Die Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt und Wiesbaden steht im Verdacht der Korruption. Eine AWO-Chefin mit einem Jahresgehalt von € 344.000 muß verwundern. Dass sie öffentlich damit prahlt, wen sie gerade entlassen hat, und die Tatsache, dass ihr Ehemann Geschäftsführer der AWO Frankfurt ist, ein weiteres Mitglied der Geschäftsführung, das über 340.000 € Jahresgehalt kostet und daneben noch Berater, mit ebenfalls € 370.000 Beraterkosten. Peter Feldmann, Frankfurter Oberbürgermeister, ist tief verstrickt. Seine Frau, Leiterin einer Kita, wurde nicht nur nach wenigen Jahren mit der höchstmöglichen Gehaltsstufe besoldet, inklusive geldwertem Vorteil durch einen Dienstwagen. Die Dienstwagenpauschale für den Jaguar des Geschäftsführers lag höher, als manches Gehalt von Pflegepersonal.

Sozialdemokratische Unternehmen und Verbände sind in besonderer Weise verpflichtet, auf ihre Glaubwürdigkeit zu achten. Was in den 70er Jahren mit dem co-op Skandal und der Pleite der “Neuen Heimat” Skandale produzierte, scheint sich nun in Hessen in ungeahntem Ausmaß zu wiederholen. Die Familie Richter, – er Geschäftsführer der AWO Frankfurt, – sie – Geschäftsführerin der AWO Wiesbaden, gründen ein Tarnunternehmen in Großbritannien, Geschäftsführerin die Ehefrau, Aufsichtsrat der Ehemann, deren Funktion es ist, sich gegenseitig überhöhte Rechnungen mit Aufschlägen zu stellen und zu bezahlen. Die Flüchtlingskrise bietet Anlass für vielfältige Aktivitäten: Ein Makler wird eingeschaltet, als 2015 ein Gebäude als Flüchtlingsunterkunft gekauft wird, obwohl der Verkäufer der AWO bekannt ist, und der nicht als solcher offiziell registrierte Vermittler steckt angeblich eine Viertelmillion Provision ein, die die Stadt Frankfurt bezahlt.

Ich selbst habe die AWO Niederrhein anlässlich der Prüfung des Einbaus eines BLockheizkraftwerkes zur ökologischen Modernisierung eines Altenwohnheims kennen gelernt. Ich habe sie vor Ort als einen ausgesprochen attraktiven und  angenehmen Verein der Selbsthilfe erlebt – man könnte auch sagen: Die SPD-Altenorganisation – sehr politische, meist erstaunlich liberale und linke Menschen, ein Altersheim ohne ein einziges Kreuz an der Wand, aber viel Kultur- und Bildungsangebote – interessierte Menschen, gelebte Solidarität. Vor allem auch, weil diese Organisation von Spenden der eigenen aktiven Mitglieder lebt. Menschen, die der gemeinsamen Sache nahe sind, Menschen, für die bürgerschaftliches Engagement bis ins hohe Alter gegen Egoismus steht. Werte, die selten werden, im real existierenden Neoliberalismus.

Das liegt sicher am hohen Stand der Ehrenamtlichen, junge und ältere Menschen, die die ganz Alten besuchen, unterhalten, ernstnehmen und ihnen auch helfen. Eigentlich ein Superkonzept, das in der Regel ohne die manchmal inzwischen im Pflegebereich üblichen Dumpinglöhne auskommt, weil eben die Ehrenamtlichen manche Lücke füllen. Aber jetzt steht das Konzept auf dem Prüfstand und die Glaubwürdigkeit eines Stücks sozialdemokratischer Geschichte kurz vor dem Abgrund. Natürlich kann es immer wieder vorkommen, dass in einer Selbstorganisation der Wohlfahrtsverbände etwas schiefläuft. Korruption und mafiöse Strukturen gepaart mit übelsten Praktiken von Heuschrecken sind geeignet, die besten Ideen von 130 Jahren Arbeiterbewegung zu zerstören. Das ist keine Frage der Partei, sondern eine an den Zustand unserer Gesellschaft – gibt es noch Bereiche, vor denen Korruption und neokapitalistische Gier halt machen? Tun wir solidarisch was dagegen!