Wieder einmal wurde ein vermutlicher Standort von Atlantis gefunden. Seit der griechische Philosoph Platon um 360 v.Ch. die prächtige und machtvolle Metropole und ihren Untergang 9000 Jahre zuvor als Erster und Einziger beschrieb, hat es immer wieder Bemühungen gegeben, ihre Ruinen zu entdecken. Eine überzeugende Lösung fehlt bislang. Die Einschätzung, dass Platon Darstellung seiner Fantasie entsprungen ist, gewinnt immer mehr an Wirklichkeitsnähe.
Im März 2026 will ein Hobby-Forscher anhand von Sonaraufnahmen im Golf von Mexiko die Überreste einer rund 12.000 Jahre alten Stadt entdeckt haben. Darunter befindet sich auch eine 85 Meter hohe Struktur, die als Pyramide betrachtet wird. Ein Architekt, der die Aufnahmen auswertete, ist überzeugt, dass es sich nicht um natürliche Formationen, sondern um Überreste einer versunkenen Zivilisation und um geordnete Strukturen einer komplexen Anlage handelt. Dies führte zu Vergleichen mit Atlantis.
Auch 2025 gab es eine Meldung über eine mögliche Entdeckung von Atlantis. Ein US-amerikanischer Archäologe hat seinen Angaben zufolge nach acht Jahren Untersuchung 3 km vor der spanischen Küste bei Cadiz mögliche Überreste von Atlantis entdeckt. Dort erkannte er drei konzentrische ringförmige Strukturen. Sie seien massiv und jeweils mehrere 100 Meter breit mit gerade verlaufenden Wänden, glatten Oberflächen und gleichmäßig gestapelten Steinblöcken. Im Zentrum der Anlage stehe ein riesiger Felsblock, der als Tempel gedient haben könnte. Cadiz liegt rund 100 km außerhalb der legendären Säulen des Herkules, der heutigen Meerenge von Gibraltar, die von Platon als Orientierungspunkt für die Lage von Atlantis genannt wurde.
Warum suchen so viele Archäologen, Historiker und Hobbytaucher nach den Ruinen von Atlantis? Weil Platon eine märchenhafte und geheimnisvolle Seemacht mit weit gespannten Beziehungen beschrieb und viele der Meinung sind, eine solche Metropole könne nicht ohne Überreste im Meer verschwunden sein. Platon verpackte seine Gedanken oftmals in erfundene Geschichten, damit sie besser wirken und verstanden werden konnten. Zweimal berichtete er über Atlantis, über eine wohlhabende sonnige Inselwelt mit üppiger Vegetation und einer Vielfalt von Tieren. Wassergräben und Quellen versorgten die Stadt und sorgten für eine ausreichende Bewässerung. Die äußeren Kanäle waren als Häfen angelegt. Tempel und Häuser waren Meisterwerke der Baukunst. Für Wettkämpfe gab es eine eigen Rennstrecke. Atlantik war reich an Rohstoffen, überall wurde Gold, Silber und Messing verwendet. Atlantis war laut Platon ein Idealstaat, eine Art Paradies.
Atlantis war eine hoch entwickelte Handels- und Seemacht, die große Teile Europas und Afrikas unterworfen hatte und über ein riesiges Heer und eine Marine mit 1200 Kriegsschiffen und 240.000 Mann Besatzung verfügte. Die Expansion endete erst 9600 v.Chr. nach einem gescheiterten Angriff auf Athen. Infolge einer Naturkatastrophe mit Erdbeben und Überschwemmungen sei Atlantis „innerhalb eines einzigen Tages und einer unglückseligen Nacht“ im Meer verschwunden. Die militärische Niederlage und der Untergang werden von Platon als Strafe der Götter für die Hybris der Herrscher und deren Gier nach Macht und Reichtum gewertet.
Untergangsbeschreibung?
Die Bedeutung, die der Atlantis-Thematik zugesprochen wird, zeigt sich darin, dass drei Konferenzen sich damit befasst haben. Die erste fand im Juli 2025 auf der Insel Milos statt, ihr Ziel war die Sammlung und Auflistung von Kriterien für Atlantis-Fundorte. Ergebnis war nicht eine Übereinkunft im Sinne eines realhistorischen Wegweisers, sondern eine Liste, die als Orientierungshilfe dienen soll. 24 Bedingungen wurden genannt, die ein hypothetischer Atlantis-Standort erfüllen soll. Platon hatte bekanntlich eine detaillierte Beschreibung von Atlantis geliefert und damit viele Anhaltspunkte für dessen Lokalisierung geliefert. Zudem wurden 48 unterschiedliche Erklärungen und Theorien zum Standort von Atlantis vorgestellt, wobei der Schwerpunkt im Mittelmeerraum lag.
