

Fahnenflüchtige Populisten

Und EU-Politiker in alten Verstrickungen

Die Brexit-Initiatoren haben Rassismus befördert, sozial Schwache betrogen und stehlen sich nun aus der Verantwortung. Tories und Labour arbeiten derzeit innerparteiliche Intrigen ab, statt die Zukunft Großbritanniens zu gestalten. Johnson und Farage kneifen, die Labour-Rechte hat gegen den populären Vorsitzenden Corbyn zu revoltiert. Die junge Generation demonstriert gegen die unverantwortlichen Alten, während Juncker und Co. ebenfalls nicht verstanden haben, dass TTIP und Ceta und mangelhafte Demokratie den Tod der EU verursachen. Die Parteien Europas dürfen nicht so weiter machen, sondern müssen zehn wichtigen Fragen stellen und beantworten, bevor es die Populisten tun. Weiterlesen

Der Brexit kennt nur Verlierer

Der Brexit ist ein Desaster, für das vor allem David Cameron, die rechten Tories und die Populisten der Ukip verantwortlich sind. Der Schaden für Großbritannien und für Europa ist unabsehbar. Die Separatisten haben den Anfang vom Ende des “Vereinigten Königreich” erstritten. Europa muss sich jetzt neu begründen und enger zusammen rücken. Opfer sind mehrheitlich diejenigen, die den Populisten auf den Leim gegangen sind – aber es gibt die Chance, daraus zu lernen.

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Wie viel Gewalt wollen wir Europäer zulassen?

Der dreiste Mord in aller Öffentlichkeit an der britischen Labour- Politikerin Jo Cox ist der Vorläufige Höhepunkt einer Serie von öffentlich zelebrierter Brutalität, von ungezügelter Wut und immer mehr verrohenden Gesellschaften weltweit, aber vor allem in den bisher von weitgehender Sicherheit und Offenheit geprägten Demokratien. Der Mörder von Cox wird, nach allen, was wir wissen, ein Rechtsextremist und Nationalist sein. 49 Menschen ermordete ein Massenmörder im US-amerikanischen Orlando – er bekannte sich zum “Islamischen Staat” soll aber selbst in dem Schwulen- Lesben- und Transsexuellenclub gewesen sein, in dem er irgendwann das Massaker anrichtete.

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De Maizière ein Sicherheitsrisiko?

Der Bundesinnenminister hat vorgeschlagen, Hilfspolizisten zur Bekämpfung von Einbruchskriminalität und zum Objektschutz einzusetzen. Darüber hinaus möchte er die Videoüberwachung ausdehnen. Der Bundesinnenminister gibt den sicherheitspolitischen Laien – darf er sich das leisten? Er hat eigentlich keine wirkliche Polizeimacht. Polizei ist Ländersache. Seine einzigen “Truppen” sind die Bundespolizei, früher Bundesgrenzschutz, die schlechter ausgebildet und bezahlt sind, als die Landespolizeien. Ihre Aufgaben sind Objektschutz, Flugsicherheit und Grenzsicherung – die Sicherung der Bahnhöfe und Flughäfen und ausländerrechtliche Kontrollen sind hinzu gekommen. Ein interner Witz der Gewerkschaft der Polizei in den 90er Jahren lautete: “Was tun, wenn Dir ein Grenzschutzbeamter mit gezogener Waffe gegenübersteht?” – “Nicht bewegen, nichts falsches machen, beruhigend einwirken, 110 anrufen und warten, bis richtige Polizei kommt!”

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Mit der NATO in den Kalten Krieg?

Man rieb sich die Augen und wunderte sich: Letzte Woche fand unter dem Namen „Anakonda“ ein Manöver von NATO-Staaten und in Polen statt. Anakondas sind, so das Lexikon, in Südamerika beheimatete Würgeschlangen, die in tropisch feuchten Gefilden am Rande von Gewässern hausen. Sie lauern unbeweglich auf ihr Opfer, beißen zu, erwürgen und verschlingen es, um sich anschließend der Muße des Verdauens hinzugeben. Schöne Beschreibung für ein Manöver, dessen Anlass, Sinn und politische Stoßrichtung ich doch gerne erklärt bekommen hätte.

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Ist TTIP schon tot?

Die TTIP- Leaks von Greenpeace mögen Dokumente an die Öffentlichkeit gespült haben, die nicht mehr zu 100% den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen EU und den USA wiedergeben: Das ist im Prinzip egal. Es geht um das, was Pro- TTIP- Parteien und die EU-Kommission nicht verstanden haben: Die US- und EU-Bürger sind demokratischer, als gedacht und sind nicht mehr gewillt, sich Verschlechterungen des Verbraucherschutzes, Eingriffen in Bürgerrechte und die politische Souveränität, Abbau von Rechtsschutz und vor allem Geheimnistuerei gefallen zu lassen. Es ist den EU-Verantwortlichen nicht klar, aber durch die Geheimverhandlungen bringen sie genau das Misstrauen voran, das nicht nur die Linke, sondern vor allem die frustrierten, populistischen EU- und Euro- Gegner antreibt. Die populistischen Regierungen in Polen, Tschechien und Ungarn sowie die ÖDP in Österreich, Le Pen in Frankreich, UKIP in Großbritannien und die AfD in Deutschland profitierten davon.

