„Ein gutes Spiegelei. Was braucht man? Erst mal brauchen wir eine gute Landbutter. Dann brauchen wir ein frisches Ei. Und dann müssen wir das Ei reinschlagen – ich persönlich mag es gern mit einem Rand – und dann nur das Eiweiß leicht mit Salz bestreuen. Und wenn man es ganz gescheit machen will, dann tue ich nur das Eiweiß rein in die Pfanne – muss natürlich dem Durchmesser genau entgegenkommen – und gebe den Dotter roh drauf und lass ihn nur erwärmen. Und ein bisschen Fleur de Sel. Hauch Pfeffer.“ So Eckart Witzigmann in einem DLF-Kultur-Feature von Carola Zinner. Gut an ihrem lesens- (oder hörens-)werten Beitrag ist die Bezugnahme auf die spezielle deutsche Kultur- und Sozialgeschichte, kritisierenswert ihre Fixierung auf München und den zweifellos wichtigen Witzigmann (und den nicht minder wichtigen Siebeck). Diese Fixierung steht mglw. im Arbeitsvertrag langjähriger Mitarbeiter*innen des Bayrischen Rundfunks. Denen sind ja auch einzelne Folgen der u.a. im “Tantris” spielenden epochemachenden TV-Serie “Kir Royal” entgangen – die zeigte zu viel Wirklichkeit.
Das deutsche Gourmet-Zentrum liegt zweifellos eher im Schwarzwald als in München, und dort eher in Baden als in Württemberg. Auch wir im Westen können mit Bergisch-Gladbach (mit Blick auf den Dom!) prahlen – im Schloss Lerbach (schon wieder geschlossen) habe ich noch in den 70er Jahren Hauptschülerseminare der Jungdemokraten NRW abgehalten, bevor es von Dieter Müller zum Gourmet-Tempel gekocht wurde.
Zentrale These Zinners ist, dass der Generationswechsel und Kulturwandel zwischen Küche und Gesellschaft immer recht parallel verlaufen ist. Das ist zweifellos richtig. Was jetzt fehlt, wäre noch eine Analyse der Gegenwart und ein Blick in die kulinarische und landwirtschaftliche Zukunft. Die nie hat sich so schnell so viel geändert wie: Jetzt!
Ei-aufschlagen auf den Hauptstadtjournalismus
Das hat Matthias Dell gestern getan. Etwas elaborierter als Friedrich Nowottny, der vor einigen Jahren damit rechnete, dass sicherlich bald eine “Hauptstadttoilette” kreiert werde. Berlin hat ja sonst nichts …
Dell arbeitet selbst von Berlin aus, hat also täglich vor Augen, was er da kritisiert. Ich selbst habe noch kurz mit ihm zusammen gearbeitet, als er – ebenso kurz – Medienredakteur beim Freitag war. Heute hat er sich einen guten Ruf als Tatort-Experte erarbeitet, aber, wie an diesem Beitrag gut abzulesen ist, mit offenem Blick für seine politische Umgebung.