Einschränkend wurde festgehalten, dass z.B. die bautechnischen Beschreibungen von Platon die Jahrhunderte nicht unbeschadet überstanden hätten. Daher hatten einige der bisherigen Hypothesen etliche der von Platon gegebenen Hinweise entweder ganz außen vorgelassen oder uminterpretiert. Trotz des großen Interesses und der vielen Präsentationen betonen Fachwissenschaftler (und Kritiker), dass keine der auf der Konferenz vorgestellten Hypothesen eindeutige, wissenschaftlich haltbare Beweise für die tatsächliche Existenz von Atlantis erbracht hat.
Eine zweite Konferenz zur Vertiefung des Kenntnis- und Diskussionsstandes fand im November 2009 in Athen statt, die dritte im Juni 2011 auf der Insel Santorin.
Teilnehmende der Konferenzen waren Historiker und Archäologen, aber auch Privatforscher, fachfremde Wissenschaftler und Atlantisskeptiker. Unabhängig von diesen Konferenzen bestehen universitäre Einrichtungen, die sich mit Einzelheiten des Atlantis-Mythos befassen, ortsübergreifende Untersuchungen durchführen, Kriterien für die Standortsuche definieren und versuchen zu klären, welche geschichtlichen Situationen und Entwicklungen zu bestimmten Lokalisierungen von Atlantis geführt haben.
Belege für die tatsächliche Existenz von Atlantis gibt es nicht. Funde wie Tonscherben, Münzen oder Schmuck liegen nicht vor. Andere schriftliche Quellen zur Existenz von Atlantis wurden nicht gefunden, obwohl Atlantis doch eine starke Handels- und Militärmacht gewesen sein soll. Daher wird die Darstellung von Platon oft als Mythos angesehen, als Vision einer idealen Zivilisation, die Anlass zu Spekulationen gibt. Manche sehen sie als Mahnung an die wohlhabenden Bewohner von Athen, nicht (übermütig) oder (leichtsinnig) zu werden. Bezweifelt wird auch, wieso Platon Einzelheiten über Atlantis und seinen Untergang wissen konnte, obwohl das Ereignis rund 9.000 Jahre zurücklag.
Platons Text besteht aus einem Dialog zwischen den beiden Griechen Timaios und Kritias, der vermutlich wegen des Todes von Platon plötzlich abbricht. Kritias gibt an, die Geschichte von Atlantis von seinem Großvater erfahren zu habe, der sie wiederum von dem berühmten Gesetzgeber Solon gehört habe, der sie aus einem Tempel in Ägypten mitgebracht habe. Diese Beweiskette soll offenbar den Wahrheitsgehalt von Platons Erzählung unterstreichen. Atlantis und Athen hätten danach bereits 1000 Jahre vor Ägypten existiert. In dieser Aussage könnte auch ein Versuch Platons liegen, mögliche Plagiatsvorwürfe abzuwehren und sich gegen die Konkurrenz von Homer und seiner Troja-Erzählung zu behaupten.
Offenbar bediente sich Platon realer Vorbilder. Die politische Struktur von Atlantis erinnert an die Hierarchie des Perserreiches, für die Hafenanlage von Atlantis dient Karthago als Modell, und der misslungene Versuch von Atlantis, Athen zu unterwerfen, kann als Rückblick auf die grandios gescheiterten Pläne der Seemacht Athen gesehen werden, Sizilien und Karthago zu einzunehmen. Auch auf die Invasion der sogenannten Seevölker in Ägypten im 12. Jahrhundert v.Chr. finden sich Hinweise. Sogar auf eine vergleichbare Naturkatastrophe konnte Platon zurückgreifen: 373 v.Chr., also wenige Jahre zuvor, war die reiche griechische Stadt Helike in einer Flutwelle untergegangen.
