Er braucht nur Geduld / Sie besser nicht
Die globalstrategischen Rivalen der Grossmacht China sind so blöd, dass sich 習近平 / 习近平 das gemütlich zuhause auf dem Sofa angucken kann. Er hat ja auch zuhause genug zu tun. Dabei machen seine kommunistischen Helfershelfer vieles von dem, was hiesige Demokrat*inn*en besser auch täten, um uns nicht privaten Konzernen hemmungslos auszuliefern. Aber das ist es ja. Während eine deutsche Rüstungsministerin unsere Jungs aus einem gefährlichen Einsatz nachhause holen will – eine grundsätzlich gute Idee – kippe ich aus dem Sessel, wenn ich lese warum. Weil der Russe kommt, in Gestalt der Söldnerfirma Wagner. Das ist echt “tapfer”, oder? Beim Versuch, “Demokratie, Menschenrechte und Sicherheit” zu exportieren, wurden Einheimische ausgebildet, die das erlernte Wissen in der Bildung einer Militärjunta umsetzen. So wars ja schon 1967 im Nato-Mitglied Griechenland. “Schönes bleibt.” Ich hätte da eine Idee gehabt: wie wäre es, wenn vor der Bundeswehr Menschen ein entsprechendes Land kennen und verstehen lernen? Soldat*inn*en sind da in der Regel überhaupt nicht für geeignet, schlicht weil sie niemand dafür, sondern fürs Totschiessen ausbildet. Demnächst statt mit teuren, kaputten Gewehren und Panzern mit preisgünstigen, präzisen Drohnen. Daraus wachsen dann neue Selbstmordattenttäter*innen. Wer will das, ausser der Rüstungsindustrie?
習近平 verzichtet dagegen auf die Entsendung von Militär, hat er doch mit der Sicherung seines eigenen Landes im südchinesischen Meer genug zu tun. Bzw. imgrunde muss er da auch nur zugucken, wie die fremden Eindringlinge aus dem Westen sich untereinander selbst zerlegen. Nett wäre nur, wenn die chinesische Seenotrettung in Bereitschaft bleibt, falls die sich auch noch selbst versenken. Derweil beschäftigt sich 习近平 mit der Ernte des Afghanistan-Einsatzes und der starrsinnigen Iran-Politik der Menschenrechts-Missionar*inn*e*n. So macht mann das, wenn mann noch seine Politikersinne beisammen hat. Helmut Schmidt ist tot.
Es ist wohl mal wieder nötig, dass ich mich dazu auch persönlich positioniere. Am meisten rege ich mich immer auf, wenn die, die ich für “die Guten” halte, gleichzeitig die Dööfsten sind. Das macht mich – verrückt. So fügt sich alles. Also demnächst irgendwelche Grünen in der Bundesregierung? Ich weiss gar nicht, ob ich mir das wünschen soll.
Nemi El-Hassan
Und nun mal was richtig Wichtiges. Das erkennen wir immer daran, wenn die Medienindustrie mal wieder so richtig durchdreht. Das muss diese junge Frau sein, die noch nie in meinem Blickfeld war, die ich aber wahrscheinlich schon oft, ohne sie bildlich zu identifizieren, im Radio (WDR Cosmo) gehört habe. Ihr Arbeitgeber kommt seiner Fürsorgepflicht als Arbeitgeber zwar nach, aber in einer Weise, dass ich ein weiteres Mal vor Kopfschütteln und Hände-über-dem-Kopf-zusammenschlagen in Atemnot gerate.
Ich hole etwas aus. Wer immer noch nicht begriffen hat, dass der Springerkonzern, und insbesondere sein militaristischer, gewalttätiger Zweig (“Lügenblatt”) von sich glaubt, in einem publizistischen Krieg zu sein, die*der lehnt Lesen als alltägliche intellektuelle menschliche Tätigkeit offensichtlich schon seit vielen Jahren ab. René Martens/MDR-Altpapier gehört immerhin nicht dazu.
Statt sich vom WDR beschützen zu lassen, hätte Frau El-Hassan vielleicht besser eine mehr auf Ballhöhe der Gegenwart operierende Agentur gewählt. Der WDR schickte sie zum Spiegel, der sein Interview mit ihr prompt einmauerte. Wann haben Spiegel-Leser*innen zum letzten Mal für irgendwas oder irgendwen ihren Arsch hochgekriegt? Für uebermedien dagegen, ein Fachblog, den alle was-mit-Medien-Menschen, die noch halb- oder viertelwegs alle Tassen im Schrank haben, lesen und multiplizieren, wie ich hier, für den (Andrej Reisin) hatte sie angeblich keine Zeit. Wie dumm können Beschützer sein? Wahrscheinlich wäre uebermedien-Autor Andrej Reisin gerade mit seinen Kritikpunkten eine weit bessere Strategieberatung für die junge Frau, als die subalternen Nasen, die sich in diesem alten Sender noch für wichtig halten.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net