Ohne Kompass is’ immer schlecht
Nix is so schläsch, dattet nich für irjntwat joot es – bald ist das nicht mehr zu hören, am Ende der WDR-Mitternachtsspitzen. Wird aber als Lebensweisheit überdauern. So auch in diesem Fall: dem Blick der Männer auf dieses rätselhafte Etwas, das wir u.a. “Frauen” nennen. Jahrtausende haben die meisten von ihnen immer das getan, was mann ihnen sagte. Doch seit gut 100 Jahren lässt das immer mehr nach. Wir sind noch mittendrin.
Horand Knaup zeichnet in einem Buch, aus dem bruchstuecke.info das entsprechende Kapitel jetzt online gestellt hat, die Emanzipationsgeschichte der Frauen im Parteien- und Parlamentssystem der BRD bis in die Gegenwart. Drei Protagonistinnen habe ich kennen gelernt: Katja Kipping nur im Vorbeigehen, Wiebke Esdar bei einer gemeinsamen Mahlzeit, und mit Claudia Roth bin ich befreundet. Alle erkenne ich bei Knaup sehr gut wieder – Kompliment an einen Ex-Spiegel-Mann im Ruhestand.
Suchsland verhebt sich an Thunberg
Eine befreundete Filmjournalistin wollte mir gegenüber vor gut 15 Jahren kein gutes Haar an ihrem Kollegen Rüdiger Suchsland lassen (ich kenne ihn bis heute nicht persönlich, sondern nur vom Lesen und Hören). Beim Lesen hatte ich den wiederholten Eindruck, dass er sich immer dann verhebt, wenn er nicht einen Film kritisch bespricht, sondern sich an politisch-philosophischen Analysen versucht. Im Falle von “I am Greta” versucht er beides, und verrät diese Schwäche erneut. Lesen Sie einfach mal, was er da nicht nur über den sehenswerten Film, sondern über junge Frauen schreibt, und Sie wissen nicht nur über Medienmechanismen, sondern auch über ältere linke Männer gleich besser Bescheid.
Ähnlich ungelenk ist das Sascha Döring/Jacobin geraten. Er ist wahrscheinlich zu jung dafür, um sich daran zu erinnern, dass die Grünen die Sünden, die er ihnen zuschreibt, alle zusammen mit der SPD verbrochen haben. So, wie jüngst sein rechtes Pendant von der NOZ, scheitert er dabei, einen Keil zwischen die Grünen und aktuelle Öko-Bewegungen zu treiben. Besonders lachen musste ich, als ich am Schluss zur Kenntnis nahm, dass der junge Mann die Öffentlichkeitsarbeit der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken professionell betreut, also die Kinderabteilung der Jusos und der SPD. Konrad Gilges war zu meiner Jugend bei dem Laden der Boss, und schmiss seinerzeit Dieter Dehm wg. Stamokap-Abweichlerei raus, was dem Dehm mglw. den entscheidenden Karriereschub als Musikindustriemanager gab. Dort wurde er so reich, dass er sich ab den 90er Jahren seine neue Rolle als Nervensäge der Linkspartei-Parteiführung leisten konnte. Aber ich schweife ab … Obwohl nee: der Jacobin-Autor darf heute viel mehr, als Dehm durfte: der DKP, heute nicht mehr DDR-finanziert und -beherrscht, sondern als linksradikale Sekte in meiner alten Heimat Gladbeck verborgen, gab der gleiche kluge Grünen-Analytiker Döring dieses putzige, absolut berührungsangstfreie Interview. Wer wollte dem also widersprechen?
Der Humor und die Frau
Dem Herrn Suchsland war ja oben schon aufgefallen, dass die schönen jungen Frauen jetzt alle keine Zeit mehr haben, weil sie gegen die herrschende Klimapolitik demonstrieren und politische Bewegungen organisieren – kurz: Politik machen müssen. Das ist so ernst, dass für Humor keine Zeit und kein Platz mehr bleibt. Das “bewies” der Prix Pantheon dieses Jahr hier in Bonn Beuel. In der Jury: 3:2 für die Männer. Im “Finale”: 5:0 für die Männer. Bei den “Ehrengästen” auf der Bühne: eine ganze Frau. Und das war Lisa Lasselsberger. Glockenschlag verpasst? War das wichtig? Entscheiden Sie selbst.