Platon war sich offenbar bewusst, dass eine Erzählung auf Zweifel stoßen würde. Den Umstand, dass es zur Existenz von Atlantis und zu dem glorreichen Sieg der Athener weder in Griechenland noch anderswo Aufzeichnungen, Dokumente oder Sagen gibt, begründete er damit, dass es in Athens Geschichte immer wieder Erdbeben und Überschwemmungen gegeben habe, die Griechenland heimgesucht hätten. So sei das komplette Wissen verloren gegangen.
DIe Skeptiker am Wahrheitsgehalt von Platons Erzählung haben starke Argumente, dennoch gab und gibt es eine Minderheit, die daran glaubt. Immerhin habe Platon immer wieder von einem wahren Bericht und nicht von einer Geschichte gesprochen. Dies wäre riskant gewesen, wenn Platon mit einer Entlarvung hätte rechnen müssen. Auch sei die ausführliche und präzise Beschreibung von Atlantis mit Benennung zahlreicher Einzelheiten nicht erforderlich gewesen, wenn es sich nur um eine Art Fabel gehalten hätte.
Seit dem späten 19. Jahrhundert wird wieder die Ansicht vertreten, dass Atlantis tatsächlich existiert habe. Damals wurden die alten griechischen und römischen Manuskripte wiederentdeckt. Bei der Entdeckung Amerikas entstand zunächst die Vermutung, dass es sich um den Rest eines untergegangenen Kontinents handele. Die Errungenschaften der Antike seien – so die Begründung – ohne Rückgriff auf eine hochentwickelte Zivilisation nicht nachvollziehbar.
Allerdings waren Lokalisierungsversuche zumeist Hypothesen einzelner Personen und zudem keineswegs immer argumentativ begründete Vermutungen anhand der Angaben von Platon. Vermutet wurde z.B.ein Kontinent, der von Meeresströmungen überflutet wurde und im Atlantik versank. Die Vielfalt und Vielzahl von Standorte und Begründungen ist bemerkenswert. Manche verlagerten Atlantis vor die Bahamas, bekanntlich eine Region mit unerklärlichen Schifffahrt- und Luftfahrtunglücken, wo 1957 in sieben Meter Tiefe Steinblöcke in nahezu rechteckigen Formationen entdeckt wurden. Andere Erklärungen lokalisieren die Stadt an den unterschiedlichsten Orten, vor allem im Mittelmeer und im Atlantik, wo eine Verbindungsbrücke zu Amerika bestanden haben soll. Genannt werden – da naheliegend – die Azoren und die Kanarischen Inseln. Zum Standort Azoren liegt eine recht detaillierte Begründung vor, die z.B. den Golfstrom, Sprachverwandschaften und einen Planeteneinschlag einbezieht, der die Zerstörung anhand des Maya-Kalenders auf den 5. Juni 8498 v.Chr. um 13.00 h datiert.
Die spanische Süd-West-Küste von Andalusien in der Nähe von Cadiz wurde immer wieder als möglicher Standort von Atlantis genannt. Schon 1592 wurde das Delta des Guadalquivir erwähnt, eines wichtigen Handelsweges. Darin entdeckte man 2004 ringförmige Strukturen, die offenbar von Menschenhand geschaffen waren. Hier lag auch Tartessos, ein hochentwickeltes bronzezeitliches Königreich, das im 1. Jahrtausend v.Chr. für seinen enormen Reichtum an Metallen wie Silber und Gold bekannt war, bevor es im 5. Jahrhundert v.Chr. verschwand. Es liegt nahe, dass Platon darauf Bezug genommen hat.
Alternativ wurden auch prähistorische Siedlungen in Portugal nördlich von Lissabon mit Atlantis in Verbindung gebracht.
Sardinien weist zahlreiche Relikte verschiedener Kulturen auf, u.a. mehrere tausend turmartige megalithische Rundbauten (“Nuraghen“). Da überrascht es nicht, dass es als Atlantis identifiziert wurde, das von dort aus weite Teile des westlichen Mittelmeers kontrolliert habe. Als Platons ‘Herkulische Säulen’ wurde die Meerenge zwischen Sardinien und Korsika angesehen. 2021 wurde die These aufgestellt, dass Sardinien und Korsika Teil eines großen Festlandblocks gewesen seien, der an den heutigen Küsten weitgehend untergetaucht sei.
