Fleisch schadet dem Denken
In der “New York Review Of Books” war von Michael Pollan unter dem Titel „The Sickness in Our Food Supply“ eine Betrachtung der US-amerikanischen Ernährungs- und vor allem Fleischindustrie erschienen, die die Blätter in einer Übersetzung von Karl D. Bredthauer unter dem Titel “Das große Schlachten” nun auf deutsch veröffentlicht haben. Als Leser*in lernen Sie hier nicht nur was über die USA. Das ökonomische System ist hierzulande nahezu identisch. Die Verbitterung des Herrn Tönnies, dass sich all seine politischen Freund*inn*e*n der letzten Jahrzehnte jetzt opportunistisch in Luft aufzulösen versuchen, ist auf diesem Hintergrund nachvollziehbar. Sie haben ihn in den Regen gestellt, um dieses perverse System zu retten – und natürlich sähr gärne seine Marktanteile zu übernehmen. Das ist die Aufgabe demokratischer Politik: sie daran zu hindern, wie es Pollan bereits ansatzweise beschreibt.
Linksradikale Denkfaulheit
Karl-Eduard-von-Schnitzler-Verehrer Arnold Schölzel/Junge Welt macht auf einen Handelsblatt-Text von Volker Perthes aufmerksam, und entblösst dabei selbst den bei ihm rieselnden linksradikalen Kalk. Freundlicherweise hat das Handelsblatt Perthes’ Text nicht eingemauert, so dass Sie sich selbst von ihm überzeugen können. Kurz vor der Abgabe seines Amtes als SWP-Chef fordert er nicht weniger, als eine kräftige Korrektur der Israel- und Iran-Politik der Bundesregierung, endlich den Beginn einer Wiederaufbau-Initiative für Syrien, und klärt seine zu beratende Regierung, Parlament und Öffentlichkeit über reale Interessenverschiebungen im Nahen Osten auf, die sie alle (bisher) zu dumm (oder desinteressiert) waren wahrzunehmen. Nichts weniger als das ist sein Job.
Perthes Überlegungen sind von der Erkenntnis geleitet, dass Menschenleben im Nahen Osten so akut bedroht sind, dass es jetzt sofort einer Korrektur der Politik bedarf; und nicht erst, wenn irgendwann der fiese Kapitalismus abgedankt hat. Schölzel hat sich dagegen die Aufgabe, das Geringste davon seinen Leser*innen begreiflich zu machen, erspart. Die Welt ist halt schlecht, und soll es bleiben.
was-mit-Medien-Denkfaulheit
Was für ein Wind damals über den Überfall auf einen Dreh des ZDF-heute-show. Doch warum Journalismus, wenn es doch die Polizei und die “Sicherheitsbehörden” gibt? Niemand musste sich die Mühe machen, selbst Sachverhalte zu untersuchen, oder gar Zeug*inn*en zu befragen. Macht in Berlin alles die Polizei. Journalismus ist viel zu teuer, wenn die Schlagzeilen von alleine fliessen. Als Leser*in dieses Blogs kennen Sie bereits Thomas Moser. Bleibende Verdienste hat er sich für seine Recherchen zu den NSU- und Breitscheidplatz-Attentatsermittlungen erworben. Und weil er damals am 1. Mai selbst dabei war, hat ihn das merkwürdig einheitliche Echo des deutschen “Investigativ-“Journalismus nicht ruhen lassen. Und siehe, bei mir verbreitet der Kerl wieder Unruhe. Er versteht Journalismus immer noch als Arbeit, die irgendwann gut werden soll. Aus welchem Zeitalter mag er sein?