Deutschlandfunk – die letzte Insel des Fachjournalismus vor ihrer Überschwemmung durch die Formatierungswelle
Vor 16 Jahren hatte ich hier beschrieben, warum ich vor den ARD-Formatradios geflohen bin. Mein Exil wurde der Deutschlandfunk. Nun will der mich auch vertreiben. Exekutorin ist DLF-Programmdirektorin Jona Teichmann, die als Import vom WDR offenbar nichts anderes gelernt hat. Frau Teichmann ist 63, Intendant Stefan Raue 67 (ebenfalls Ex-WDR-Mitarbeiter) will nächstes Jahr nicht zur Wiederwahl kandidieren. Haben sie es also eilig?
Das sieht so aus, wenn mann, wie ich, Stefan Niggemeier/uebermedien glaubt. Er hat ausrecherchiert, wie die interne Debatte im DLF, über die selbstverständlich im Programm mit keiner Silbe berichtet wird, bisher gelaufen ist.
“Neues Sendeschema ab November: ‘Kulturwandel’ oder Verflachung? Deutschlandfunk plant große Programmreform – Der Deutschlandfunk baut sein Programm radikal um: weniger Fachmagazine, mehr Podcasts im Radio und eine neue ‘Drive Time’ am späten Nachmittag. Mitarbeiter fürchten ein Mainstream-Programm und den Verlust von Expertise, die Programmdirektorin erhofft sich mehr Freiheiten für Projekte.”
Frau Teichmann ist im Sender auch die, die die Textangebote in der DLF-Onlinepräsenz vernichtet hat. Weil die 4-6 Zeitungsverlagsmilliardär*inn*e*n in Deutschland, deren Geschäftsmodelle geplatzt sind, weil sie die Digitalisierung verschliefen, es so verlangen. Ihre Jurist*inn*en-Armeen haben dafür den Begriff – keine Satire! – “Presseähnlichkeit” erfunden.
Die Paywall wird bei uebermedien.de gewöhnlich nach einer Woche hochgezogen, manchmal auch mit Verspätung. Wenn Sie so lange nicht warten wollen und keinen Paywallbohrer zur Hand haben, melden Sie sich – streng privat und nur zum persönlichen Gebrauch – bei mir. Informierte Kreise haben mir den umfangreichen und informativen Text “zugespielt”.
Gestern lief in ebendiesem Sender eine gute Reportage vom “freien” Mitarbeiter Michael Borgers “‘Dann wird der Beruf aussterben’: Die Krise der Filmkritik” (Audio 6 min). Mit solchen Beiträgen in solchen Fachmagazinen soll Schluss gemacht werden. Nicht nur den Filmkritiker*innen soll es an den Kragen gehen. Zuviel Expertise. Das ist “langweilig”. Und meistens systemkritisch. Wer will das hören?
Ich bin angemessen entsetzt, und wenn es so kommt, weg. Als Hörer. Ich werde ja auch nächstes Jahr 70, bekäme also auch nach reaktionärsten Vorstellungen Rente – in Wirklichkeit schön seit 6 Jahren, ätschibätsch. Zur Strafe nehmen sie mir das Radio weg. Aus Niggemeiers Bericht geht zutreffend hervor, dass die Hörer*innen-Zahlen des DLF seit Jahren kontinuierlich steigen. Was die Oligarch*innen im Sender daran ärgert, ist nur, dass die alle so alt sind. Sie übersehen: wenn in der Migrationspolitik AfD-Politik gemacht wird, wie in weiten Teilen dieser Republik und in der von ihr beherrschten EU, dann werden die Jungen immer weniger, und wir Alten immer mehr. Sterben wir ohne Radio früher? Das ist ja wohl die rentenpolitische Absicht.
Ich wusste gar nicht, dass Intendant Raue SPD-Mitglied sein soll (Wikipedia behauptet das). Aber ja, das erklärt vieles …

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