An diesem Wochenende ist Grünen-Parteitag. Merkwürdig wenig wird in der Öffentlichkeit Notiz davon genommen. Zu meiner aktiveren Zeit hatte die Veranstaltung spektakel-ähnlichen Charakter. Ein bis zwei halbwichtige Streitthemen wurden in den Medien und von grünen Spindoktor*inn*en zu Entscheidungsschlachten hochsterilisiert. Karrierebedürftige Persönlichkeiten nutzten das um sich zu zeigen.
Ich weiss nicht, ob den Grünen das dieses Wochenende noch gelingt. Mit Sicherheit wird das Parteitagsfoyer und seine Nebenräume ein grosser Marktplatz sein, auf dem vermutlich interessantere Gespräche geführt werden, als im Plenarsaal. Ich hätte dazu wieder einen Themenvorschlag.
Das ZDF-Politbarometer hat heute neben der traditionellen “Sonntagsfrage” weitaus interessantere Daten zur “politischen Stimmung”. Die ergeben – selbstverständlich nur rechnerisch – zum ersten Mal seit dem März 2017 – für die Jüngeren: das war die Zeit des “Schulz-Zuges” – eine Mehrheit für Grüne, SPD und Linke (in der aktuellen Reihenfolge ihrer Grössenordnung).
Erneut stellt sich das Problem, dass diese Daten mit keinerlei inhaltlichem, gesellschaftlichem Diskurs verbunden sind. Das ist und bleibt ein grosses Versagen der politischen Klasse von Parteien und Organisationen. Sehr wohl spiegelt sich dort aber eine gesellschaftliche Entwicklung dieses Jahres, die in den politischen Parteien keine Repräsentation mehr für sich sieht.
Das wäre nun die vornehmste politische Aufgabe für eine Partei, die sich einst mit sowas identifiziert hat, und die heute im Begriff ist, Ambitionen auf politische Führung zu entwickeln. Wohlgemerkt geht das weit über das Erörtern von Koalitionsspekulationen hinaus.
Schaffen die Grünen es noch, solch ein Niveau zu erreichen? Sicher bin ich mir nicht.