von Ulrich Horn
Das CDU-Nachwuchstalent Spahn (40) zählt nach allgemeiner Auffassung zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Der Gesundheitsminister hat sich in der Krise einen Namen gemacht. 60 Prozent sind mit Spahns Arbeit zufrieden. Kann auch er mit sich zufrieden sein?
Als Merkel-Gegner hervorgetan
Er braucht Anerkennung. Er strebt nach Höherem. Er will einmal CDU-Chef und Kanzler werden. Es fragt sich: Hat er das Zeug, den Anforderungen dieser Ämter zu genügen?

Er gehört zum konservativen Lager der Union, das unter deren Anhängern nur eine Minderheit darstellt. Seit Mitte des Jahrzehnts trat er als Merkel-Gegner hervor. Er zog sich den Verdacht zu, Intrigen zu spinnen und den CSU-Politikern Seehofer und Söder in die Karten zu spielen, die Merkel stürzen wollten.

Sie hielt sich im Amt, auch dank ihres Rückhalts in der Bevölkerung. Brachten dieser Sachverhalt und die ernüchternde Erfahrung, auf dem Hamburger Parteitag 2018 bei der Wahl für den Vorsitz nur von 16 Prozent der Delegierten gewählt zu werden, bei Spahn einen Reifeprozess in Gang?
Die Pandemie heruntergespielt
Die Sucht, zu allem medienwirksam seinen Senf beizusteuern, bekommt er allmählich in den Griff. Auch im Kampf um Merkels Erbe hält er sich inzwischen zurück. Bisher unterstützt er Laschets Ambition, CDU-Chef und Kanzlerkandidat zu werden.

Zu Beginn der Pandemie konnte Spahn in Merkels Schatten vom Vertrauen der Bürger profitieren, das ihr damals reichlich zufloss. Als Gesundheitsminister scheint Spahn akzeptiert.

Doch als Krisenmanager muss er noch lernen. Die Pandemie spielte er anfangs herunter. Es dauerte lange, bis er Schutzmasken empfahl und die Bevölkerung mit ihnen versorgte. Beim Kauf der Masken soll es in seinem Ministerium chaotisch zugegangen und viel Geld verschwendet worden sein.
Mangel an Umsicht gezeigt
Viel zu lange dauerte es auch, bis er die Corona-App in Angriff nahm und installierte. Dass er nach dem Lockdown Urlaubsreisen zuließ, ohne für Rückkehrer Test- und Quarantänevorkehrungen parat zu haben, war ebenfalls ein schwerer Fehler. Die Urlauber der ersten Welle kehrten ungetestet heim. Hat das Versäumnis den jüngsten Anstieg der Infektionen begünstigt?

Pannen wie diese zeugen von Behäbigkeit und einem Mangel an Erfahrung, Umsicht und Vorausschau. Unübersehbar fallen Wollen und Können noch auseinander. Spahn ist ganz sicher noch nicht so weit, die höchsten Posten zu bekleiden. Ob er das auch so sieht, wird sich zeigen.

Wer zu langsam ist, kann nur noch reagieren. Zunehmende Fallzahlen setzen Spahn unter Druck. Steigen sie stark an, kann sich leicht der Eindruck festsetzen, die Krise laufe aus dem Ruder und er seinen Versäumnissen hinterher. In den Umfragen dürfte dann aus dem Profiteur der Krise schnell ihr Verlierer werden.
Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung.