Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Carta (Seite 2 von 2)

Europa / Big Data / Journalismus

Es ist gelegentlich gut, wenn wir uns dran erinnern und André Wilkens auf Carta tut es: an Europa ist nicht alles schlecht. Wer hier zur Welt kam und lebt, hat, was Ort und Zeit betrifft, ziemliches Glück gehabt.
Jürgen Drommert (telepolis) hat versucht, sich individuell Big Data zu entziehen und dabei hohen Aufwand betrieben. Es geht nicht. Es ist Sache der Politik. Die wird es nicht von alleine erledigen. Es muss eine politische Bewegung organisiert werden, die der Politik – auch ganz analog – auf den Leib rückt.
Selma Mahlknecht schreibt ein gleicher Stelle ein realistisches Update zur Lage des Journalismus.

Und wenn gleich die DFB-Elf nicht gegen Kamerun gewinnt, dann kriegt hier Spiegel-online noch ordentlich einen gefegt.
Update 25.6.: 3:1; über Arroganz gegenüber Afrika-Meistern schreibe ich also ein anderes Mal.

Lokomotive China / Wer ist Macron?

Wolfgang Pomrehn versorgt uns schon viele Jahre über seine sparsames Zeilengeld zahlenden Arbeitgeber*innen telepolis und Junge Welt über volkswirtschaftliche Fundamentaldaten Chinas. Allerdings konnte weder er noch sonst jemand bisher erklären, wie ein nicht demokratisches und insbesondere in seiner Spitze extrem korruptes System in einem riesigen kaum lenkbaren Land ökonomisch doch so effizient gesteuert werden kann, und nebenbei jetzt sogar zum Weltmeister im Klimaschutz avancieren könnte.

So sehr deutsche Medien das Präsidialsystem der Türkei und den dortigen Machthaber dämonisieren, so sehr lieben sie das Gleiche in Frankreich, jedenfalls wenn es Emmanuel Macron wählen sollte. Hier ist es Bernhard Schmid, der uns seit Jahren über telepolis und Jungle World in einer angenehm differenzierten Tonlage auf dem Laufenden hält: hier über Macron.
Meine von mir sehr geschätzte Ex-Bloggerinnenkollegin Annika Joeres porträtiert in der Zeit den linken Macron-Konkurrenten Jean-Luc Melenchon.
Update 19.4.: Eine “böse Überraschung” bei Frankreichs Präsidentenwahl befürchtet carta-Autor und hauptberuflicher Campaigner Mario Münster.

USA&China / Africa-Cup&Kamerun / Hoeness / Facebook

Felix Lee beschreibt den aktuellen Stand der Beziehungen zwischen China und den USA, und erkennt dabei richtig ihre Explosivität für uns alle (taz).
Kamerun hat den Africa-Cup of Nations mit einem 2:1 im Finale gegen Ägypten gewonnen. Woran Volker Finke gescheitert war, ist einem belgischen Trainer gelungen, mit einer Mannschaft, der fast alle in Europa Geld verdienenden Stars einen Korb gegeben haben. Tragisch nur, dass die politischen und sozialen Verhältnisse dort katastrophal sind, und logisch, dass es nun nach Gabun der nächste Austragungsort werden soll.
Uli Hoeness wurde einstimmig zum Aufsichtsratsvorsitzenden beim FC Bayern gewählt. Ausgrechnet das Handelsblatt, das in Sachen Wirtschaftskriminalität nun wirklich kompetent ist, kommentiert das angemessen kritisch.
Auf dieser Seite finden Sie keine Logos von oder Links zu Facebook oder anderen asozialen Netzwerken. Natürlich kann und will ich Sie nicht daran hindern, sich dort trotzdem zu bewegen. Wenn Sie Englisch können, sollten Sie sich dann aber diese kritische Gebrauchsanweisung nicht entgehen lassen. Hier eine kurze deutschsprachige Einführung der SZ, was drinsteht. Auf Carta ausserdem ein Soziologen-Interview zur Strategie dieser organisierten Datenkriminalität.