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Neulich in der zufälligen, verdachtsunabhängigen Polizeikontrolle…

Der Kabarettist Marc-Uwe Kling lebt in seinen Sketchen als Kleinkünstler mit einem sprechenden Känguruh zusammen. Weil das Känguruh nicht nur spricht, sondern auch noch Kommunist ist – “Ach, Mein, Dein, das sind doch alles bürgerliche Kategorien!” – ist sein Lieblingsspruch – gerät es immer wieder in völlig zufällige, verdachtsunabhängige Routine-Polizeikontrollen. Beispielsweise im Flughafen Schönefeld, wo es gebeten wird, nicht nur die Taschen zu leeren, sondern auch seinen Beutel aufs Band zu legen, der doch angewachsen ist: “Der Beutel muss aufs Band” sagt ihm der bildungsferne, lohngedumpte Sicherheitsdienstleister am Gate und “The Beutel must on the Band!” pflichtet ihm seine Kollegin mit Realschulabschuss bei – niemand zweifelt, dass es mit dem verdachtsunabhängigen Zufall so seine Bewandnis hat.

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Ein höflicher Kämpfer um Anerkennung – ein Nachruf auf Guido Westerwelle

Viele ehemalige Jungdemokraten wie ich, die der “wahren” Jugendorganisation[1] der FDP bis in die 80er Jahre angehörten, haben Guido Westerwelle 1980 als einen etwas nassforschen Bundesgeschäftsführer, später Bundesvorsitzenden der “Jungen Liberalen”[2] kennen gelernt. Jener Parteijugend, die gegen die Jungdemokraten vom Wirtschaftsflügel der FDP gefördert wurde, um die “Wende”, den Koalitionswechsel von der SPD zur CDU 1982 vorzubereiten und um, wie viele sagen, letztlich den politischen Liberalismus in Deutschland zu spalten. Guido Westerwelle war persönlich immer ein wenig ein “Underdog”, der kämpfen musste. Als Scheidungskind fiel ihm das Abitur nicht in den Schoß, er musste sich von der Realschule zum Abi danach durchbeissen, um das Jurastudium aufnehmen zu können. 1980 saß er in der ersten Bundesgeschäftsstelle der “Julis” in der Bonner Dorotheenstraße und kämpfte in der Minderheit gegen die Jungdemokraten, die etablierte Jugendorganisation, deren Antikapitalismus er nicht verstand, wie wir es im Gegenzug aber auch nicht verstanden, Jugendliche seiner Generation, die “Popper” zu erreichen, ihnen unsere Politik zu erklären. An der Uni Bonn wurde er noch in dieser Zeit wegen seines Schwulseins gemobbt – ganz schön finster waren die Zeiten noch in Sachen Toleranz gegenüber Gleichgeschlechtlichen und ich fand es später sehr angenehm und positiv, wie klar und selbstverständlich er als Außenminister zu seinem Mann stand.

Auch ein bisschen oppositionell

Als “Juli” wurde er auch gegen Ende der achtziger in der FDP ein bißchen oppositionell – mit der Forderung, die FDP dürfe sich nicht allein auf Bündnisse mit der CDU beschränken, machte er von sich reden. Er hat dies alles immer eloquent und mutig vorgetragen und obwohl ich oft nicht seiner Meinung war, habe ich es immer genossen, seinen Reden zuzuhören. Auch wenn er sich manchmal Klöpse wie den mit der “spätrömischen Dekadenz” leistete – langweilig war der Mann niemals. Man konnte sich politisch an ihm reiben und lustvoll mit ihm streiten. Am intensivsten ist er mir begegnet, als wir bei der Bundestagswahl 1994 im Wahlkreis Bonn gegeneinander kandidiert haben – er für die FDP, ich inzwischen für die Grünen. Man musste aufpassen bei ihm, er hat jede rhetorische Schwäche sofort schlagfertig ausgenutzt – und es hat uns beiden so Spaß gemacht, dass sich CDU und SPD-Kandidaten am Ende gar nicht mehr zu den Diskussionen trauten, ihre Vertreter schickten.

