Sebastian Eder/FAZ interviewt fortlaufend den Darmstädter Lungenarzt Cihan Çelik, der mich beeindruckt durch seine Verbindung von cooler Urteilskraft mit Praxiserfahrung. Als Leser bekomme ich so eine präzisere Lageeinschätzung des “Infektionsgeschehens”, als durch die Verfolgung des täglichen Nachrichtenstroms (7-Tage-Inzidenz Bonn 51,6, 1 Infektion weniger als am Sonntag der Vorwoche).
Berlin feiert den 100. Geburtstag seines früheren Senatsbaudirektors Werner Düttmann. Die Berliner Zeitung hat die Einschätzung ihres Architekturfachmanns Nikolaus Bernau eingemauert; der ist immerhin regelmässig auch in Fazit/DLF-Kultur offen zugänglich zu hören. Frei zugänglich zu lesen ist Patrick Bahners/FAZ. Ich habe auch mal rübergeschaut zur Architekturzeitschrift Arch+, die diese mittlere Grossstadt am Rande unserer Republik gleich mit ganzen Heften abfeiert. Was gibt es Wichtigeres, als den Berliner Bauchnabel? Die Arch+-Seite ist mir zu intransparent, was die Unterscheidung von digitaler Zugänglichkeit und Bezahlmauern betrifft. Wer nicht gelesen werden will, muss es so machen.
Was mir beim kursorischen Durchsehen aller Protagonisten (Frauen dabei?) auffällt, ist der klassische deutsche Intellektuellendünkel: ich habe keine Stelle gefunden, in der Bewohner*innen der genannten Architektenwerke zu Wort kommen. Wie gesagt: wer nicht gelesen werden will, muss es so machen. Ich selbst, von modischen Fachdiskussionen weitgehend unberührt, kann nur bezeugen, dass ich in Kreuzberg und Schöneberg etliche Bauwerke als Ungeheuer wahrgenommen habe, von aussen natürlich, die meine persönliche Stimmung arg niederdrückten, und ich mich fragte, wie die dafür “berühmte” SPD sowas nur zulassen konnte.
Jonas Schaible ist eine gelungene Neuerwerbung des Spiegel im Jahre 2019 gewesen. Er war mir schon mal mit seiner “Normalitarismus”-These aufgefallen. Die hat er nun abgewandelt zum Runterkühlen der überhitzten selbstreferentiellen Identitätspolitik-Debatte in SPD und Linkspartei. Daran hat er einerseits gut getan. Helfen wird es dennoch nichts. Denn solche Streits werden in den Parteien nicht um der Sache Willen geführt, sondern um Konkurrent*inn*en eins auszuwischen. Für Unterhaltung wird also gesorgt bleiben.
Umfragen melden aktuell relevante Verluste für die CDU bei den Landtagswahlen in BaWü und Rh.-Pf. nächste Woche. Malu Dreyer (SPD) könnte profitieren, sicher nicht wg. ihrer Partei, sondern wg. sich selbst. Ansonsten gehen die CDU-Verluste (angeblich) an FDP und AfD. Fortschritt wäre was anderes.