“Leitmedien” – geht doch

Heute stellte das Politikressort der FAZ seine beiden Hauptstadtleuchttürme Sattar und Bannas endlich mal wieder online. Und wir erfahren mehr über die SPD-“Kanzlerkandidatenkür”, als wir überhaupt wissen wollen. Keine Lügen, sondern relevante Bestandteile von Wahrheit – wie relevant, und was fehlt, müssen wir als Bürger*innen immer noch selber herausfinden.
Für nicht Landeskundige geradezu grossartig, was Kai Strittmatter auf Seite 3 der SZ heute an China-Reaktionen auf Trump zusammengetragen hat, leider nicht online, sondern nur hinter Paywall, und darum hier nicht verlinkt. Strittmatter hatte schon als Türkeikorrespondent der SZ ein beeindruckendes journalistisches Werk hinterlassen.
Trump und die Medien wird heute bei Carta von Hachmeister-Mitarbeiter Till Wäscher ausgeleuchtet. Der Medienbeschimpfer ist ihr eigenes Produkt und Quell ihrer Profite, Dialektik des modernen Kapitalismus.
Noch nicht mal mit ihrem Arsch gucken hiesige Medien den Africa Cup of Nations an. Das habe ich hier schon beklagt. Einen Kurzbericht zum Stand dieses sportlich wichtigen Kontinentalturniers, inklusive angemessener Kritik an seiner politischen und kapitalistischen Instrumentalisierung heute in der Jungen Welt.

Einst: “Der Westen” – und jetzt? (Lehren aus Trump X)

Frank Stauss, ehemaliger Kampagnenberater der SPD, der diese Aufgabe öffentlichkeitswirksam beendete, analysiert auf Carta heute noch einmal die US-Präsidentschaftswahl und räumt dabei die meisten Märchen, die durch unsere Medienlandschaft geistern, konsequent ab. Solche Klarsichtigkeit ist selten geworden. Update: einen Tag später beschreibt Reinhard Wustlich in der FR die Abwrackung des “Rostgürtels”, und wie es Trump gelingen konnte, die entsprechenden Bundesstaaten zu swingen.
Ungemütlich wird es jedoch spätestens, wenn über die Konsequenzen für unser eigenes Tun nachgedacht und diskutiert wird. Dieser Aufgabe hat sich Albrecht v. Lucke, Redakteur der “Blätter” mal wieder unterzogen. Aus seiner und auch der Darstellung von Franz Sommerfeld (auch auf Carta) wird deutlich, dass “der Westen” sich auflöst. In Osteuropa ist er nie angekommen, in Frankreich, Österreich, Britannien, Italien, Niederlanden kommen die Trump-Geschwister im Geiste demnächst an die Regierungsmacht, unbeachtet sind sie es auch schon im künstlich sozial verherrlichten Skandinavien (in Dänemark, Norwegen und Finnland in der Regierung, in Schweden auf dem Vormarsch).
Plötzlich wird Exporteuropameister Deutschland politisch ganz allein. Für die deutschen Wähler*innen wird das ein Megamotiv zur Wiederwahl von Mutti Merkel, doch auch mit dieser Mutti werden die Gefahren größer. Sie wird dann auch einen roten Knopf für Atomwaffen haben wollen (Link verschwindet in einigen Tagen in ein Paywall-Archiv), um den ganzen Gefahren um uns herum angemessen und wirkungsvoll drohen zu können. Andernfalls wären “wir” (also die in Berlin) keine Weltmacht mehr, sondern nur noch ein herumgeschubster Kleinstaat.
Ich käme damit klar. Und Sie?

Müssen wir jetzt sogar die SPD verteidigen?

Harald Schumann ist einer der wenigen profilierten klarsichtigen Globalisierungskritiker im etablierten Journalismus. Er veröffentlichte nun ein engagiertes Plädoyer für die Sozialdemokratie im Tagesspiegel. Ja, ist der denn gar nicht enttäuscht? Enttäuschung muss nicht in der Verantwortung des Enttäuschers liegen, sie kann auch durch falsche Erwartungen des Enttäuschten hervorgerufen sein.
Wer in Zukunft politisch agieren will, ist auf Bündnisse mit Andersdenkenden angewiesen. Jedenfalls, wenn er oder sie zu Lebzeiten das eine oder andere politische Ziel erreichen will. Weiterlesen

