Olympia: in NRW sagt eine kleine Minderheit “Ja, ich will!” – Medien und Politiker*innen schmerzfrei

Schon bei weit wichtigeren Parlamentswahlen kranken Berichterstattung und Diskurs an der Frage der Wahlbeteiligungen. Bei Bürgerentscheiden sind die Quoren bewusst niedrig angesetzt, um Bürgerinitiativen von der Basis bessere Chancen zu geben. Beim Politiker-Placebo “Olympia” geht es andersrum, von oben nach unten: die Stadträte beschlossen die Abstimmung, und haben nun eine Auskunft bekommen, wie viele die Frage interessiert. Nicht viele.

In Köln sollen begeisternde 57% einverstanden sein, dass die Stadt mit noch mehr Bauskandalen gepflastert und mit noch mehr Gentrifizierung unbewohnbar wird – mann gönnt sich ja sonst nichts. Abgestimmt haben 41% (in den Ruhrgebietsstädten noch weit weniger, suchen Sie mal die Angaben selbst, es ist mühselig; laut dem Propagandisten MP Wüst soll die Gesamtbeteiligung in 17 teilnehmenden Städten sogar nur 32% betragen). Das ergibt in Köln eine “Olympia-Begeisterung” von unter 25% der Stadtbevölkerung.

Kommunal- und Landespolitik, sowie eingebettete Medien, deren Geschäftsmodell selbstverständlich mehr Spektakel und nicht weniger ist, sind da ganz schmerzfrei. Wie beim Gesamtzustand von Demokratie und Öffentlichkeit.

Olympische Spiele kranken an einem Mangel an Bewerbungen aus demokratischen Systemen. Weltweit ist ihr Geschäftsmodell – Fifa und IOC unterscheiden sich da nicht – bekannt: Ausplünderung öffentlicher Kassen zugunsten von Investorenmonopolen. Auch hierzulande ist das so bekannt und gewöhnlich, dass es schon kaum noch Protest auslöst. “Die machen ja doch, was sie wollen” denkt die Mehrheit, als sei es schon eine Diktatur. Ist es nicht.

Die Chance für Köln und NRW (und Hamburg, München und Berlin) ist nun, dass das mafiöse IOC lukrativere Bewerbungen von feudalistischen Menschenrechtsverbrechern bekommt. Diese Wahrscheinlichkeit ist um ein Vielfaches höher, als deutsche “Olympiabegeisterung”.

Aber was machen wir mit diesem schmerzfreien selbstreferentiellen Politik- und Mediensystem in unserem Land? Merken die garnichts mehr?

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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