Nele Günther liest Anstalten und Verlagen die Leviten
Frau Günther ist Studentin an der Hochschule der Medien in Stuttgart. In einer DLF-Diskussion “Wie dem Journalismus das Personal ausgeht” setzte sie gestern Abend die Höhepunkte: mit ihrem unbarmherzig realistischen Bericht aus der Praxis einer nichtangestellten “freien” Mitarbeiterin, die sich in der Hierarchie von Lokalredaktionen immer ganz hinten anstellen musste. Dieser Bericht stellte den aktuellen Ruin deutscher Medien sachgerecht aus.
Lutz Hachmeister interpretierte Günthers Bericht zutreffend als Kardinalfehler der Medienbranche: die potenziellen Talente werden in ihrer kreativsten und engagiertesten Lebensphase so ausgesucht scheisse behandelt, dass wir als Öffentlichkeit uns über das, was unten rauskommt, nicht mehr wundern müssen. Die, die die praktische Produktion leisten, die zahllosen “freien” Mitarbeiter*innen sind, egal ob bei öffentlich-rechtlichen Anstalten oder milliardärseigenen Verlagskonzernen, die, die ganz unten sind.
Die etwas glücklichere Nora Frerichsmann forderte etwas, was gleichzeitig fernab der aktuellen Realität liegt: die Arbeitgeber müssten sich aktiver um Talente bemühen. Wahr gesprochen. Tatsächlich ist die Not so gross, dass sie sich das professionelle und globalisierte Talentscouting professioneller Fussballvereine abgucken müssten. Von nichts sind sie weiter entfernt.
Eine aufklärerisches Gespräch, hier zum Nachhören (knapp 45 Min.).