Immobilienkapitalismus, irrer

Von , am Freitag, 31. August 2018, in Politik.

Bei jedem zweiten Gespräch im privaten Freundeskreis wird festgestellt, dass der Immobilienmarkt für die meisten Mittelschichtler*innen zu einer verschlossenen Auster geworden ist. Es ist so viel Kapital, so viel privater Reichtum in Umlauf, der die Preise aufbläst, dass sie für Menschen, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen, nicht mehr bezahlbar sind.
Anderen geht es da besser, z.B. dem grössten inländischen Wohnungsunternehmen Vonovia (Vorgängernamen ohne Anspruch auf Vollständigkeit waren: Viterra, Deutsche Annington, Veba-Wohnen). Lesen Sie diesen – nicht kapitalismusfeindlichen – FAZ-Bericht und sprechen Sie die dort geschriebenen Zahlen laut und deutlich aus.
Es sind nicht nur die Mieter*innen und Wohnungssuchenden, die leiden. Die Bauern sind es auch. Unbebaute Landwirtschaft ist ebenfalls nicht mehr bezahlbar, wird alles von fetten Investmentfonds besetzt. Alles weg, auch da, wo kaum eine*r wohnt. Haben Sie von irgendeinem Bauernverband gehört, der darüber weint? Oder gar von einer Regierung, die da was gegen tut?
Laura Weißmüller, eine wirklich kluge SZ-Redakteurin, hat vor einer Woche genau die richtige Frage formuliert: “Gemeinschaftlich oder neoliberal – wie wollen wir leben?”
Update abends: Robert Kaltenbrunner vom Bonner Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (der Server des Bundesamtes war heute “not available”, darum nur Wikipedia-Link) hat exakt zu Weißmüllers Fragestellung heute Kluges bei telepolis veröffentlicht.
Update 1.9.: Nur für Zahlungskräftige und -Willige berichtet die FAZ hinter Paywall über die “satten Kursgewinne” von Immobilienaktien im Angesicht von Wohnungsknappheit und steigenden Mieten. Wer nicht zahlen kann und will, soll nicht unnötig empört werden ;-)

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