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Mobbing?

Ja, ist es denn die Möglichkeit? Bei den GrĂŒnen? Sogar in Bonn?
1962-1976 bin ich zur Schule gegangen. Mobbing gab es in jeder Schule, in jeder Schulklasse, ebenso SchlĂ€gereien auf dem Schulhof, mehrmals tĂ€glich. Es hiess nur damals noch nicht so. Jetzt dagegen ist nichts los, alles was Spass macht, verboten. Was soll eine Tageszeitung machen, wenn nichts passiert? Jetzt erzĂ€hlen Geheimdienste schon Revolverpistolen von monatealten Morden. Jeder Knochen, der rumliegt (oder geworfen wird), wird abgenagt. Mann und Frau weiss am Anfang ja nie, wieviel Fleisch an der Geschichte ist. Also wird telefoniert. Es sind immer genug dabei, bei den Telefonnummern, die weiteres Futter liefern. In der Kommunalpolitik immer. Mobbing ist ĂŒberall, alte Rechnungen auch.
Darum hier und jetzt mal: Isch!
(“Alle Egomanen – ausser isch!” war ein genialer Song von JĂŒrgen Becker)
2006-2016 habe ich bei der GrĂŒnen Ratsfraktion gearbeitet. Die Wahlergebnisse 2010 und 2014 fasste ich als gute Arbeitszeugnisse auf. Nachdem mein damaliger Kollege Tom Schmidt als OB-Kandidat (intern als “ZĂ€hlkandidat) exzellent abgeschnitten und damit das Feld fĂŒr die jĂŒngst gefolgte OB-Wahl super bestellt hatte, kĂŒndigte ich meinen Arbeitsvertrag auf Ă€rztlichen Rat. Das musste zuvor schon eine langjĂ€hrige (und weit dienstĂ€ltere als ich) Kollegin tun, deren Diagnose auf “Mobbingopfer” lautete. Vorgesetzte, Fraktionsvorsitzende gar, mĂŒssen nicht zwingend die TĂ€ter*innen sein. Es wĂŒrde aber zu ihren FĂŒrsorgepflichten als Arbeitgeber*in gehören, ihre BeschĂ€ftigten nach KrĂ€ften vor solchen FĂ€hrnissen zu schĂŒtzen. In der Ratsfraktion der GrĂŒnen 2014-2020 gab es diesen Schutz – aus meiner Sicht – nicht, fĂŒr keine*n BeschĂ€ftigte*n. FĂŒr mich waren AusseneinsĂ€tze (in meiner Freizeit) an WahlkampfstĂ€nden eine psychische und physische Regeneration von der Intrigenblase im Rathaus – dort holte ich mir den Respekt und die Anerkennung fĂŒr meine gute Arbeit.
Die heutige OberbĂŒrgermeisterin Katja Dörner verfolgte das von ihrem Berliner Arbeitsplatz aus mit wachsendem Missbehagen, zumal sie sich als stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion mit Ă€hnlichem Trash die Arbeitszeit totschlagen musste. Gelegentlich wurde sie als Vermittlerin gerufen, konnte aber – natĂŒrlich – aus der Entfernung keinem Problem kontinuierlich an die Wurzel gehen.
Ziel der Aggressionen war weniger die krankgemachte Kollegin, und auch nicht ich, sondern der zeitweilige OB-Kandidat aus Versehen, Tom Schmidt. Seine zeitweiligen Vorgesetzten haben seine Überlegenheit an Erfahrung, Fach- und Strategiekompetenz nicht ertragen, waren aber als vorgesetzte Arbeitgeber*innen auch zu doof, eine Weg zu finden, ihn loszuwerden. Er ist der hĂ€rteste und widerstandsfĂ€higste Brocken, und wird darum von allen, ausser seinen damaligen Vorgesetzten, aber seinen WĂ€hler*inne*n und allen anderen Ratsparteien als harter aber fairer, immer offen (heraus), nie hinterhĂ€ltiger Widerpart geschĂ€tzt.
Frau Poppe-Reiners und Herr Lohmeyer dĂŒrfen das, neben ihren Wahlergebnissen, ihrerseits als Arbeitszeugnis auffassen.
Und jetzt betrachten wir das mal politisch
