mit Update 12.11.

Seit 1976 lebe ich im Rheinland. Rund 15 Jahre war ich darauf bedacht, mich immer zum Karneval in sichere Regionen zu verziehen – das war meistens Ostfriesland. Erst mit dem, was vor 30 Jahren das “Arsch huh”-Konzert in mir veränderte, gelang mir eine gemässigte Integration in die fremde Kultur. Weiterer wichtiger Impulsgeber dafür war die “Stunk-Sitzung”, zu deren Tradition es damals gehörte, in den vom WDR gesendeten Aufzeichnungen zensiert zu werden. Den Piepser, als Jürgen Becker über Kardinal Meißner sagte “Aber ene Arschloch ese doch!”, habe ich auf VHS-Cassette. Die Stunksitzung freut sich immer über jede WDR-Zensur – eine bessere PR konnte sie sich gar nicht ausdenken.

Was bedeutet es nun, wenn einer am 11.11. eine Versammlung/Sitzung einlädt? Klare Sache: hoffentlich kommt keine*r und es geht schnell vorbei. Annika Joeres, Frederik Richter (beide correctiv) und Anne Burgmer (KStA) werden von der PR-Abteilung des Intendanten wahrscheinlich mittlerweile als gefährliche invasive Insekten angesehen. Mir als Leser setzen sie dagegen einen kritischen Impuls, der nicht – wie bei dem berechenbaren Hanfeld/FAZ – immer die ökonomischen Interessen von einem Dutzend Verlegermilliardär*inne*n verfolgt, die so gut zum Hamburger Übersee-Club passen würden. So eine Betriebsversammlung? Puuh …

Sie sind drin

Roland Appel erinnerte sich in einer E-Mail an Freund*inn*e*n und Bekannte an das “Arsch huh”-Konzert vor 30 Jahren und kommt zu dem Schluss: “Und was mich erschreckt: Es ist schlimmer geworden, die Anstifter sitzen inzwischen bei uns im Parlament, in Italien regieren sie gar. Wann tun wir endlich etwas wirkungsvoll dagegen?” Mein Vorschlag, so makaber er auf den ersten Blick klingt: von Österreich lernen.

Vorgestern berichtete das ORF-Nachrichtenmagazin ZIB2 (“Weitere brisante FPÖ-Chats”), das Gegenstück zu den ARD-Tagesthemen, mit, wenn es Armin Wolf ist, weit hochklassigerer Moderation und Interviewtechnik, über sich selbst und die Infiltration der zeitweiligen Regierungspartei FPÖ. Haben Sie sowas schon mal in der ARD gesehen? Ich kenne vergleichbares nur von Zapp – und die sind aus dem TV-Programm weitgehend rausgeflogen. Wie schon in den 70er Jahren das vom WDR produzierte “Glashaus” – eine Archivöffnung wäre lehrreich.

Kriegsopfer Snowden

Whistleblower? Im Krieg? Muss wohl ein Putin-Freund sein. War sein Freund Hans-Christian Ströbele nicht auch einer? Danke an netzpolitik.org. Es ist möglich, einen klaren Kopf zu behalten.

Katastrophe Lanz

Die Zeit ist knapp. Für “Lanz” habe ich keine. Götz Eisenberg/telepolis hat für mich geguckt. Plasberg geht übrigens in Rente. Wie schön.

ARD/ZDF-WM der Schande

Wenn Sie noch – wie ich – überlegen, was, wie viel, ab wann Sie einen TV-Glotzblick auf die Qatar-WM werfen, hat Roberto De Lapuente/overton hier die Argumente, es nicht zu tun. “Es ist furchtbar, aber es geht”???

Update 11.11.

Zum Verlauf der WDR-Betriebsversammlung gibt es einen paywallfreien SZ-Bericht von Christian Wernicke.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net