Sein “häßlicher Hund”

Legendär, wenn Guido seinen netten – aber nach seinen eigenen Worten “häßlichen Hund”, einen Mischling, mitbrachte und wir nach solchen Diskussionen zunächst an der Frittenbude auf dem Bonner Marktplatz standen oder zusammen im “Pawlow” der Altstadt-Punkerkreipe auf ein Kölsch einkehrten – er im Schlips unter all den gepiercten und bunthaarigen – von denen ihn viele kannten, denn er wohnte in der Nähe und die leicht verstaubte Anwaltskanzlei seines Vaters befand sich schräg gegenüber. Der alte Westerwelle benutzte noch ein Schallplatten-Diktiergerät aus den 50er Jahren!

Weitblickender, als manche dachten

Guido Westerwelle hatte eine andere Vorstellung von Liberalismus, als wir, die in den 70er Jahren mit linken Gruppen, bei Anti-AKW-Demos, Aktionen gegen Berufsverbote und in der Friedensbewegung aktiv waren. Er fand die soziale Marktwirtschaft in Ordnung und wollte junge Menschen für die FDP gewinnen-mehr nicht. Ich habe ihn nie verbissen erlebt, er hatte eher Vorstellungen davon, was er nicht wollte – zuviel Staat und Steuern – , als von einem “großen Entwurf” von Gesellschaftspolitik. Er wollte aufstreben, wo er hin wollte, das wusste er – ein umfassendes Programm, um es dort umzusetzen, wäre ihm fremd gewesen. Das kam ihm in der Opposition zugute, aber das begründete auch sein späteres Scheitern in der Regierung und als FDP-Vorsitzender. Seine Außenpoliik war außerordentlich pragmatisch – auch wenn ihn zuletzt Kritik wegen seiner uneingeschränkten Unterstützung arabischer Oppositionsgruppen traf. Seine Enthaltung im UNO-Sicherheitsrat in Sachen Libyen, in der manche einen Affront gegen die USA und die NATO sahen, war aus heutiger Sicht vielleicht weitblickender, als sich manche eingestehen wollen.

Höflicher Kampf um Anerkennung

Bei alldem blieb er immer ausgesprochen höflich – im persönlichen Umgang war er genau das Gegenteil von dem, was ihm auf der politischen Bühne nachgesagt wurde – ich habe ihn zwar eitel, aber nie arrogant erlebt. Viele seiner Parteifreunde sehen das anders, weil er ihnen zuweilen zu sehr polarisierte. Sein “Mir kauft Ihr den Schneid nicht ab” kam vielleicht schräg ‘rüber – aber es war ein typischer Guido, der gelernt hat, aus Minderheitenpositionen heraus selbstbewußt um Anerkennung zu kämpfen.

Seinen wichtigsten Kampf hat er am 18.März leider verloren. Meinen Respekt hat er schon lange gewonnen.

 

 

[1] Die “Deutschen Jungdemokraten” wurden als Jugendorganisation der linksliberalen DDP 1919 gegründet und waren mit den Jungsozialisten der SPD und den Windthorstbunden des Zentrums die einzigen Jugendorganisationen, die für die Weimarer Verfassung eintraten. Prominente Mitglieder waren Heinrich Mann, Friedensnobelpreisträger Prof. Ludwig Quidde und Marie-Elisabeth Lüders, die Alterspräsidentin des ersten Deutschen Bundestages. Der erste Bundesvorsitzende 1945 war Wolfgang Mischnick und die “Judos” waren bis zur “Wende” 1982, dem Koalitionswechsel Genschers von Helmut Schmidt zu Helmut Kohl die offizielle Jugendorganisation der F.D.P. Sie standen politisch links von den Jungsozialisten und brachten viele profilierte Liberale wie Helga Schuchardt, Gerhard Baum, Ingrid Matthäus-Maier, Andreas v. Schoeler und Irmingard Schewe-Gerigk hervor. Ehemalige Jungdemokraten im aktuellen Deutschen Bundestag sind Claudia Roth (Grüne), Christoph Strässer (SPD) und Mathias W. Birkwald (Linke).

[2] Die Jungen Liberalen wurden 1980 u.a. von Hans-Joachim Otto, Dorothee Gerwald und Guido Westerwelle gegründet. Otto wurde der erste Bundesvorsitzende. Seit 1983 sind sie Jugendorganisation der FDP.

Landtagswahlen:

Gewinner gegen die Demokratie: Die AfD

Der Super-Wahlsonntag hat die politische Landschaft in drei Bundesländern verändert und von Bundesland zu Bundesland völlig unterschiedliche, erdrutschartige Veränderungen mit sich gebracht. Das politische System in Deutschland ist nicht mehr das gleiche. Dass die AfD derart hohe Wahlergebnisse erzielte, ist eine historische Gefahr. Denn man muss in die Perspektive einbeziehen, dass die AfD trotz oder wegen der Verteilung von rassistisch-hetzerischen Machwerken wie dem “Extrablatt” zur Landtagswahl in Baden Württemberg, in dem unter der Schlagzeile “Hereinspaziert” eine Deutschlandkarte mit Pfeilen angeblich hereinströmender Migrantenmassen zeigt, gewählt wurde.

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