Aufgrund mehrerer sozialer Terminverpflichtungen, sowie der Lieferung eines neuen technischen Gerätes aus der SpARTE der Unterhaltungselektronik, war mein persönlicher publizistischer Ehrgeiz heute stark eingehegt. Eine Lücke ist nicht entstanden, und es gibt eine sehr, sehr positive Nachricht, auf die ich unten eingehe.

Petra Erler hat “Ungestellte Fragen” an den Bundeskanzler formuliert. Ich kann versichern, dass ich so ein Interview einschalten würde, auch wenn mir gewiss die meisten Antworten dann nicht gefallen würden.

Mein sonst so sachlicher alter Freund Heiner Jüttner kann auch polemisch: “Sahra gekanzlert”. Im Stile Petra Erlers würde ich die Frage ganz sachlich formulieren: wie will Frau Wagenknecht ihre rechtsoffene Flanke schliessen? Ihrem Gatten wurde diese Frage schon vor 20 Jahren auf einem NRW-Landesparteitag in Essen gestellt. Die Antwort war für mich – als Gast live dabei – schockierend.

Mein Fussballfreund André Dahlmeyer meldete sich letzte Nacht freundlicherweise nach längerer Pause wieder aus Buenos Aires: “Das Wasser von Argentinien”. Gestern hatte er in der Jungen Welt eine gelungene – und paywallfreie – kritische Würdigung des einstigen Weltklassefussballers und mutmasslichen Gewalttäters Dani Alves: Sexualisierte Gewalt: Wie schreibt sich Gerechtigkeit? – Der Fußballer Dani Alves steht wegen Vergewaltigung unter Anklage”.

Und nun zur titelgebenden Hoffnung. Sie steht in dieser am frühen Abend noch paywallfreien Berichterstattung von Christoph Ehrhardt und Friederike Böge/FAZ: Iran und Saudi-Arabien wollen Beziehungen normalisieren – Die regionalen Führungsmächte Iran und Saudi-Arabien wollen ihre Botschaften wiedereröffnen. Eine Verbesserung der Beziehungen könnte auf die ganze Region ausstrahlen.” Sollte sich das materialisieren, bestünde eine reelle Chance auf Beendigung des aktuell mutmasslich grausamsten und brutalsten Krieges auf diesem Planeten, dem Jemen-Krieg. Seine schweren Verbrechen geschehen im Schatten deutscher Medienaufmerksamkeit. Wenn es mal anders war, wurde das hier im Extradienst vermeldet.

Die Peinlichkeit dieses aktuellen Vorgangs besteht darin, dass zwei der despotischsten Regime des Planeten – unter scheinbar chinesischer Anleitung – das Handwerk der Diplomatie reaktiviert haben, und damit diese Kunst betreffend demokratischeren Regierungen wie der unsrigen eine ziemlich lange Nase ziehen. Wie peinlich zum Fremdschäme wäre das denn – wenn es sich materialisiert …?

Ebenfalls von deutscher Medienöffentlichkeit unbemerkt bleibt die Handwerkskunst des französischen Neokolonialismus, nicht aber bei Bernhard Schmid/Jungle World: Beim Umweltgipfel in Gabun hofierte der französische Präsident Emmanuel ­Macron afrikanische Autokraten: Grüne Lunge in Öl – Beim One Forest Summit in Gabun und anschließenden Besuchen in drei weiteren afrikanischen Staaten traf der französische Präsident Emmanuel Macron auch mit altgedienten Autokraten zusammen.” Ich setze noch einen drauf (und Schmid möge mich korrigieren, wenn er das liest): die von ihm erwähnte superreiche Bongo-Dynastie ist – ähnlich wie der qatarische Al-Thani-Clan – jederzeit willens und in der Lage, die politische Klasse Frankreichs mit positiven Finanz-“Sanktionen” zu der Politik zu bewegen, die sie für ihre ökonomischen Interessen benötigen.

Gucken Sie heute nicht zuviel TV-Satire. Lustig ist das (meistens) nicht. Und zum Ärgern gibts schon genug.

Den nächsten Newsletter gibt es Sonntagabend nach dem “Tatort”. Torsten Wahl/Berliner Zeitung schreibt hier dazu vollkommen Richtiges: “Deutschland einig Krimiland: Brauchen ARD und ZDF über 100 Polizeireviere? – Über 300 Ermittler sind im Einsatz, beim ZDF machen Krimis zwei Drittel des fiktionalen Programms aus. Dabei kristallisieren sich klare Erfolgskriterien heraus.” Der Autor zitiert aus einer Studie der Zeitschrift “Media Perspektiven”, die er nicht verlinkt, weil sie scheinbar noch gar nicht online steht. Anderes ist von ARD und ZDF in ihrem heutigen Zustand auch nicht zu erwarten. Inhaltlich dreht es sich um ein skandalöses Politikum: die Alten, die abends täglich vor der Glotze sitzen, glauben, dass es da draussen zu gefährlich ist, weil im Fernsehen nur noch von Mord und Totschlag die Rede ist. Dass die Fakten dem widersprechen, glauben diese Menschen – die Alten sind viele! – nicht. Fachbegriff “gefühlte Sicherheit”, ein wählermächtiges Politikum!

Morgen früh (oder schon heute nacht) gibt es die nächste Kolumne von Günter Bannas.

Freundliche Grüße

Martin Böttger

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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