Gestern wurde gemeldet, das Bundeskartellamt habe ein Bussgeld von 16 Mio. gegen den Kölner Zeitungsverlag DuMont-Schauberg verhängt, wegen verbotener Kartellabsprachen mit dem Bonner General-Anzeiger. Im Zeitraum von 2000 bis 2016 haben beide Häuser Gebietsabsprachen getroffen, sich gegenseitig keine Konkurrenz zu machen, und konnten so zu Monopolbedingungen wirtschaften.
Für den Laien sieht das wie konsequentes Handeln des gestrengen Kartellamts aus. Hinter dem Vorhang stellt es sich anders dar. Solche Kartellabsprachen, das weiss in der Medienbranche “jedes Kind”, sind bundesweit gebräuchlich. Es gibt dafür eine eigene Organisation, in der das geregelt wird: den Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger (BDZV). Was er will, wird in der Regel von Bundes- und Landesregierungen ausgeführt, gerne auch auf europäischer Ebene. Selbstverständlich lassen seine Mitglieder sich illegale Absprachen nicht nachweisen; sie sind ja nicht blöd. Obwohl …. aber nein, jetzt nicht abschweifen.
Wie konnte es im Köln/Bonner Fall zu diesem Nachweis kommen? Der Bonner General-Anzeiger stellte sich als “Kronzeuge” zur Verfügung, um straffrei zu bleiben. Er verpetzte DuMont, weil er sich mit dem 2016 verkracht hat. Die General-Anzeiger-Besitzerfamilie Neusser verkaufte vor kurzem den ganzen Laden nicht an den bösen, grossen Nachbarn DuMont, sondern an dessen katholische Erzfeinde in Düsseldorf, die Rheinische Post. Und was konnte jetzt für die ein schöneres Fest sein?
Der medienpolitische Dienst Meedia (hg. vom Holtzbrinck-Konzern) veröffentlichte vor ein paar Tagen eine Liste der deutschen Medienmilliardär*inn*e*n. Ich muss Abbitte tun: manche sind gar keine, sondern nur Multi(Einser)-Multi(Zehner)-Multi(Hunderter)-Millionär*inn*e*n und in der Spitze mehrere Ladies. Familie Neusser ist nicht dabei. Wenn schon die Erbengemeinschaft Brost beim Ausstieg aus dem WAZ-Konzern (heute: Funke-Mediengruppe) nur eine halbe Milliarde rausholte, wird es bei den Neussers einiges weniger gewesen sein. Die Sorgen möcht’ ich haben? Nee, nicht wirklich. Superreiche sind ganz arme Wichte – allein mit welchen Arschlöchern die sich täglich umgeben müssen, all die Banken und Vermögensverwalter. Das wollen Sie und ich nicht wirklich.