9/11 – #metoo – Epstein
Dirk Hautkapp war in den Nullerjahren noch ein fachkundiger Beobachter der NRW-Landespolitik für die NRZ. Für seine gute Arbeit wurde er mit einem US-Korrespondentenjob für die heutige Funke-Mediengruppe belohnt. Es gibt schlechtere Nachrichten aus der Medienbranche. Hautkapp schreibt heute, wie auch die Agenturen, die dem Sujet nicht widerstehen können, über die bevorstehende Einvernahme des Andrew Windsor in der Epstein-Affäre.
Unklar bleibt, für wen alles der arme intellektuell offenbar überforderte Prinz den Watschenmann gibt. Denn beim Frauen und Mädchen misshandeln waren (und sind mutmasslich) fast alle immer gerne dabei, die sich zur heutigen “Elite” der Welt zählen. “Es wird Zeit, den Begriff der Elite neu zu definieren!” schreibt hier heute Ludger Volmer. Selten was Wahreres gelesen. Aber das ist wie alles eine Medienmachtfrage.
Mit der beschäftigt sich auch das chinesische Regime intensiv. In den Worten von FAZ-Korrespondentin Friederike Böge: “Die Kommunistische Partei ist der Meinung, die führenden Technologieunternehmen sind zu einflussreich geworden.” Sie zitiert einen Autor aus dem Reich der Parteizeitungen: “Die Weibo-Nutzer sind sich einig, dass die Macht und das Kapital durch einen Käfig eingehegt werden müssen. … Weibo sollte kein Instrument für bestimmte Interessengruppen werden, die öffentliche Meinung zu manipulieren.“ Ersetze “Weibo” durch “Facebook”, und Du verstehst.
Beides, die Epstein-Affäre wie auch der Alibaba-Fall, belegt die global umwälzende Kraft der #metoo-Bewegung. Traumatisierte Opfer sind nicht kraftlos und ohnmächtig, sondern setzen sich zur Wehr. Im flutkatastrophenerfahrenen Rheinland wirft das die Frage auf, was da als Unrat und giftiges Treibgut alles mit aufgewirbelt wird.
In der Epstein-Affäre bleibt bisher unklar, ob die Verbrechernetzwerke, die Mr. Epstein mittels seiner misogynen Gewalttaten knüpfen wollte, aufgeklärt werden oder verdeckt bleiben.
Für China muss von hier aus betrachtet offen bleiben, ob eine grundlegende Umverteilung von Macht bevorsteht, oder nur kleinere Reparaturarbeiten des alten Systems. Und die Frage, was wir in Europa daraus lernen können und sollen.
Die 9/11-Verschwörung
9/11 war das politisch wirksamste Ereignis meiner bisherigen über 60-jährigen Lebenszeit. Der djihadistische Islamismus existierte zwar schon zuvor, geronn aber erst damit zum politischen Begriff. Mit “wer nicht für uns ist, ist gegen uns” wurde die Welt neu sortiert und mobilisiert. Das Verbrechen ist bis heute nicht aufgeklärt. Dennoch sind sich überraschend viele Menschen sicher, wie es gewesen ist. Allein diesen Widerspruch in vermachteten Öffentlichkeiten durchzusetzen, machte das Ereignis epochal. “Verschwörungstheorie” wurde als Allzweckbegriff kreiert, der von seinen Nutzer*inne*n wie selbstverständlich unhinterfragt durch die Arenen geworfen wird. Eine ganze Branche in Medien und akademischer Forschung kann sich davon ernähren.
Mit 9/11 als Begründung wurde der Afghanistan-Krieg begonnen, der in diesen Tagen so blamabel-peinlich aufgegeben wird. obwohl doch 3/4 der angeblichen Täter Bürger Saudi-Arabiens waren. Unmittelbar nach dem Attentat durfte eine Flugzeugladung voller Saudis mit behördlicher Unterstützung unbehelligt die USA verlassen.
Auch hier sind es die Traumatisierten, die imstande sind, die Gegenmacht-Geschichte zu schreiben. Mathias Bröckers ist hierzulande gut verpackt in der “Verschwörungstheorie”-Schublade verpackt worden, und verkauft seine Bücher umso erfolgreicher. Er dreht die Sache um: er habe gar keine Theorie. Eine Verschwörungstheorie sei dagegen das, was die Regierungen und Kommissionen als Wahrheit verkaufen. Kann mann so sehen. Vor allem die 9/11-Opfer sehen es ganz ähnlich, wie sie es ihrem Präsidenten jetzt mitgeteilt haben. Und Überraschung: ein deutschsprachiges Medium meldet es sogar.
Über deutsche Verschwörungen finden Sie in diesem Blog mehr mit den Suchwörtern “NSU” sowie “Breitscheidplatz”. Oder noch besser: “Inlandsgeheimdienst”. Theorien? Entscheiden Sie selbst.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net