“Zu den religiösen Praktiken (der Flagellanten) gehörte die öffentliche Selbstgeißelung, um auf diese Weise Buße zu tun und sich von begangenen Sünden zu reinigen.”, so Wikipedia. Das “Flagellantentum in Deutschland” sieht Günter Bannas in seiner Kolumne “Buße” angeheizt. “Ob Merkel besser beraten war? Seit ihrer Erklärung, sie habe sich nicht zu korrigieren …” Sehr gute Frage.

Ich erinnere in “Bonn vor 50 Jahren” an das konstruktive Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Willy Brandt und die Entspannungspolitik seiner Bundesregierung. Brandt wurde oft als grüblerisch beschrieben, und sprach zeitweise dem Alkohol in Überdosierungen zu. Flagellant war er jedoch nicht. Im Gegenteil: als im Kern nationalgesinnter Sozialdemokrat, wie seine Witwe nach seinem Ableben der SPD oftmals unbarmherzig auftischte, sah er sein Lebenswerk durch die “Wende” 1989 erfüllt. Erst drei Tage später am 27.4. stand das Ergebnis der Bundestagsabstimmung fest. Das werde ich in einem eigenen autobiografisch geprägten Text am Mittwoch würdigen.

Im gleichen Text heute gebe ich zwei sachdienliche Hinweise aus dem hörenswerten DLF-Programm des Vormittags: ein Interview zur Stichwahl in Frankreich, die ein weiteres Mal gut ausgegangen ist; freilich nicht gut genug, dank der Dummheit der Linken. Sowie ein Essay dazu, wie das Smartphone unsere Städte verändert. Und nicht nur die. Die Unfähigkeit der herrschenden Politik zu Verhandlungen statt Krieg ist selbstverständlich auch Ausdruck kommunikativer Unfähigkeiten. Woher sollen die kommen, wenn nicht aus dem materiellen Sein?

In “Wissen für Alle” geht es um Alexandra Elbakyan, über die Hannes Grassegger einen absolut heissen Text geschrieben hat, auf den ich erst heute, sechs Wochen später, durch Sibylle Berg aufmerksam geworden bin. Trotz dieser langen Abklingzeit hat der Text an Aufregung und Spannung nichts eingebüsst. Es liegt am Thema, ein sehr elementares der Menschheitsgeschichte. Wem gehört das Wissen der Welt? Wer hat Zugang zu ihm? Wem wird es versperrt? Grassegger zufolge reisst Elbakyan die Mauern nieder.

Wenn Sie mögen, öffnen Sie einen Rotwein auf Monsieur Macron. Wenn Ihnen das widerstrebt, tun Sie es gegen Madame Le Pen. Es ist wichtig für die Überreste an Demokratie, eine Basis zur Fortsetzung des Kampfes um sie.

Freundliche Grüße
Martin Böttger

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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