OB, CDU, Stadtverwaltung, SWB, General-Anzeiger
Sie sind für die “Beschleunigung der 66” angeblich zu allem bereit: Friedhof planieren, Häuser abreissen. Nur damit die 66 schneller vorankommt, und Fussgänger*innen und Radfahrer*innen total klimafreundlich in Beuel ein neues Paradies vorfinden: die St. Augustiner Strasse. Die diesen billigen Trick kopieren, haben bis heute nicht verwunden, wie doof sie sich bei der Sanierung der Kennedybrücke angestellt hatten. Jetzt üben sie Rache.

Die 66 an einem normalen Freitagmittag

Ich hatte heute mal wieder eine Testfahrt mit der 66, schlechtes Wetter, keine Lust aufs Fahrrad, kalt, dunkel, Wind, Regen. 2 Euro für 2 Haltestellen – vom Adenauerplatz zum Stadthaus. Ich habe mitgezählt: auf dieser Kurzstrecke gab es 7 Ampelstops. Die Summe der Haltestops (1. Rathausstr., 2. Haltestelle Adenauerplatz, 3. vor der Kennedyrücke, 4. Kreuzung Suttnerplatz/Belderberg, 5. Haltestelle Suttnerplatz, 6. Wilhelmstr., 7. Kreuzung Stadthaus) übertraf deutlich die Netto-Fahrzeit, obwohl in der die lange Kennedybrücke inklusive war. Ohne die Brücke hätte ich die Reisegeschwindigkeit der Bahn auch zu Fuss erreichen können (vom Fahrrad ganz zu schweigen). Warum diese Quälerei der Fahrer*innen und Fahrgäste? Weil sich politische Führung und Verwaltung dieser Stadt nun schon seit mehreren Jahrhunderten, dem 20. und dem 21., weigern, den Bahnpilot*inn*en eine Ampelvorrangschaltung ins Cockpit zu legen. Lieber machen sie Fussgängerampeln weg. Das zentral softwaregesteuerte Ampelsystem der ganzen Stadt würde sonst zusammenbrechen, sagen sie, das darauf programmiert ist, den Autoverkehr so flüssig zu halten, wie es nur geht. Dass es in Anbetracht zu vieler Autos, die keineswegs von Staus gequält werden – der sind sie bekanntlich selbst – nicht möglich ist, weiss in Bonn mittlerweile jede*r. Jedes Kind jedenfalls, bei den Erwachsenen sind dagegen Zweifel erlaubt.
Tatsache ist: um dieses Problem der 66 zu lösen, muss weder ein Friedhof planiert, noch müssen Häuser abgerissen werden. Die, die die Verfügungsmacht darüber haben, wollen es halt nicht. Wenn uns das nicht passt, müssen wir sie auswechseln.

Zufälle

Zufällig ist es nun so, dass ein Wohnungspolitikexperte der CDU-Stadtratsfraktion, der, als ich ihn zuletzt persönlich traf, noch meinte, in Bonn gebe es “keine Wohnungsnot”, selbst, oder über seine verzweigte Familie, zwei der abzureissenden Häuser, die zudem bereits leer stehen sollen, besitzen soll. Habich nicht gesehen, aber habich gehört (es ist nicht Guido Deus). Zufällig macht der Mann was-mit-Immobilien beruflich. Experte, kennt sich halt gut aus. Solche Zufälle gibt es auch in Städten, die weit grösser sind als Bonn. Und anders als in Köln erregt das in der Regel überhaupt kein Aufsehen. Warum auch? Wurde immer so gemacht. Machen doch alle so (ähnlich). Als ich meine Wohnung kaufte, war schliesslich auch der Ex-OB-Daniels (CDU) der Notar, der mir den Kaufvertrag vorlas (1999). Is doch nix dabei. Ist der Friedhof erst mal angeknabbert, verliert die Katholische Kirche sicher auch die Lust an seinem kümmerlichen Rest. Und schauen Sie ihn sich an, das Dreieck St.Augustiner/ Kreuzstr. / Combahnstr. – ist das nicht ein superjeiles Grundstück? Verkehrsgünstig gelegen, alles was der Mensch braucht in unmittelbarer Nähe … Und ist die Kirche nicht in furchtbarer Geldnot?
Um uns das schmackhaft und gefällig zu machen, haben sie dem Herrn Willcke vom GA eine bildschöne Zeichnung zur Verfügung geschenkt (sichtbar nur in der Printversion), auf der zu sehen ist, welche Gemütlichkeit die zukünftige St. Augustiner Str. mit ganz wenig Autos (Abgase sind nicht eingezeichnet, die sind ja unsichtbar) in Zukunft ausstrahlen wird. Die Meter über Meter Überbreite – alles nur für die 66, die Fahrräder und die Fussgänger*innen. Mglw. entsteht da ein regelrechtes Orts- und Vergnügungszentrum. Wenn nicht die Autos immer noch durch wollen, insbesondere, wenn erst der Tausendfüssler (ob mit oder ohne Radweg) und dann die Nordbrücke neu gebaut wird. In der Summe wird das über 10 Jahre dauern, mindestens, jede Wette.

Die Karl-Uckermann-Brücke

Der Trick wurde damals beim Neubau der Kennedybrücke angewandt. Damals waren CDU und SPD die Dummen, die regierten. Nur der seinerzeit oppositionelle Grüne Karl Uckermann hatte es erkannt, und klugerweise den Mund gehalten. Die von ihm geführte Grüne Stadtratsfraktion verzichtete auf jedes Triumphgeschrei, zugunsten von stillem Genuss. So wurde die Kennedybrücke so gebaut, wie es die grüne Opposition wollte – “Variante Ck”, gezeichnet mit vier Autos nebeneinander ;-)). Das hatte Klasse, und dafür beissen die damaligen Grosskoalitionäre heute noch in Tischkanten, wenn keiner zuguckt. Jetzt rächen sie sich halt umgekehrt und hoffen, nicht ganz unrealistisch, dass es genug Doofe in Stadtrat und Bezirksvertretung gibt, die, genau wie sie damals, nichts merken.
Vielleicht fällt den Kommunalpolitiker*inne*n ja doch noch ein bisschen Hirn vom Himmel in den Kopf. Ist ja bald Weihnachten.