In den 80er Jahren habe ich sehr ĂŒber die GrĂŒnen gelacht: Rotation von Mandaten mitten in der Legislaturperiode, Verbot von ÄmterhĂ€ufung, imperative Mandate fĂŒr Parlamentarier (verfassungswidrig, aber von GrĂŒnen gewĂŒnscht), waren fĂŒr viele damalige GrĂŒne heiliger, als Programminhalte oder gar politische Strategien. Leute, die das bis gestern im Munde fĂŒhrten, ertragen es heute mit ĂŒber 60 nicht, wenn sie zur Kenntnis nehmen mĂŒssen: WĂ€hlen ist ein Grundrecht – GewĂ€hltwerden dagegen nicht.
Zur Betrachtung, in welchen StĂŒrmen sich die GrĂŒnen jetzt positionieren mĂŒssen, empfehle ich zunĂ€chst die LektĂŒre dieses Textes der Kollegen von bruchstuecke.info. Er behandelt vordergrĂŒndig die Probleme der baden-wĂŒrttembergischen und hessischen GrĂŒnen mit der klimarebellischen Jugendbewegung. Es handelt sich um Probleme von pragmatisch regierenden GrĂŒnen-LandesverbĂ€nden, die den Zeitlauf an der Basis auch schon nicht mehr verstehen. Das Problem ist grösser als Mobbing.
Der strategische Vorteil der Bonner GrĂŒnen ist gegenwĂ€rtig, dass die, die Praxis- und gedanklichen Kontakt zu diesen wichtigen Bewegungen haben, bei der Kandidat*inn*enkĂŒr zur jĂŒngst so fulminant erfolgreichen Kommunalwahl einen Durchmarsch hĂ€tten machen können. Sie dominieren jetzt auch die Fraktion; dass sie mehrere der “verdienten” Alten dennoch in die Mann- und Frauschaft integriert haben, erweist sich jetzt als Gegenteil von dem, was sie beabsichtigten: Weisheit. Woher sollen sie die auch haben. Als ich die Betreffenden kennenlernte, waren sie noch nicht geboren.
Wenn Sie als Ă€ltere – ob GrĂŒne oder NichtgrĂŒne – verstehen wollen, was unter den sich selbst politisierenden Jugendlichen los ist, und Sie die nicht schon zuhause am KĂŒchentisch sitzen haben, schauen Sie sich diese beiden Filmchen kurz an:
“Ab 18! Luisa” von Romy Steyer (Video 45 min)
“Generation Greta” von Thorsten Berrar (Video 44 min).
Frau Neubauer könnte theoretisch eine BrĂŒcke zwischen Partei und Bewegung sein. Aber will sie das ĂŒberhaupt? Sie hat ein Team hinter sich, das sehr professionell arbeitet. Sie “muss” keine Parteikarriere anstreben. Ähnlich wie die milliardenschweren Impfstoffforscher*innen könnte sie ihre Arbeit mit ihrem Team weit profitabler ökonomisieren. Bisher politisieren sie noch.
Bonner Einschub: Ähnliche BefĂŒrchtungen hatte ich ĂŒber Jahre bei dem jungen Tim Achtermeyer; an ihm beeindruckt mich, dass er nicht den leichten Weg der Karriere geht, sondern in unserem verschlafenen Kaff geblieben ist, sich mit so vielen Irren herumschlĂ€gt, was heisst: Verantwortung ĂŒbernimmt.
Noch deutlicher als “Luisa” macht “Generation Greta” deutlich, wie kraftvoll unsere Gesellschaft von den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen umgepflĂŒgt wird, zum Besseren, unter der Ungewissheit: ist es noch rechtzeitig, oder schon zu spĂ€t? Selbst mein 88-jĂ€hriger Vater fragt sich das bestĂ€ndig. Der kluge alte Klaus Hurrelmann versteht immerhin, was die da gerade machen, und wĂ€re jetzt gerne noch mal so jung. Die Kids haben keine Zeit. Mobbing in Bonn interessiert die nicht. Wie weise!

2 Kommentare

  1. Petra

    Lieber Martin, sehr treffend analysiert

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