Fussballpolitik, grosse und kleine

Von , am Samstag, 2. Februar 2019, in Fußball.

Asienmeisterschaft, Fifa-Kriminalität, deutsche Selbstzufriedenheit und Feuer in der Vierten Liga
Weitgehend unbeachtet von deutscher Öffentlichkeit hat am Freitag Katar die Asienmeisterchaft gewonnen, und zwar in fussballerisch langweilig-überlegener Manier. Wie haben sie das gemacht? Notwendige Bedingung war gewiss die unbegrenzte Verfügungsmacht über Kapital. Dass es hinreicht, dafür war auch radikal konsequente, wissenschaftsbasierte Fussballerausbildung erforderlich. Dafür wurde schon vor über 10 Jahren ein damaliger Jugendtrainer von Barca abgeworben. Der grösste und beste Fussballverein der Welt hat schon seit langem besondere Beziehungen zum feudalen Sklavenhaltergesellschaftsstaat.
Ronny Blaschke berichtete schon vor dem AM-Finale sachkundig, wie es so weit kommen konnte.
Glenn Jäger streifte wieder für die Junge Welt durch Bonn, auf der Suche nach TV-Übertragungen.
Hier der dpa-Spielbericht vom Finale.

Wer Asien ignoriert wird dumm aus der Wäsche gucken

Die Asienmeisterschaft war nach Ansicht mancher Beobachter sportlich zweitklassig, Beobachter-Arroganz nicht ausgeschlossen. Politisch und ökonomisch war sie aber zentral. Die wichtigsten Finanziers des Weltfussballs sind arabisch und chinesisch. Asien bringt ausserdem viele Stimmen auf die Waage eines Fifa-Kongresses. Wenn also deutsche Verlage und Sendeanstalten weder Personal, Geld, noch Grips investieren, um uns über dieses Geschehen zu informieren, sagt das wahrscheinlich mehr über die Qualität deutscher Aussenpolitik aus, als es der Sprechautomat Heiko Maas kann. Jürgen Trittins Beobachtungen können dann nicht mehr überraschen.

Infantino – kriminell, aber schlauer als die ganze Uefa

Emsig arbeitet die engagierte Sportredaktion der SZ daran, die Wiederwahl des Gangsters Gianni Infantino an der Fifa-Spitze zu verhindern. Es wird jedoch vergeblich bleiben, wenn dahinter keine Strategie für eine politische Alternative steht. Was macht der DFB? Was macht die Uefa? Wo sind ihre globalen Bündnispartner*innen zur Rettung des Fussballs als Volkssport? Nichts davon.

In der Vierten Liga, von Bonn bis Oberhausen, brennt es – in Dortmund und München streicht mann sich nur den Bauch

Stattdessen produzieren sie eine geldsäckige Selbstzufriedenheit inkl. Anwanzjournalismus, dass ich mir schon die Nase zuhalten muss. Und merken noch nicht einmal, wie sich unter ihrem eigenen Arsch neue, kleine Feuerchen in der Vierten Liga zu grossen ausweiten. Geht Ihnen am Arsch vorbei. Na dann ist ja alles gut. Deutschland, sein Fussball, seine Aussenpolitik: reich und doof.

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