Was ist “die Wissenschaft? / Was ist ein “Aussteiger”?
Bei unbestimmten Rechtsbegriffen, sehr beliebt z.B. auch “der/die Gefährder*in”, fällt es umso leichter, einer Geschichte, die ihn nicht von selbst mitbringt, den gewünschten “Spin” zu geben. Politik und Kommunikation scheint bisweilen aus nichts anderem als dieser undurchsichtigen Technik zu bestehen. Und dann bleibt ja noch zu urteilen: Technik ist nicht aus sich heraus böse. Es kommt auf Ziele und Zwecke ihrer Nutzer*innen an. Sich davon nicht ernstgenommen, zu ruhrgebietsdeutsch; verarscht zu fühlen, bleibt dem subjektiven Urteil jeder*s Einzelnen überlassen.
Lockdown und Infektionen – ohne Zusammenhang?
Ich gestehe: dieser Diskussion bin ich schon überdrüssig. Die wöchentlichen in keinem Grundgesetz vorgesehenen Videokonferenzen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsident*inn*en (MPs) – ich kann sie nicht mehr hören. Das stundenlangen Senden leerer Pressekonferenzstühle – all das quält gewiss die, die persönlich daran beteiligt sind, am meisten. Das ist in ihren von Schlaflosigket geprägten Gesichtern zu lesen. Für mich hingegen ist es ein klarer Fall für meine Fernbedienung. Ich muss auf mein Wohlbefinden achten.
Joachim Guilliard/telepolis lässt sich davon nicht abhalten. In “Fortwährender Lockdown und die Evidenz Merkelscher ‘Wissenschaft!” erörtert er ein weiteres Mal, dass es zwischen der Lockdown-Politik und dem Infektionsgeschehen “leider” kaum einen Zusammenhang gebe.
Den Verdacht habe ich auch: bei der letzten Sitzung von Kanzlerin und MPs lief es dramaturgisch regelrecht “schlecht”, weil sie “verschärfen” wollten, aber die Infektionszahlen seit Tagen gesunken waren … Aber ich will mich von dem Zeug nicht abends am Einschlafen hindern lassen, und morgens auch nicht mit solchen Gedanken wachwerden.
Was ist ein “Aussteiger” aus der Klimabewegung?
Lena Puttfarcken/uebermedien schreibt “Wie aus einem Kritiker ein Fridays-for-Future-‘Aussteiger’ wurde”. Schöne Geschichte, weil sie so exemplarisch ist, und Indiz, dass sich manche Dinge wohl nie ändern. Denn die gleichen Geschichten habe ich schon in den 80erJahren mit der Friedensbewegung oder in den 70er/80er Jahren mit der Studentenbewegung erlebt. Dem nur scheinbaren “Täter” Clemens Traub macht auch Puttfarcken das klugerweise gar nicht erst zum Vorwurf, sondern kritisiert den Spin, den die alltägliche Mediendynamik der Story gibt, um sie für das doofgehaltene Publikum möglichst leicht verdaulich zu halten. Eine notwendige Bedingung sind immer binäre/schwarzweisse Gut-und-Böse-Konstruktionen – und die müssen personalisiert sein. Ich hasse es auch.