Auch Sizilien wird als mögliches Atlantis gehandelt, zumal wissenschaftlich belegt ist, dass der Meeresspiegel dort früher deutlich niedriger war und ein Großsizilien bestand, das sich bis Malta erstreckte. Die ‘Säulen des Herkules’ bildete dann die Meerenge zwischen Großsizilien und Nordafrika bzw. später die Straße von Messina. Als Ursache für die Überflutung weiter Teile dieses Gebiets werden die Wassermassen betrachtet, die nach dem Bruch eines natürlichen Dammes bei Gibraltar vom Atlantik ins Mittelmeer flossen.
Malta gehörte demnach auch zu einer ehemaligen größeren Landmasse. Als dort Mitte des 19. Jahrhundert Ausgrabungen begannen, erkannte man bald, das die Insel in prähistorischer Zeit Sitz einer hoch entwickelten Kultur war. Struktur und Formen der uralten Monumente unterstrichen diesen Eindruck, so dass Parallelen zu Atlantis gezogen wurden. Die massiven Lehmablagerungen, auf die die Archäologen stießen, stützen die Vermutung einer Flutkatastrophe, die auf 2.200 v.Chr. datiert wird.
Manche Autoren verbinden Atlantis mit der Vulkaneruption auf der Insel Santorin, die um 1400 v.Chr. die hochentwickelte minoische Kultur auf den Inseln Kreta und Thera (heute Santorin) zerstörte. Die Minoer waren die erste europäische Hochkultur, u.a. mit gepflasterten Straßen, einem intensiven Seehandel und einer eigenen Schrift. Nachdem ab 1900 minoische Ruinen auf Kreta ausgegraben wurden und damit die vormalige Existenz dieser bis dahin sagenhaften Kultur bewiesen war, entstanden die ersten Thesen, die diese als Atlantis definierten. Allerdings verschwand die minoische Kultur erst 50 Jahre nach dem Vulkanausbruch. Zudem verlief 1976 eine eingehende und von der griechischen Regierung geförderte Untersuchung durch den Meeresforscher Cousteau ergebnislos.
Ein anderer Ort im Mittelmeer, der als Ursprung von Atlantis genannt wird, ist die einst mächtige Stadt Helike im Norden der Peleponnes, die 373 nach einem Erdbeben von einem Tsunami überflutet wurde. Die Ruinen wurden von Schlammablagerungen bedeckt und blieben jahrhundertelang unauffindbar. Erst 2001 fand man Überreste. Ein ähnliches Schicksal erlitt Pavlopetri, ebenfalls am Peleponnes gelegen, das vor mehr als 5000 Jahren dem Anstieg des Meeresspiegels zum Opfer fiel.
Auch in Nordafrika wurden Atlantis-Standorte genannt, beeinflusst durch die Mittelmeerküste und das Atlasgebirge. Unter der Annahme, dass es vor der Flutung des Mittelmeers eine Landbrücke oder zumindest eine Meerenge zwischen Afrika und Europa gegeben hat, werden untergegangene Regionen vor Algerien, Tunesien oder Libyen als Positionen vertreten. In Marokko wurden gleich zwei Standorte benannt, das historische Denkmal Chellah voll antiker Überreste und der Naturpark Souss Massa.
Als Ursprung von Atlantis wird auch das bronzezeitliche Troja genannt, obwohl es auf dem Festland liegt. Sogar Friesland wird einbezogen; es sei Standort einer arischen Hochkultur gewesen. Selbst entfernte Standorte wie Nigeria (in der Nähe des Äquators), der Golf von Guinea und die Insel Sherbo in Sierra Leone wurden vorgeschlagen. Im Jahr 2001 entdeckte man vor der Westküste Kubas in ca. 700 m Tiefe sonarbasierte Hinweise auf riesige, geometrische Strukturen (pyramiden- und kreisförmige Granitblöcke). Diese “Unterwasserstadt” löste Spekulationen über eine versunkene Zivilisation oder eine Verbindung zum Atlantis-Mythos aus.
2005 erschien ein Buch, das Atlantis mit dem Industal in Verbindung brachte und die Meerenge des Bab al-Mandab (am Jemen) als ‘Säulen des Herkules’ einstufte. Die Kultur Altindiens wird als Überrest der Atlantik-Zivilisation betrachtet. Aufgrund der Annahme, dass sich vor der jüngsten Eiszeit im Malaiischen Archipel eine zusammenhängende Landmasse „Sundaland“, Sahul bzw. Großaustralien befunden habe, fanden auch in dieser Region Forschungen nach dem Ursprung von Atlantis statt.
