Sollen wir uns nun bei Gaulands AfD bedanken? Dass sie mit ihrem dummen Geschwätz Jerome Boateng zu einem weiteren Leistungssprung provoziert haben? Wahrscheinlicher ist, dass er auch ohne die rechten Spinner erfolgt wäre.

Nach der schwarzen Celia Sasic bei den Frauen, übrigens als Kind aus Bonn gebürtig, ihre Eltern leben noch heute hier, führt nun auch bei den Fußball-Männern ein Schwarzer die Nationalmannschaft durch seinen eigenen Leistungssprung in eine Favoritenrolle für die ganze Mannschaft. Nicht nur Boatengs Volleytor nach Modric-Art war bemerkenswert. Das Tor des “Schalker Jungen” aus Gladbeck, Julian Draxler, legte ein bisheriger BVBler vor. Ein symbolischer Fußball-Frieden für das Ruhrgebiet wird in Boatengs DFB-Team gestiftet.

Bemerkenswert an Boatengs Reaktion auf die Anpisserei durch die AfD war seine zurückgenommene Coolness und Professionalität. Klug von ihm, und vielleicht auch besonders gut beraten. Fußballspieler seiner Klasse sind in der Regel Repräsentanten eines mittelständischen Unternehmens mit zahlreichen MitarbeiterInnen, insbesondere im PR-Bereich und zur Betreuung der asozialen Mediennetzwerke. Statt mit aufwändigem Politgeschwätz, wie die diversen Parteien, antwortet er schlicht und wirkungsvoll mit Weltklasseleistung in seinem öffentlichen Beruf. Auch hierin ein eindrucksvolles Vorbild für Führungsfähigkeit und -kompetenz.

Die Beispiele Sasic und Boateng zeigen, welches Emanzipationspotenzial dem (Profi-)Fußball innewohnt. Es ist makaber, dass er damit zwar eine gesellschaftliche Wirklichkeit, einen tatsächlichen Prozess abbildet, dass er dabei aber einen meilenweiten Vorsprung vor der herrschenden Politik markiert. Das ist das Tragische unserer realen Demokratie – wie langsam sie den Wirklichkeiten hinterherhinkt, und scheinbar sich selbst bremsend dabei immer langsamer wird.