In Deutschland bisher niemand. Und besonders nicht in NRW, der Heimat zahlreicher ehemaliger und gegenwärtiger Kanzlerkandidaten-Kandidaten. Vor ein paar Tagen berichtete die New York Times über die Pläne für eine globale Super-Liga. New York? Na klar, das grosse, immer grössere Geld sucht mit wachsender Verzweiflung renditeversprechende Anlagemöglichkeiten. Nichts verspricht grössere Renditen als das irrationale nach feudalen Gesetzmässigkeiten organisierte Fussball-Entertainment-Bizzyness.
In der FAZ findet sich zum gleichen Thema eine deutsche Kurzfassung. Die Uefa, deren Champions League und Kapitalbasis damit unmittelbar bedroht ist, reagiert berechenbar: sie baut die Champions League immer weiter zu einer ähnlichen Superliga um: “Planungssicherheit” für die Dickschiffe zu Lasten leistungsbezogener Durchlässigkeit – Sport ist was anderes.
Corona-Bedrohung NRWs durch die Uefa – Laschet wäre begeistert
Und nicht nur der. Das kommt so:
Die bedrohte und verängstigte Uefa sieht darüber hinaus ihre EM-Felle wegschwimmen. Das ursprünglich politisch-salomonische Konzept der Austragung in 12 Ländern ist unter Coronabedingungen definitiv unmöglich. Auf der Suche nach kurzfristig umsetzbaren Alternativen soll NRW in der engeren Wahl sein. Beim Zustand der heimischen Politik darf davon ausgegangen werden, dass die sich von solchen Überlegungen ultimativ gebauchpinselt fühlt. Das Virus wird so lange mal in den Wahrnehmungshintergrund verbannt. Zumal aus den Medien kein Gegenwind kommen wird, im Gegenteil. Die leben ja von so einem Spektakel. Deren Not ist z.B. daran zu erkennen, dass sie minutenlang Bilder einer Nachtkamera aus dem Wald senden, weil davor eine Wildkatze auf und ab lief (gebranded als “Eifeltiger”). Doch, deren Not muss gross sein.
Und zeigt nicht Ägypten mit dieser irren Handball-WM, dass es geht? Warum soll NRW nicht können, was Ägypten kann? Dann müssten auch beängstigend schwarze Fussballer nicht mehr einzeln gejagt werden, weil sie sich von illegalen Corona-Partys über Dächer geflüchtet haben sollen – dann dürften sie das Virus ganz legal auf dem grünen Rasen weitergeben, auf dass es sich möglichst gerecht und gleichmässig im Sommer, wenn die Infektionszahlen sowieso niedriger sein werden, wieder über den Kontinent verteile. Ein Super-Konzept: ich sehe schon die Bilder, wie Laschet-Tandempartner Jens Spahn das vor hunderten TV-Kameras eloquent begründet.
Heute unterhält das ZDF das gelangweilte Publikum mit dem Spiel der wahren Borussia gegen den BVB. Ich kann das aus gesundheitlichen Gründen nicht sehen. Die Wehrlosigkeit vor der Glotze ist eine zu grosse Belastung meines Herz-Kreislauf-Systems. Und die aktive Unterstützung der Mannschaft im Stadion ist ja verboten. Die Fans haben Wichtigeres zu tun. Da sie nicht randalieren, sich nicht schlagen oder irgendwas kaputtmachen, sind sie aus der Medienberichterstattung verschwunden. Sie organisieren Solidarität, kümmern sich um Mitmenschen, sammeln Spenden für gute Zwecke – all so uninteressante Sachen, die weder Einschaltquoten, noch verkaufte Auflage oder auch nur Klicks bringen. Wer will das wissen?
Alternative zum Fussball-Irrsinn
Als TV-Alternative empfehle ich “Kampf auf der Bosporus-Brücke – Die Türkei und der gescheiterte Putschversuch”, heute um 20.15 h im Ausstrahlungs-Exil auf ZDFinfo, und bereits verfügbar in der Mediathek. Den Film hat Can Dündar gemacht, der aus der Türkei fliehen musste, weil er die militärische Unterstützung des Erdogan-Regimes für die IS-Terroristen nachgewiesen hatte. Die Kriegsflüchtlinge, die sich in deren Gewalt befinden, verrecken derzeit jämmerlich in den Unwetterbedingungen der nordsyrischen Region Idlib. Dazu gab es sogar einen Tagesschau-Bericht, der jedoch diese politische Verantwortung, sofern er sie nicht dem Assadregime zuordnete, wegliess.
Die Bundesregierung wird mit der Programmierung auf ZDFinfo, die weitgehende öffentliche Nichtwahrnehmung sichert, zufrieden sein. Sie, d.h. führend der Sozialdemokrat Heiko Maas, ist emsig bemüht, die Beziehungen zwischen Deutschland, der EU und dem Erdoganregime zu verbessern. In ihrer offiziellen “Basisinformation” zur Türkei kommt das, was Dündar in seinem Film berichtet, gar nicht vor.
Linke Lebenszeichen bei den Grünen?
Frau von Bullion berichtet heute in der SZ, für diese Schlagzeile, die wahrscheinlich in München gemacht wurde, kann sie vielleicht nichts, “die Grünen” seien verärgert über die Böll-Stiftung. Das gibt ihr Text nicht her. In ihm steht lediglich, dass Agnieszka Brugger und Jürgen Trittin verärgert über das Vorgehen der Stiftungsvorsitzenden Ellen Ueberschär sind, völlig zurecht. Die Böll-Stiftung hat aber zwei Vorsitzende: die andere, Barbara Unmüssig würde niemals so einen militaristischen Unsinn verzapfen – und Heinrich Böll hätte das übrigens auch nicht getan. Immerhin ist Bullions SZ-Bericht ein sachtes Anzeichen, dass es noch Vernunftnester in Berlin gibt. Wie weit werden sie wirken?