Sportifizierung des Politjournalismus

Von , am Mittwoch, 11. Juli 2018, in Medien.

Der geschätzte Kollege Harald Staun, Verantwortlicher der FAS-Medienseite, veröffentlichte einige kluge Reflexionen zum deutschen Politikjournalismus der letzten Wochen. Wird er auch in seiner Redaktion gelesen? Immerhin hat die sonst eifrig mauernde FAZ-Onlineredaktion seinen Text zugänglich gestellt.
Sie sollten es aus eigenem Interesse lesen. Denn Journalismus, der sich der 1:0-Berichterstattung nähert, ist der erste, der heute schon durch Algorithmen ersetzbar ist. Die von Staun erwähnte und zitierte “Hart aber fair”-Redaktion des Herrn Plasberg sollte ebenfalls erwägen, lieber mehr zu denken als weniger, wenn ihnen ihr Arbeitsplatz lieb ist. Oder haben sie ihn gedanklich schon aufgegeben?
Für uns als Leser*innen erklärt der Staun-Text, wie wir doof gehalten werden sollen. Und die von Staun zitierte Elisabeth Wehling hat ebenfalls Recht, wenn sie davor warnt, alles bei “den Medien” abzukippen; “die Politik” ist ebenso verantwortlich. Alle werden von uns bezahlt, arbeiten aber nicht in unserem Interesse. Das unschönste aktuelle Beispiel: die ARD spart sich einige Wochen die 17-Uhr-Tagesschau zugunsten der Dopingapothekenrundfahrt. Warum nur unterhält sie parallel dazu eine “Dopingredaktion“? Hat die bei der ARD einen Status wie Herr Staun bei der FAZ? Oma und Opa dürfen aufatmen: ihre verfilmte Boulevardzeitung “Brisant” wird im Gegensatz zur Tagesschau nicht geopfert.

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