Ziemlich vage ist die Verortung in der westtürkischen Provinz Manisa. Aufhänger ist ein Besuch von Solon in Lydien, wo er u.a. Äsop traf, den berühmter Autor zahlreicher Fabeln. Auch im Balkan wurde Atlantis vermutet. So sei die römische Provinz Dakien vormals Zentrum eines großräumigen frühgriechischen Reiches gewesen, wo Atlantis gelegen haben könnte. Aufgrund von Satellitenfotos wurde auch Albanien genannt. Andere sahen Atlantis in der Adria, wo es über den Balkan, den Apennin, Malta und Kreta herrschte. Das Ende des Reiches wird mit einem Asteroideneinschlag erklärt.
Andere Lokalisierungen zielten auf Örtlichkeiten und Zusammenhänge mit den Megalithkulturen in Nordwest-Europa. Anlass ist der Umstand, dass noch Ende der jüngsten Eiszeit große Teile der Keltischen See, der Irischen See und der Ärmelkanal trocken lagen und dort Atlantis vermutet wurde. Zentrum sei die heutige Isle of Man gewesen. Unter Bezug auf den 5000 Jahre alten Steinbau von Stonehenge wurde sogar die Auffassung vertreten, dass Großbritannien die Wiege der Zivilisation gewesen und 1322 v.Chr. durch einen Kometen vernichtet worden sei. Auch die 300 km lange und bis zu 120 km breite Doggerbank zwischen Großbritannien und Skandinavien, die gegen 6000 v.Chr. im Meer versank, wird mit Atlantis in Verbindung gebracht. Konkret benannt wird eine versunkene Insel östlich von Helgoland.
Auch in der Bretagne wird Atlantis vermutet. Dabei wird von einer kompakten Landmasse ausgegangen, die sich von der Bretagne bis Irland erstreckte. Die Steinreihen der Menhire von Carnac werden als atlantischen Erbe betrachtet. Andere Vorschläge nennen Grönland und – erstaunlicherweise – Schweden, das als Wiege der Kultur bezeichnet wird, wo sich Atlantis befunden habe. Andere Lokalisierungshypothesen plädieren für Spitzbergen und Norwegen. Der Eindruck, dass es eher um die Erfindung weiterer nordeuropäischer Atlantisortungen als um handfeste und überprüfbare Standorte geht. In diesen Zusammenhang passen auch die Berichte über die riesige Insel Thule im hohen Norden.
Aus dem Rahmen fällt die These, dass Atlantis in der Antarktis lag. Erst durch eine Verlagerung der Erdachse vor etwa 12.000 Jahren sei der Kontinent nach Süden gewandert und vereist. Andere Wissenschaftler sahen den Grund dafür in einer Verschiebung der gesamten Erdkruste oder in kosmisch veranlassten Abweichungen. Nicht ganz abwegig ist der Bezug auf den Durchbruch des Mittelmeers zum Schwarzen Meer vor 7.600 Jahren. Dieses war bis dahin ein großer Süßwassersee. Der damalige Anstieg des globalen Meeresspiegels (einschließlich des Mittelmeers) führte dazu, dass ein Durchbruch entstand und riesige Wassermassen durch den Bosporus in das etwa 100 bis 150 m tiefer gelegene Schwarze Meer strömten und dort alles überfluteten, einschließlich einer hypothetischen Kultur im Nordwesten des Meeres. Dieses geologische Ereignis dient übrigens auch zur Erklärung der Sintflut.
In der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus traten völkische Überlegungen der Atlantik-Sage in den Vordergrund. Die untergegangene Metropole wurde nunmehr in der Nordsee sowie am Nordpol lokalisiert. Anhänger solcher Ideen setzten Atlantis mit dem sagenumwobenen Thule gleich und erklärten es zur Urheimat der arischen Herrenrasse. Später wurde Atlantis bei Helgoland verortet. Oft wird auch Vineta, eine sagenumwobene, versunkene Handelsstadt, die angeblich an der vorpommerschen Ostseeküste vor Usedom gelegen hat, als „Atlantis der Ostsee“ bezeichnet.. Obwohl in alten Chroniken erwähnt, ist ihre Existenz nicht zweifelsfrei bewiesen. Sie gilt daher als Mythos.

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