SKY rasiert Wirte und Fans

Von , am Donnerstag, 24. Juli 2014, in Fußball, Medien.

Kennen Sie Rupert Murdoch? Der 83-jährige hat schon Tony Blair und George Bush installieren und stürzen geholfen. Seine Medien, und er hat viele, sind berüchtigt, manche wie der US-TV-Sender und Marktführer Fox-News und das britische Boulevarblatt Sun für übelsten Kampagnenjournalismus und Hetze. Die deutsche Medienlandschaft ist im Vergleich dazu wie eine Modelleisenbahn. Doch halt: Murdoch ist auch bei uns schon im Stall. Er bezahlt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) durch seinen Pay-TV-Sender SKY.

Doch da gibt es was, was Herr Murdoch wirklich nicht verträgt: SKY macht keinen Gewinn. Seit vielen, vielen Jahren nicht. Als er Murdoch noch nicht gehörte hieß er Premiere und war mit-ursächlich für den Untergang des Helmut-Kohl-Freundes Leo Kirch, der im Vergleich zu Murdoch ein richtig sympathischer Herr gewesen sein soll (aber das habe ich nicht recherchiert, vielleicht ist das Erfindung). SKY verdient kein Geld, weil es einerseits die DFL viel zu teuer bezahlt und zweitens den Scheiss zu wenig Zuschauer abonnieren (z.Z. nur gut 3 von 85 Mio.), viel weniger als in Italien oder Britannieen – wie sagte schon Obelix?

Stattdessen gehen die deutschen Fußballfans in die Kneipe, und geben das Geld, das sie mangels SKY-Abo gespart haben, einem Wirt ihres Vertrauens und bekommen zusätzlich zu dem Fußballspiel noch ein paar Bier dazu, was ja in vielen Stadien sogar schon verboten ist.

Statt sich kundenfreundliche Gegenstrategien zu überlegen, sinnt SKY nun auf Rache für diese Unbarmherzigkeit der mündigen Verbraucher. Schon letztes Jahr wurden die Gastwirte mit Preiserhöhungen um die 50% traktiert. Zentrales Merkmal der neuen Tarife: niemand außer SKY darf sie verstehen und durchschauen (ganz wie Murdoch eben). Und zur neuen Saison sollen es nun schon wieder 30% mehr werden.

SKY will damit eine Kündigungswelle durch die Gastwirte provozieren, mit der Spekulation, dann das eine oder andere Milliönchen zusätzlicher Privatabonnenten zu bekommen. Der Fußball würde so weiter aus dem öffentlichen Raum entfernt und in private Räume verlagert – ganz so wie es die FIFA in Brasilien mit den Stadionumbauten gemacht hat (Verkleinerung der Platzzahlen, Stehplätze weg, Schwarze Zuschauer weg, keine Fans mehr, nur noch verzogene Konsumenten).

Vielen Dank auch an die DFL und unsere Fußballmillionäre, dass sie sich diesen Blutsaugern ausgeliefert haben. Und dem sympathischen Herrn Murdoch.

Und was könnten kundenfreundliche Gegenstrategien von SKY sein? Erstens akzeptieren, dass wir Fußball lieber in der Öffentlichkeit und in Gruppen schauen. Statt die Wirte zu verärgern und abzuschrecken lieber um sie werben und Qualitätsstandards vereinbaren. Solche Standards könnten z.B. Internetinfos sein, welche Kneipe welche Spiele zeigt und in Städten und Stadtteilen Arbeitsteilung zu vereinbaren, z.B. eine Kneipe zeigt BVB-S04 komplett, eine andere die Konferenz, eine sendet mit Marcel Reif, die andere nur den Stadionton, in der einen darf geraucht werden, in den meisten anderen nicht, in den Pausen und hinterher wird das Spiel analysiert, statt Werbung zu zeigen (Werbung im Pay-TV=absurd!), Mehmet Scholl statt Lothar Matthäus, Journalismus statt Schulterklopfen und Ranschleimen usw. Das würde den Streit in den Kneipen erübrigen, wer was sehen will, weil jeder vorher weiß, was er kriegt. Und das zuschauerfreundlich mit den Gastwirten vor Ort zusammen zu systematisieren, das wäre auch Geld wert!

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