Der heisse Scheiss des EU-Wahlkampfes wird “Desinformation”.

Darauf sind mittlerweile alle, die wichtig sind, eingestiegen. Das Problem ist nicht zu leugnen. War es noch nie. Ich hatte als Schüler angesichts von über 90% für CDU und SPD auch mal die Fantasie, vor das Wahlrecht einen Test vorzulagern. Die meisten Bundesbürger*innen würden ja auch in den heutigen “Einbürgerungstests” durchfallen. Was wird nun getan gegen Desinformation? Programme gegen binäres Denken und für dialektisches systemkritisch-intelligentes Selberdenken jedenfalls nicht. Von materialistischer Analysefähigkeit ganz zu schweigen. Mann wird ja wohl noch träumen dürfen.

Stattdessen wird in den Krieg – vorläufig nur – um die Wahrheit gezogen. Die Anderen sind die bösen Lügner*innen – “wir” sind die Guten. Ein erstes Anzeichen ist die Berichterstattung um die Wahlen in der Slowakei, die offenbar nicht so ausgegangen sind, wie es herrschende Blasen in Berlin und Brüssel gewünscht haben.

Der alte EU-Veteran Eric Bonse, den ich seit unseren gemeinsamen NRW-Jugendpresse-Zeiten als unabhängigen Geist sehr schätze, und der mir europäische Sach- und Fachkenntnis weit voraus hat, sieht es so: Schwarz-Weiß-Malerei nach Wahl in der Slowakei – Die Slowakei hat einen neuen Präsidenten gewählt und sich für Parlamentspräsident Peter Pellegrini entschieden. Bemerkenswert ist, wie er in den Medien dargestellt wird.”

Und Peter Nowak/telepolis sieht es aus medienkritischer deutscher Perspektive ganz ähnlich: Russischer Einfluss auf Wahlen in der EU: Eine staatstragende Verschwörungstheorie? – Diskussion um Präsidentenwahl in der Slowakei als Vorgeschmack: Wer oder was gilt bei der EU-Wahl als ‘prorussisch’? Was sind die Konsequenzen?”

“Logische” Folge: Wutausbrüche, wie dieser von Hans Otto Rößer/Blog der Republik: Sanfte Killer oder der (grüne) Bürger als Held – Meinungsjournalismus, zumal der unterm Stahlhelm, folgt oft einer simplen Dramaturgie: Zustände zum Haare-Ausraufen werden ins Helle, Offene überführt, Ästhetik einer zur S-Kurve kupierten Achterbahn. Da nehmen sich bürgerlicher Großjournalismus und Boulevardschmiererei nichts. Unter Jacken und Hosen derselbe Mief.”

Und jetzt Sie.

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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