Beueler-Extradienst

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Ökonomie am Ende?

Zur Klimakatastrophe addiert sich ein Zusammenbruch der Inlandsökonomie – ob mit oder ohne Krieg und brechende Lieferketten, selbstverschuldet

In der demagogischen Rentendebatte wird gerne die inländische Bevölkerungspyramide als “Sachzwang” herangezogen, um den drohenden Zusammenbruch zu beweisen. Das ist Unsinn, und kann Ihnen jederzeit von Extradienst-Fachautor Matthias W. Birkwald erklärt werden. Unser Land ist reich genug, um allen seinen Bürger*innen ein sicheres materielles Auskommen zu sichern. Wenn es das politisch will. Klar, nicht alle wollen das.

Mehrheitlich gehören die, die das nicht wollen, zu den Kapitalbesitzer*inne*n, denen, die über Produktionsmittel verfügen und über Produktionsverhältnisse herrschen. Die haben seit einigen Jahren ein schwerwiegendes Problem. Sie nennen es “Fachkräftemangel”. Im Kern geht es darum, dass junge Menschen beim Eintritt ins Berufsleben, streng nach den Gesetzen kapitalistischer Marktwirtschaft, ein Angebot wählen, das ihnen als das Beste erscheint. Gleichzeitig kommen hinter mir immer mehr Millionen, die lieber heute als morgen in die Rente wechseln. Nerven, Arbeitsdruck, Gesundheit – viele Motive sprechen dafür.

Konkret: 66, also im gesetzlichen Rentenalter sind jetzt 1.089.000 Menschen. In die Volljährigkeit eingestiegen sind aktuell 768.000 (Saldo: – 321.000). In neun Jahren, auf dem Gipfel der geburtenstarken Jahrgänge, sind 1.391.000 im Rentenalter. Volljährig werden in dem Jahr 748.000. Saldo: – 643.000. Dieser Saldo wird nicht unbegrenzt steigen, bleibt aber über Jahrzehnte negativ.

Wer wird sich also in Zukunft noch bewerben? Alten-/Krankenpflege, Abfallwirtschaft, Erzieher*innen – je kleiner die Kinder umso mieser bezahlt – Lehrer*innen, Sozialarbeit, generell der unterbezahlte öffentliche Dienst. Handwerker*innen, Gastronomie, Dienstleistungen aller Art (sogar Ärztinnen und Ärzte). Unsere ganze Rente nützt natürlich nichts, wenn niemand da ist, die*den wir damit für ihre*seine hilfreiche Arbeit bezahlen können.

Das Problem war seit Jahrzehnten absehbar, und baut sich über Jahrzehnte weiter auf. Es wird verschärft dadurch, dass das Übermass an zirkulierendem Grosskapital immer mehr Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge für Renditeorientierung zu erobern versucht. Wo keine*r arbeiten will, wird eben geschlossen. Dem Kapital tut das nicht weh.

Die nötige Konsequenz ist klar, traut sich aber keine*r unserer prekären politischen Klasse. Grenzen auf. Ein herzliches Willkommen allen, die hier arbeiten und besser leben wollen. Ukrainer*innen – und alle anderen. Und wer nicht ausbildet, hat auch keine willigen Arbeitskräfte verdient. Hallo Gesetzgeber*innen, jemand zuhause?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. w. nissing

    Herr Böttger, da ist niemand, da können sie solange klingeln bis die Bimmel durchbrennt. Die letzten Bewohner sind schon lange weg, einige auch schon tot….. ( bezogen auf den letzten Satz)

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