Metapher für eine grüne Wahlniederlage – “Entscheidend ist, was unten rauskommt” (zit. angeblich Helmut Kohl) – “Vom Ende her denken” (angeblich Angela Merkel)
Sieben oder acht Jahre war sie abgeschaltet. Vor wenigen Tagen hatte ich es hier das letzte Mal beklagt. Und nun ging sie wieder ein paar Tage. Nur um in Kürze wieder abgeschaltet zu werden. Ein klitzekleines Lehrstück über politische Öffentlichkeit.
Die Öffentlichkeit existiert nicht mehr. Sie segmentiert sich immer weiter in wenige gernegrosse und zersplitterte kleine Teile (frische Daten aus den USA hier). In Beuel gibt es nur wenige Öffentlichkeiten, die grösser sind, als eine Ampel am Konrad-Adenauer-Platz. Spontan will mir gar keine einfallen.
Vor 7 (oder sind es schon 8?) Jahren kam irgendjemand in der von einem CDU-OB geführten Stadtverwaltung (oder den Stadtwerken?) auf die Idee, dass Strassenbahnen und Busse, die aus der Friedrich-Breuer-Strasse kommend in die City wollen, ein paar Sekunden Fahrzeit einsparen können, wenn die Fussgängerampel von der von-Sandt- zur Gottfried-Claren-Strasse abgeschaltet würde. Die Fussgänger können ja den nahen Umweg über die Sankt-Augustiner-Strasse nehmen, über die sie zwar nicht Sekunden, aber Minuten länger benötigen, um ihre Ziele zu erreichen. Sind Fussgänger*innen Wähler*innen? Jedenfalls nicht so laut, wie die in den rollenden Blechkisten mit Abgasausstoss.
Letztere bekommen von der zentral gesteuerten Ampelsoftware im ganzen Stadtgebiet “grüne Wellen”, bzw. einen Versuch dieses Namens. “Grüne Wellen” für Fussgänger*innen sind dagegen schon auf breiteren Strassenübergängen unbekannt. Stattdessen soll in der Fahrbahnmitte 1 1/2 Minuten tief eingeatmet werden, zugunsten der Rentenversicherung … Ampelvorrangschaltungen für Bahnen und Busse sind zwar seit 50 Jahren technisch anwendbar. Aber nicht in Bonn. Und schon gar nicht in Beuel.
Minderinformierte Wähler*innen könnten 2020 nach einem Wahlsieg der lokalen Grünen gehofft haben, dass sich daran was bessert. Ich habe hier mehrfach daran erinnert. Und auch persönliche Gespräche mit dem gleichen Guido Pfeiffer geführt, der sich hier sogar erfolgreich für die Wiedereinschaltung o.g. Ampel eingesetzt hat.
Der Haken daran, und die Lehre, ist nur: er war zuvor mehrere Jahre der Beueler Bezirksbürgermeister, und zuvor Fraktionsvorsitzender in einer Mehrheitskoalition. Damals hat er mir zutreffend vorgetragen, dass er als Bezirksbürgermeister zu wenig Durchsetzungskompetenz besitze. Obwohl: im Stadtrat bestand eine ähnliche Mehrheit. Und an der Spitze der widerspenstigen Stadtverwaltung regierte eine grüne OB.
Nun regiert wieder ein CDU-OB. Und die Ampel wird – nur ein paar Tage – wieder eingeschaltet. Mir wurde in diesen Tagen in persönlichen Gesprächen vorgetragen, dass das alles die Grünen durchgesetzt hätten. In irgendeinem digitalen Konzernnetzwerk soll ein grüner Aktivist ein Video hochgeladen haben, das das Fussgängerverhalten dokumentierte. Das habe die lokale Monopolzeitung (Bericht digital eingemauert) und dann auch die Stadtverwaltung so beeindruckt, dass die plötzlich funktioniert haben.
Gut und schön. Aber wer weiss davon? Die Mehrheit ist alt, und noch älter als ich. Die sind auf datenkriminellen Netzwerken nicht unterwegs. Eine 2/3 Mehrheit der Bonner*innen liest auch das Lokalblatt nicht, sie haben es noch nicht mal ungelesen in der Altpapiertonne. Wie viele von dem Drittel, die es im (teilweise digitalen) Briefkasten haben, lesen einen entsprechenden Bericht im Lokalteil? Mikroskopisch kleine selbstreferentiell-“informierte” Kreise.
Über die Strasse müssen sie alle. Gut behandelt fühlen sie sich nicht. Und Gefühle sind wichtig, zunehmend politisch entscheidend. Nicht alles daran ist schlecht. Mehr dazu auch hier. Es ist kompliziert. Und wird noch komplizierter. Für die CDU und SPD “zu komplex”. Eine Chance für alle andern.
PS: Hat sich eigentlich irgendjemand darum gekümmert, wie viel davon in Beuel ankommt?

Schreibe einen Kommentar