In einer Mischung aus neugierigem Aha und melancholischem Schade hatte ich die Meldung vom bevorstehenden Abschied von Uwe Lyko / Herbert Knebel und Wilfried Schmickler aus den WDR-Mitternachtsspitzen aufgenommen. Wie beim WDR ├╝blich fehlten alle wichtigen Informationen. Warum? Was haben die beiden vor? Als solle das gef├Ârdert werden, wurde und wird breiter Raum f├╝r Spekulationen gelassen. Dann kam Corona.
Und eine der guten Seiten des Virus ist, dass wir altgewordenen Mitternachtsspitzen-Fans uns erstmal nicht umgew├Âhnen m├╝ssen. Im WDR-Videotext (S. 315) heisst es heute: “Amders als angek├╝ndigt bleiben die beiden dem Ensemble der Mitternachtsspitzen bis zum Jahresende erhalten.”
Nun zu meinen Spekulationen. Uwe Lyko ist (wie Wilfried Schmickler auch) jetzt so alt, wie seine Kunstfigur Herbert Knebel es schon all die Jahrzehnte war: im Rentneralter. Da, wo ich auch bin. Da f├Ąngt mann an, an die Zukunft zu denken. Die WDR-Mitternachtsspitzen waren f├╝r die K├╝nstler*innen wie f├╝r das Publikum eine sch├Âne Gewohnheit. Ich habe mich immer drauf gefreut, bis heute.
K├╝nstlerisch innovativ, das m├╝ssen allerdings wohl auch fast alle zugeben, waren sie schon l├Ąngere Zeit nicht mehr. All die Mitglieder ihres festen Ensembles waren und sind gegen├╝ber ihren Berufskolleg*inn*en, jetzt in der Coronakrise noch mehr als zuvor, aufs angenehmste privilegiert. Ein relevanter Teil ihres Einkommens und eine regelm├Ąssige k├╝nstlerische Besch├Ąftigung inkl. Publikum wird durch den WDR gesichert. 95% aller K├╝nstler*innen beneiden sie darum, und vermutlich auch 90% aller Kabarettist*inn*en. Und die Beg├╝nstigten wissen, wie viel sie davon dem einstigen WDR-Redakteur Rolf Bringmann, einem schweren Verlust des WDR an die Rente, zu verdanken haben.
Andererseits muss ich als Teil des Publikums auch ganz klar erkl├Ąren: sie haben es auch verdient. Sie haben es sich hart erarbeitet. Und sie hatten eine roten Faden, ihre politische Haltung, einen wachen Geist, von dem ich gerne profitiert habe. Das klingt jetzt wie ein Nachruf, ist aber auch eine Vorfreude auf das zus├Ątzliche Halbjahr, das das Virus mir und uns geschenkt hat. Also Jungs (und allzu wenige M├Ądels): weitermachen!