Weiter unten: Europa und deutsche Aussenpolitik
Wer sich heute in ein Thema tief eingräbt, es im Sinne des Wortes durchdringt, gerät zunehmend in die Gefahr paranoid zu werden. So ist es wohl auch dem Stern-Redakteur Arno Luik ergangen, der sich über Jahrzehnte in das Thema “Stuttgart 21” eingegraben hat, und zwar lange vor den Tunnelbohrmaschinen der Firma Herrenknecht, grossartig der Name, in diesem Zusammenhang. Luiks Interview in der Kontext-Wochenzeitung ist das passende ernsthafte Gegenstück zum amüsanten Anstalts-Abend.
Sein führendes Feindbild scheint der beliebteste Grünen-Politiker der Republik Winfried Kretschmann zu sein. Die Charaktere der Herren und ihre Entwicklung stellen sich als Gegensatzpole dar. Luik hat sich am Thema S21 in seiner Politik- und Weltsicht radikalisiert. Wie anders der Ex-Maoist Kretschmann! Beim jungen missionarischen Maoisten fiel wohl irgendwann der Groschen, dass es für ihn nicht gut ausgeht, wenn er so weitermacht. So konvertierte er zum Gegenteil. Ist aber der gleiche Kerl. Und wie heisst es so schön in Politik und Religion: “Konvertiten sind immer die Schlimmsten!”
Es geht hier aber nicht um zwei gegensätzliche Bekloppte. Was Luik beschreibt, ist leider ein Paradigma für den aktuellen Zustand deutscher, bürgerlich-demokratischer und kapitalistischer Politik. Und kann keinesfalls so bleiben.

An die Entstehungsgeschichte der Europäischen Union mit ihren organisatorischen Vorläufern nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert Jan Pehrke/telepolis.
Eric Bonse, in meinen Augen der informativste und beste deutsche Brüssel-Korrespondent, beschreibt in seinem Blog, wie hilflos sich der deutsche Bundesaussenminister wieder selbst in Sackgassen manövriert hat.