Ambros Waibel/taz, eingedeutschter Italiener, wundert sich, wohin das weltberühmte deutsche Organisationstalent verschwunden ist. Viele Bundesbürger*innen wundern sich mit. Hätten Sie den Beueler Extradienst gelesen, wäre ihnen zumindest das Wundern erspart geblieben. Italiener wie Deutsche verstehen sich gleichermassen auf unappetitliche Verknüpfungen von Fussballentertainment und Politik. Darum will ich die Sache hier noch mal am Beispiel der Kolumne des hochgeschätzten Kollegen Martin Krauss/taz kurz erläutern.
Zunächst: alles, was Krauss schreibt ist richtig. Es bedarf jedoch zweier Ergänzungen.
Erstens die Coronakrise. Sie treibt die von Krauss benannten Akteure dazu, ihre eigenen Stärken langfristiger Arbeit zu ignorieren, sondern schnell zuzuschnappen, wenn ihnen eine Möhre hingehalten wird. Denn sie wissen: sie agieren in einem privilegierten gesetzlosen Raum. Niemand kann ahnen, wie lange das möglich bleibt. Sie wissen, der Fisch stinkt vom Kopf her, wird durch organisierte Kriminalität am Leben gehalten. Darum ist das Ende des permanenten Wachstums absehbar, wir werden es noch selbst erleben. Sie wissen ausserdem: das Tischtuch zwischen dem Fussballentertainment und seinen Fans ist schon angerissen, es reisst weiter, manche Strategen treiben das sogar blindwütig und absichtlich voran. Das nimmt kein gutes Ende. Es ist schon in Sichtweite. Wenn Sie hier Parallelen zur Politik erkennen wollen, will ich ihnen nicht widersprechen.
Sachfremder Medienwind
Zweitens erweisen sich die Politiker des Fussballbusiness als ähnlich schwach wie die Politiker*innen. Sie besitzen abnehmende eigene Stärke und orientieren sich am sachfremden Medienwind. Dominierend bei diesem Wind sind die Boulevard-Tanker, die dem Untergang geweiht sind, die schon seit Jahrzehnten die grössten Verluste an Publikumszuspruch verzeichnen. Sicher, sie hatten auch “mehr” zu verlieren. Mehr als an verkaufter Auflage und Einschaltquote verlieren sie an Vertrauen. Das wissen sie selbst genau. Und schlagen um so aggressiver um sich. Barca und S04 haben sie schon zerstört, “Treffer”, “versenkt” wird folgen, und bei diesen beiden einst stolzen Symbolen ihrer Regionen nicht enden. Die Managementelite des Fussballentertainment hat sich an die sinkenden Medienschiffe gebunden (Ausnahmen s. bei Martin Krauss) – eine Fehlentscheidung. Wenn Sie hier wiederum Parallelen zur Politik (Video 6 min) entdecken, werde ich Ihnen erneut nicht widersprechen.
Voller Empörung musste ich heute den von mir mitbezahlten Deutschlandfunk ausschalten, weil er sich 1 1/2 Stunden einer Repräsentantin des Springer-Revolverjournalismus öffnete. Wer sich an die bindet, wird mit ihnen sinken. Wann dringt das in das kleine Hochhaus in Köln-Raderthal endlich ein? Ich legte eine Vinyl-LP von Roberta Flack (84) auf – und es ging mir sofort besser. Und fürchte die “Presseschauen”, die die am Wochenende wieder rücksichtslos vorlesen werden, sowie die Nachrichten, deren Themen sie von denen bestimmen lassen. Buääh!
Die sich nicht treiben lassen – Ex-Bonner*innen in Berlin
Zu Beginn meiner Parteimitgliedschaft in den Grünen, in den 90er Jahren begegneten mir zahlreiche tolle, stabile Menschen. Bei vielen verfolge ich gerne ihren Werdegang, erfreue mich daran, wie sie ihre Fähigkeiten für den Fortschritt einsetzen, und dabei nicht von links nach rechts an mir vorüberziehen.
Marion Jungbluth/Verbraucherzentrale erklärte der taz die Datenschutzprobleme des Autofahrens, und zwar heute und morgen. Sie, wie ihr Chef Klaus Müller, gehörten seinerzeit dem Grünen Kreisvorstand in Bonn an, waren schon damals Leistungsträger*in, und sind es bis heute geblieben.
Georg Abel/Verbraucherinitiative gehörte zwar nie dem Kreisvorstand an, aber der Beueler Bezirksvertratung (zusammen mit Stephan Brokmeier), und wohnte direkt über der orientalischen (damals jordanisch geführten) Imbissbude in der Friedrich Breuer Strasse. Georg war als unabhängiger Geist persönlich mitverantwortlich dafür, dass ich den Bonner Grünen beitrat. Kein Parteisoldat, sondern ein unabhängiger, immer an ausserparlamentarischer Arbeit orientierter Kopf, und Mitbegründer der später von Karl Uckermann und mir erst nur in Beuel weitergeführten und später auf ganz Bonn expandierten Verteil-Zeitung der Bonner Grünen, die auch ausserhalb von Wahlkämpfen produziert wurde. Ich revanchierte mich Abel gegenüber, indem ich ihm den Job als Pressesprecher der NRW-Grünen vermittelte. Dort wurde er allerdings nicht glücklich, weil s.o. kein Parteisoldat. Bei der Verbraucherinitiative hat ers dann bemerkenswert länger ausgehalten. Ob er gut beraten ist, den Nestlé-Konzern zu beraten, bin ich mir nicht sicher. Aber das muss er und sein Verein selber wissen.