Rassismus bei uns / TV-Unterhaltung tot / Duterte / Realos

Isaiah Lopaz spiegelt mit einem Kunstprojekt den deutschen Rassismus in Berlin (FAZ).
Die deutsche TV-Unterhaltung ist im Eimer, wie sie bei einer Fachtagung in Köln selbst feststellte (FAZ).
Auf den Philippinen regiert nun schon über längere Zeit ein Präsident, der ein Vorbote für Entwicklungen in vielen weiteren, großen und kleinen Staaten sein könnte, wenn wir es einfach so weiterlaufen lassen (Jungle World).
Die Grünen Realos haben “es” vergeigt, meint Franz Sommerfeld; es liest sich ein bisschen wie enttäuschte Liebe, verkennt auch die wichtige Rolle, die Jürgen Trittin bei der Durchsetzung des Präsidenten Gauck gespielt hat, ist ansonsten in der Analyse aber sicher treffend (Carta).

Lehren aus Trump (IV)

Ivo Bozic (Jungle World) sieht in der Trump-Zuspitzung den Kampf zwischen “Globalisten” und Lokalisten”, zwischen Stadt und Land, und sieht sich langfristig auf der erfolgreichen Seite. Vor Determinismus in diesem Zusammenhang sei aber gewarnt; das könnte zu einem bösen Ende führen.
Klaus Walter zeichnet im gleichen Blatt, wie die US-Pop-Elite gegen Trump den kürzeren zog. Die mehrheitlich schwarzen Popstars versetzten scheinbar die Trump-Fans so dermassen in Angst und Schrecken, dass sie sie ungewollt zur Wahlteilnahme mobilisiert haben.
Noch mehr zum Nachdenken regen heute zwei Carta-Beiträge an:
Der Erste sollte dem DFB und der DFL (Deutsche Fußball-Liga) als Pflichtlektüre demokratie-ärztlich verordnet werden; sie beziehen den Löwenanteil ihrer Milliardeneinnahmen von Rupert Murdochs Medienkonzern. Wolfgang Hagen und Hermann Rotermund analysieren, in welcher verheerenden Medienlandschaft Trump seinen Sieg erreichte. Vieles spricht hier für Klarsichtigkeit und durchdachte Strategie, also insgesamt das Gegenteil von irre. Hier sei ergänzt, dass heute der gleiche Mechanismus für die AfD glänzend funktioniert: der WDR lädt in einer Publikums-Live-Sendung zur Diskussion über Trump: den “linken Rand” repräsentiert neben dem rechten AfD-Landesvorsitzenden der NRW-CDU-Chef Laschet. Verschiebung des Diskurspektrums – “Mission accomplished”, mit unseren Gebührenzahlungen finanziert.
Ron Kellermann analysiert Trump aus der Sicht eines Dramaturgen. Welche Geschichte hat er entwickelt und erzählt? Warum wurde sie ihm geglaubt? Oder war das sogar egal? Keine deutsche Partei setzt gegenwärtig der AfD eine Geschichte entgegen; dieser Utopieverzicht ist lebensgefährlich.
Yannis Varoufakis verzichtet nicht auf Utopien, hat in Deutschland nur ein Popstar-Image, aber keine soziale Basis. Das liegt nicht nur, aber auch am verkommenen ökonomischen Diskurs hierzulande und der Allmacht, die der Figur Schäuble bei seiner offiziellen Interpretation überlassen wurde.
Ostasien ist und wird auch in Zukunft die gefährlichste Krisenregion bleiben. Schwer kontrollierbare Despoten prallen hier aufeinander, nicht nur aus USA und China, sondern auch aus Japan. Die Informationsstelle Militarisierung in Tübingen ist immer wieder ein Quell exzellenter globaler Information.

