Big Data mit unseren Krankenakten?

Von , am Dienstag, 4. Dezember 2018, in Beuel & Umland, Politik.

Viele meiner Bekannten hören das zum ersten Mal, dass es Menschen gibt, die tatsächlich vorhaben alle Gesundheits- bzw. Krankendaten zentral zu speichern, bundesweit und von allen gesetzlich Versicherten. Wo und wie genau, scheint noch unklar zu sein – ob in einer Cloud oder auf einem Server. Darüber gibt es noch keine eindeutigen Informationen. Dieser Pharmalobbyist der uns zur Zeit den Bundesgesundheitsminister gibt, also dieser rechtsextreme Jens Spahn, erzählt jedenfalls dort wo es nicht alle hören etwas von „Big Data.“ Wäre ja auch praktisch für die Pharmaindustrie.
Jedenfalls fordert Jens Spahn sogar in Presserklärungen man müsse die “Herausforderungen bei Big Data und Pflegefachkräften gemeinsam angehen.”

Sehr viele Ärzt*inn*e*n wollen nicht mitmachen

Dass die Pharma- und überhaupt die Gesundheitsindustrie unsere Daten bekommen soll, wird so nicht gesagt. Die Rede ist vielmehr von „Forschung“, für die Daten zur Verfügung stehen sollen. Aber wer macht denn hierzulande diese Forschung bzw. wenn sie denn an den Universitäten stattfindet, wer bezahlt sie? Richtig, die an den Ergebnissen „ihrer“ Forschung interessierte Industrie. Die aus der Sicht der Patienten vollkommen überflüssige Datensammlung und Verwaltung findet bisher jedenfalls bei den meisten Ärzten und ganz besonders bei den Psychotherapeuten wenig Zustimmung. Einerseits kostet sie der Anschluss an die „Telematik-Infrastruktur” (abgekürzt TI) richtig Geld, andererseits liefern sie, indem sie sich dem System anschließen, eine weitere Möglichkeit, sie zu kontrollieren. Wer mag das schon – noch mehr überwacht und kontrolliert zu werden und das auch noch selbst zu bezahlen? Folglich sind bisher noch keine 70 Prozent so vernetzt wie die Krankenkassen, die Kassenärztliche Vereinigung und der Bundesgesundheitsminister dies verlangen. Wer nicht mitmacht, sollte eigentlich bereits am 1. Januar 2019 mit einer Strafe in Höhe von einem Prozent seines Umsatzes bestraft werden. Dass die Ärzte nicht wollen, wird verschwiegen. Auf eine Anfrage bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bekam ich diese Antwort:
„Aufgebaut wird die TI von der gematik – der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte.
Hinter der gematik stehen der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-SV), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Bundesärztekammer (BÄK), die Bundeszahnärztekammer (BZÄK), der Deutsche Apothekerverband (DAV), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV).
Die Anschlussfrist für Praxen an die TI ist auf den 30. Juni 2019 verlängert worden. Nicht alle Praxen konnten bislang einen sogenannten Konnektor – ein Teil der Komponenten, die für die Anbindung an die TI nötig sind – bestellen, da noch nicht alle Hersteller eine Zulassung für ihr Gerät erhalten haben.
Nach derzeitigem Stand gehen wir davon aus, dass bis Jahresende maximal ein Drittel der rund 150.000 Arzt-, Psychotherapeuten- und Zahnarztpraxen an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sein werden.”

Kollegennetzwerk Psychotherapie

Einer, der den Widerstand gegen die ganz dicke Gesundheitsakte mobilisiert hat, ist der Bonner Psychotherapeut Dieter Adler. Einer von rund 10.000, die sich zu einem „Kollegennetzwerk Psychotherapie“ zusammen geschlossen haben und neben anderen ihren Beruf betreffenden Themen sich auch gegen Spahns „Big Gesundheits-Data“ engagieren.
Adler verdeutlicht das Problem auch aus Patientensicht und schreibt: „…Zwar muss ein Patient einwilligen, bevor Daten im Netz gespeichert werden können. Doch hat er einmal in einer Praxis zugestimmt, gilt dies für jede Praxis, die der Patient künftig aufsucht. Kurz: jeder Arzt kann die Unterlagen aller anderen Behandler einsehen. Doch genau das könnte ein wesentlicher Streitpunkt sein. Bisher konnten Patienten selbst steuern, welcher Arzt, welche Daten von anderen Behandlern zu Gesicht bekommt. Oft zum Ärger von Ärzten, weil sich Untersuchungen verzögern konnten, wenn Unterlagen von anderen Ärzten gefordert werden mussten. Dennoch behielt bisher der Patient die Verfügungshoheit über seine Daten…“ Damit wäre dann Schluss.
Zum Weiterlesen gibt es noch einen Text auf Telepolis zum gleichen Thema von Annette Hauschild und mir.

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