von Dr. Wolfgang Storz, Claus Fokke Wermann, Detlef zum Winkel
An den Vorsitzenden des Vorstandes der BMW AG Herrn Oliver Zipse; an den Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats der BMW AG Herrn Manfred Schoch; z.K. Frau Christiane Benner, Zweite Vorsitzende IG Metall, Mitglied des Aufsichtsrates
Betr. Ihr Marketing; Sehr geehrter Herr Zipse, sehr geehrter Herr Schoch, wir Drei, siehe die Unterzeichner, sind Bürger in Frankfurt und Offenbach und haben vor vielen Monaten eine Petition initiiert, über die Sie sich unter diesem eingefügten Link informieren können.

Wir hatten vor wenigen Tagen in der Frankfurter Innenstadt einen schrecklichen Unfall, bei dem bisherigen Erkenntnissen zufolge ein jugendlicher Raser die Kontrolle über seinen tonnenschweren SUV verlor. Zwei Menschen starben, ein weiterer Mensch liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Dieser Mann fuhr eines Ihrer Autos, einen BMW X6.

Wir werden uns sicher nicht in der Frage einigen, wie verheerend es ist, dass solche Autos in für Menschen vorgesehenen Innenstädten überhaupt zugelassen werden. Welche Ängste sie auslösen, allein aufgrund ihres martialischen Designs, als seien sie dazu gemacht, „alle anderen“, Fußgänger, Radfahrer, Fahrer von normalen bescheideneren Autos, als Störfälle aus dem Weg zu räumen.
Natürlich trifft Sie, juristisch gesehen, keine Verantwortung an diesem Unfall. Wir wollen Sie beide jedoch auf das Vokabular aufmerksam machen, mit dem Sie Ihre Produkte bewerben.

Für den BMW X6 mit den Worten:

Dominantes Design. Echte Muskelpakete. Pure Ausstrahlungskraft. Durchtrainierte Ästhetik. Attribute eines Alphatieres. Idealer Leitwolf auf jedem Terrain. Geschaffen um anzuführen.

Für Ihren 4er wird so geworben:

Grenzen verschieben, eigenen Regeln folgen, sich durch nichts aufhalten lassen: Das neue BMW4er Coupe setzt sich mit progressivem Design über bestehende Konventionen hinweg.

Auch Ihr Clip dazu ist unseres Erachtens indiskutabel.

Das sind Auszüge aus Ihrer offiziellen Werbung, vermutlich auch von Ihnen, Herr Zipse, verantwortlich genehmigt. Wenn Sie Freude am Fahren so verstehen, dann können normale Menschen vor Ihren Autos nur noch in Deckung gehen.
Was verkaufen Sie? Maschinen auf vier Rädern, um sich zivilisiert fortzubewegen? Oder Waffen, um sich in einer Leistungsgesellschaft möglichst rücksichtslos durchzusetzen? Ein Autor schrieb jüngst im Magazin des Verkehrsclub Deutschland, immer öfter rasten „fahrbare Kriegserklärungen“ auf den Straßen.

Sehr geehrter Herr Zipse, sehr geehrter Herr Schoch, eine solche Werbung appelliert an primitive Urinstinkte. Sie animiert viele, vor allem junge Männer, zu einem rücksichtslosen Verhalten im Straßenverkehr, wie dies täglich leider oft der Fall ist.
Sie, Herr Zipse, sind für diese Werbung verantwortlich.

Aber es ist auch Ihre Werbung, Herr Schoch, sind Sie doch als Arbeitnehmervertreter und IG Metall direkt im BMW-Aufsichtsrat vertreten. Und Sie haben, wie in den Medien oft zu lesen ist, Macht und Einfluss im Unternehmen.

Wie gesagt: Wir und Sie werden uns nicht über die Frage einigen, welche Rolle das Auto in dieser Gesellschaft, vor allem in unseren bereits überfüllten Städten, vor allem in Anbetracht der Klima-Katastrophe, sinnvoll überhaupt noch spielen kann.
Gleichwohl wäre es ein Fortschritt, wenn wir uns an dieser Stelle träfen: bei der Rückkehr Ihrer Werbung, ob in Worten oder via Film, zu Zivilität, Achtsamkeit, Rücksichtnahme und Menschlichkeit.

Es würde uns freuen, wenn Sie auf unseren offenen Brief auch antworten.

Wir planen, ihn an unsere 15.000 Unterzeichnerinnen weiterzuleiten und eventuell darüber hinaus zu verbreiten. Wir werden dies, wenn Sie das wünschen, selbstverständlich auch mit Ihren Stellungnahmen machen.

Wir erlauben uns, dieses Schreiben auch an Christiane Benner, Vertreterin der IG Metall in Ihrem Aufsichtsrat, mit der Bitte um Stellungnahme weiterzuleiten.

Für Ihre Aufmerksamkeit bedanken wir uns

Dr. Wolfgang Storz
Claus Fokke Wermann
Detlef zum Winkel
Dieser Beitrag ist eine auszugsweise Übername von bruchstuecke.info. Lesen Sie ergänzend auch die Missing-Link-Kolumne von heise-online (Autor: Timo Daum) zum Autonomen Fahren.

Über den/die Autor*in: Gastautor*inn*en

Unter dem Namen "Gastautor*inn*en" fassen wir eine Reihe ganz verschiedener und oft unregelmäßig erscheinender Autor*inn*en und Quellen zusammen. Hierbei kann es sich um individuelle Personen, aber auch Institutionen handeln. Wir bedanken uns sehr für die freundliche Genehmigung zur Übernahme der Beiträge!