Lehren aus Trump (III)

Zum Beginn zwei prägnante Beispiele, wie es gehen kann und wie nicht. Richard Meng kenne ich schon aus seinen Juso-Zeiten in der Studentenpolitik der 80er Jahre. Er wirkte immer etwas weichgespült und wehleidig-selbstverliebt, in seiner Jugendorganisation stand er immer eher rechts, links von ihm standen seinerzeit Leute wie Gerhard Schröder oder Olaf Scholz. Das hat sich dann im Laufe der Jahrzehnte sehr verändert. Meng wurde ein anständiger, sogar bisweilen qua Sachkenntnis SPD-kritischer Journalist (Mitglied ist er bis heute), während viele Genossen von links nach rechts an ihm vorbeizogen. Ein reflektierter, nachdenklicher Typ ist er damals gewesen und bis heute geblieben, wie er mit diesem Carta-Beitrag zeigt, bei dem wir ihm lesend beim Nachdenken zuschauen können.

Jens Berger, Redakteur der Nachdenkseiten, ist ein fleißiger, konsequent-linker Typ, vermutlich schon immer gewesen. Er schreibt seit langem viele kluge Sachen. Wenn wir aber dazu hier mal das aktuellste Beispiel nehmen, so hat er einerseits nach meiner persönlichen Meinung weitgehend Recht. Doch was hilft rechthaben? Weiterlesen

There Is No Society! – Really?

Immer mehr Gutmenschen, auch ich bekenne mich dazu, rätseln über die Entwicklung unserer Gesellschaft, die Lautstärkezunahme der Rechtsextremen, und die Frage, welche Rolle die Entwicklung der Medien- und Kommunikationstechnologien dabei spielt. Die Frequenz entsprechender Veröffentlichungen ist hoch, hier eine Auswahl, bei der ich Qualität und Relevanz sehe:
– ein Gespräch mit Judith Butler in der FAS; dort wird starker Bezug auf Hannah Arendt genommen; einer der stärksten Einbrüche von Intellektualität ins Deutsche Fernsehen war ein legendäres Gespräch “Zur Person”, das Günter Gaus mit ihr geführt hat.
Zur Kulturalisierung der politischen Kämpfe hat Michael Seemann Lesenswertes bei Carta veröffentlicht, was die Jungle World nach Angaben des Autors abgelehnt haben soll. Seemann bezieht sich stark auf einen Aufsatz von Andreas Reckwitz auf Soziopolis, der ebenfalls reichlich Futter fürs Denken liefert.
Und schliesslich meldet sich Sascha Lobo heute nicht beim Spiegel, sondern bei den Blättern, und wir können ihm via Lesen beim Begreif-Versuchen zusehen.

Binäre Logik steht Medienkritik immer im Weg

Kriege entspringen immer einer binären Logik: wir oder die anderen, es kann nur einen geben, ich oder Du. Unter den ersten Kriegsopfern ist immer die Wahrheit. Sie geht schon vor Kriegen weitgehend verloren. So weit so schwierig, wenn wir uns über Prozesse und Ereignisse außerhalb unseres Blickfeldes orientieren wollen.
Eine Medienkritik, die in diesem Zusammenhang mit den Gut-und-Böse-Kategorien operiert, ist darum immer zum Scheitern verurteilt. Wie gut wäre es die vergangenen Kriege und Massenmorde aufzuarbeiten. Wenn es aber, wie hier in der Jungen Welt, darauf hinausläuft, einen “Deal” der Herren Trump, Putin und Xi Jinping zu erhoffen, was will der Autor damit seinen anderen Argumenten und Analysen antun?
Muss man sich mit autoritären Despoten in ein Boot setzen, wenn man Kriegspropaganda bekämpfen will? Nein, muss man nicht, wie seit Jahren die Telepolis-Redaktion beweist, die hier die Kontroverse über Todenhöfers letzte Aktivität referiert, ein inhaltlich ergänzender Bericht hier, und den Lesern das Urteil, anders als Carta, selbst überlässt. Danke!

Chlorhühnchen? – Bullshit!

Die FAS arbeitet sich heute fast eine ganze Seite daran ab, wie lecker Chlorhühnchen schmecken können. Daran sieht man vor allem: die Befürworter des Handelsabkommens TTIP müssen schon sehr verzweifelt sein.

Wenn es nur die Hühnchen wären, wäre das Thema wirklich lächerlich. Warum konnten so mächtige Interessen, wie die, die das TTIP wollen, allesamt teuerst bezahlte Vollprofis, nur so ein PR-Desaster anrichten? Weiterlesen

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